Mittwoch, 8. April 2020

Coronavirus und die Folgen Fast 800 neue Corona-Tote in Italien

Immer mehr im Einsatz: Corona-Test-Röhrchen

Der Coronavirus fordert immer mehr Todesopfer: in Italien kletterte die Zahl der Toten innerhalb eines Tages um fast 800, in Spanien um mehr als 30 Prozent auf 1326. In Deutschland sind es je nach Zählung zwischen 47 und 70 Tote. Berlin plant nun finanziellen Hilfen in dreistelliger Milliardenhöhe. Lesen Sie die wichtigsten Entwicklungen im Newsblog.

  • In Italien steigt die Zahl der Corona-Opfer um fast 800 auf 4825.
  • Berlin plant einen Nachtragshaushalt und Hilfen in Milliardenhöhe für Betroffene.
  • Im Ausland steigt die Zahl der Staaten, die Ausgangs- und Einreisesperren verhängen.
  • Baden-Württemberg will Patienten aus Frankreich aufnehmen

19.30 Uhr

In Frankreich steigt die Zahl der Toten durch Corona um 112 auf nun 562. Die Zahl der Infizierten liegt nun bei 14.459

- Im Zuge der Coronavirus-Pandemie hat Italien an nur einem Tag fast 800 Tote vermeldet und damit so viele wie nie seit dem Ausbruch im Land. Bis Samstag starben 4825 Menschen, teilte der Zivilschutz in Rom mit. Das sind 793 mehr als am Vortag. Besonders stark betroffen ist die nördliche Region Lombardei, wo das Virus Ende Februar ausgebrochen war und die Krankenhäuser mittlerweile vor dem Kollaps stehen.

Zum Vergleich: In Deutschland gibt es - laut Zahlen aus dem Bundesländern - bisher insgesamt rund 70 Tote bei mehr als 21.000 Infizierten. Das Robert-Koch-Institut sprach zuletzt von 47 Toten. In Italien stieg die Zahl der Infizierten trotz aller Sperrmaßnahmen nun auf 53 578 Menschen - das sind über 4800 mehr als am Vortag.

19.00 Uhr

- Die Türkei verhängt eine Ausgangssperre für Menschen, die über 65 Jahre alt sind und für jene, die an einer chronischen Krankheit leiden. Die Verordnung werde um Mitternacht in Kraft treten, teilt das Innenministerium mit.

- Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD, Casten Schneider, bittet die Abgeordneten, in großer Zahl zu der Bundestagssitzung am Mittwoch zu kommen. "Vom Ergebnis dieser Abstimmung hängt es ab, ob es uns gelingen kann, eine der schwersten Krisen für unser Land seit vielen Jahrzehnten zu bewältigen", schreibt er in einer Reuters vorliegenden Mail. Der Bundestag will dann ein Multi-Milliarden-Hilfspaket beschließen, für das auch die Schuldenbremse im Grundgesetz außer Kraft gesetzt wird.

- Die Bundesregierung will die Voraussetzungen für Hartz-IV-Leistungen für sechs Monate befristet deutlich verringern, um vor allem kleinen Selbstständigen zu helfen. Laut einem Reuters vorliegenden Gesetzentwurf rechnet das Arbeitsministerium mit neuen Hartz-IV-Beziehern in einer "maximalen Größenordnung von 1,2 Millionen zugehenden Bedarfsgemeinschaften". Die "maximalen Mehrausgaben" für sechs Monate werden auf 9,6 Milliarden Euro beziffert. Arbeitsminister Hubert Heil (SPD) sagt der "Bild am Sonntag": "Das hilft erst einmal, um nicht ins Bodenlose zu stürzen."

18.30 Uhr

- US-Regierungsberater Larry Kudlow erklärt, die im Senat beratenen Wirtschaftshilfen wegen der Coronakrise hätten ein Volumen von zwei Billionen Dollar (1,86 Billionen Euro). "Das Packet wird rund zehn Prozent des BIP ausmachen", sagt er Reportern. Auf die Frage, ob dies zwei Billionen Dollar übersteigen würde, antwortet er: "Das ist korrekt."

