Montag, 14. Oktober 2019

Kampf um Produzenten von "Fack ju Göhte" Wie ein Schweizer Investor bei Constantin Medien die Macht übernehmen will

So ungefähr geht es bei Constantin zu: "Fack ju Göhte"-Stars Elyas MBarek und Karoline Herfurth im Oktober 2013 in München.

Seit Jahren müht sich Dieter Hahn (55) eine große Nummer im Sportbusiness zu werden. Nun schickt sich ausgerechnetsein Widersacher, der etwas verschrobene Schweizer Investor Bernhard Burgener (59), an, diese Rolle auszufüllen. Er will bei seinem Lieblingsverein und Champions-League-Kandidaten FC Basel die Anteilsmehrheit und das Präsidentenamt übernehmen. Zudem hat er mit Partnern eine Box-Weltmeisterschaft (World Boxing Super Series) ins Leben gerufen.

Aber perfekt wäre das Coming-Out Burgeners, wenn ihm gelänge, woran er dieser Tage im Verborgenen arbeitet: Die Kontrolle der börsennotierten Münchner Constantin Medien AG (CMAG) im Zuge eines freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots für deren Aktien zu übernehmen. Zur CMAG zählen der Champions-League-Vermarkter Team, aber auch Filmproduzent Constantin ("Fack ju Göhte").

Ein solches Angebot soll möglichst noch in der ersten Maihälfte vorliegen. Als Vehikel für die Offerte will Burgener die von ihm persönlich kontrollierte Firma Highlight Event & Entertainment (HLEE) nutzen, sagen Personen, die mit den Plänen vertraut sind.

Um für Constantin bieten zu können, will Burgener die HLEE mit Eigenkapital aufpumpen und geht dafür dort in die Minderheitsposition. Einer von Burgeners Geschäftspartnern soll neue Aktien im Zuge einer Darlehensumwandlung erhalten. Gleichzeitig erhält die HLEE jene Constantin-Aktien, die bislang von Burgener und seinen Freunden gehalten werden, knapp 30 Prozent. Das Eigenkapital des Vehikels würde von rund 19 auf fast 70 Millionen Franken schnellen. Genug, um darauf einen fetten Kredit aufzunehmen, der die geplante Offerte finanziert.

Zusätzlich würde Burgener gern noch einen Investor hereinholen, der neue Aktien erhielte. Dann läge das Eigenkapital bei nahezu 90 Millionen Franken. Über all diese Maßnahmen soll eine außerordentliche HLEE-Generalversammlung am 2. Mai abstimmen.

Burgener verhandelt mit seiner Hausbank Credit Suisse über einen Kredit über 50 Million Euro. So viel würde er wohl brauchen, um von knapp 30 Prozent auf die Mehrheit aufzustocken. Allerdings muss der Schweizer sich für den Fall wappnen, dass weitere Aktionäre ihm seine Aktien andienen - etwa sein Widersacher Hahn. Dieser kontrolliert wie Burgener knapp 30 Prozent der CMAG, der Rest ist Streubesitz. Das Gesetz verlangt von Burgener eine Bankbürgschaft, die garantiert, dass er auch alle Aktien kaufen kann, wenn sie ihm angeboten werden.

Der ganzen Rechnung, über die sich Burgener auf Nachfragen in Schweigen hüllt, liegt ein Angebotspreis von mindestens 2,60 Euro pro CMAG-Aktie zugrunde. Das sind immerhin mehr als 40 Prozent über dem derzeitigen Börsenkurs. Aber Burgeners Leute glauben, dass die Gesamtfirma spielend 250 Millionen Euro wert ist, was dem angepeilten Übernahmepreis entspricht.

Was aber macht Dieter Hahn? Der erklärt die meisten Aktionen Burgeners schlicht für illegal und hat eine Reihe von Verfahren in der Sache angestrengt. Überdies aber hat sich Hahn soeben 100 Aktien der HLEE zugelegt. Damit könnte er zu deren Generalversammlung am 2. Mai erscheinen und versuchen, die Pläne zu torpedieren.

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