- Guatemala verhängt eine achttägige Ausgangssperre. Kolumbien kündigte eine weitgehende Ausgangssperre von fast drei Wochen an. Die Zahl der Infizierten in Kolumbien war zuletzt auf 158 gestiegen. Davor hatten schon andere Länder der Region wie etwa Argentinien, wo die Menschen ihre Wohnungen bis zum 31. März nicht mehr verlassen

- Krankenhäuser sollen für Ausfälle in Folge der Corona-Krise Ausgleichszahlungen in Milliardenhöhe erhalten. Das berichtet "Bild am Sonntag" unter Berufung auf einen Gesetzentwurf des Gesundheitsministeriums. Demnach bekommen Krankenhäuser, die wegen des Virus planbare Operationen aussetzen oder verschieben, Ausfallkosten erstattet. Außerdem soll es für die Bereitstellung weiterer Intensivbetten zusätzliche Boni geben - in Höhe von 30.000 Euro pro zusätzlich geschaffenem Intensivbett.

- Qatar schließt seine Strände und Parks, um die Ausbreitung des Coronavirus zu erschweren. In dem Land gibt es bislang 481 bestätigte Fälle.

15.30 Uhr

Die Bundesregierung will für die von der Corona-Krise betroffenen Unternehmen Hilfen von 600 Milliarden Euro bereitstellen. 400 Milliarden sind davon als Garantien vorgesehen, mit denen Unternehmen sich gegen eine Gebühr absichern können, geht aus dem Reuters am Samstag vorliegenden Gesetzentwurf zum Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) hervor. Die Bundesregierung plant daneben 100 Milliarden Euro für direkte Unternehmensbeteiligungen ein. Damit will der Staat bei angeschlagenen Firmen einsteigen, um diese zu stabilisieren. Zudem soll das KfW-Programm für Liquiditätshilfen für Firmen 100 Milliarden Euro umfassen. "Die begrenzte Erhöhung der Kreditaufnahme für den Fonds hat keinen spürbaren Zinseffekt", heißt es in dem Gesetzentwurf.

Der WSF soll laut Gesetzentwurf für Unternehmen gelten, die in zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren vor dem 1. Januar 2020 mindestens zwei der drei folgenden Merkmale überschritten haben: eine Bilanzsumme von 160 Millionen Euro, 320 Millionen Euro Umsatz sowie im Jahresdurchschnitt 2.000 beschäftigte Arbeitnehmer. Diese Schwellenwerte müssen allerdings noch abschließend geklärt werden.

- Die Bundesregierung will den Unternehmen Online-Hauptversammlungen ermöglichen, ohne dass sie dafür ihre Satzungen ändern müssen. Das erfuhr Reuters aus Regierungskreisen. Die Gesetzesänderung für eine präsenzlosen Hauptversammlung mit eingeschränkten Anfechtungsmöglichkeiten sei bereits auf dem Weg.

- In Ägypten werden alle Moscheen und Kirchen wegen der Pandemie geschlossen. Die Vertreter der Al-Ashar-Moschee, eine der älstesten und größten des Landes, teilt mit, dies geschehe zum Schutz der Gläubigen und solle bis zum Ende der Epidemie gelten.

- Um in der Corona-Krise schneller und schärfer reagieren zu können, ändert die Bundesregierung nach "FAZ"-Informationen das Infektionsschutzgesetz. Der Bund soll künftig mehr Eingriffsmöglichkeiten im ganzen Land erhalten, während die Bundesländer zum Teil entmachtet werden, wie die Zeitung am Samstag unter Berufung auf einen Entwurf des Bundesgesundheitsministeriums zur Änderung des Gesetzes berichtete.

Künftig soll die Bundesregierung demnach zum Beispiel grenzüberschreitende Personentransporte untersagen können, per Handyortung die Kontaktpersonen von Infizierten suchen, die Versorgung mit Arzneien und Schutzausrüstung zentral steuern und medizinisches Personal zwangsrekrutieren. Sie kann dem Bericht zufolge aber keine Ausgangssperren anordnen, wie sie derzeit im Gespräch und in einigen Ländern schon in Kraft sind.

Der Entwurf soll demnach am Montag im Bundeskabinett verabschiedet und im Laufe der Woche im Eilverfahren im Bundestag und Bundesrat beschlossen werden.

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