Mittwoch, 8. April 2020

Polnische Lot stellt neue Bedingungen Condor-Rettung droht zu scheitern

Condor: Polnische Lot stellt neue Bedingungen
Roland Weihrauch / DPA
Condor: Polnische Lot stellt neue Bedingungen

Die Rettung des Ferienfliegers Condor droht zu scheitern. Nach SPIEGEL-Informationen soll die Muttergesellschaft der polnischen Fluglinie Lot, die Condor ursprünglich übernehmen wollte, extreme Forderungen an das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin gerichtet haben. Aus Verhandlungskreisen wird berichtet, dass die Erfüllung dieser Forderungen einer nahezu kompletten Absicherung des Investments gleichkommen würden.

Ein Verhandlungsteilnehmer vermutet gar, dass die Hürden bewusst gewählt worden seien, um aus dem Kaufvertrag wieder herauszukommen. "Wenn man darauf eingehen würde, käme dies einem Verschenken der Condor an ein polnisches Unternehmen gleich", sagte der Insider.

Verkaufserlös sollte Überbrückungskredit bis 15. April begleichen

Condor will nun mehr Zeit für die Rückzahlung des Staatskredits von 380 Millionen Euro verhandeln, so ein Insider gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Es gebe aber noch keine Entscheidung der staatlichen Förderbank KfW. Bisher muss das Unternehmen den auf sechs Monate angelegten Überbrückungskredit bis zum 15. April zurückzahlen.

Der Kredit soll auch mit dem Erlös aus dem Verkauf von Condor an die Dachgesellschaft der staatlichen polnischen Fluggesellschaft LOT getilgt werden. Doch das Geld ist noch nicht geflossen, nachdem die Luftfahrt in der Coronakrise darniederliegt.

Das Fachmagazin "fvw" hatte zuvor berichtet, Condor habe bereits einen Antrag auf Fristverlängerung gestellt. Das Unternehmen selbst, die KfW und das Bundeswirtschaftsministerium lehnten eine Stellungnahme dazu ab. Das hessische Finanzministerium erklärte: "Eine Verlängerung des Kredits ist nicht angefragt."

Condor hatte Thomas-Cook-Pleite dank Staatshilfen überstanden

Die EU-Kommission hatte Mitte Oktober grünes Licht für den Staatskredit gegeben, der Condor nach der Pleite des früheren Mutterkonzerns Thomas Cook das Überleben ermöglichte. Die Gläubiger des Ferienfliegers haben den Plan zur Übernahme der Airline durch das Luftfahrtunternehmen PGL kürzlich mit Mehrheit abgesegnet. Die Einspruchsfrist dazu läuft nächste Woche ab - damit wäre auch das Schutzschirmverfahren beendet. Bei Condor hat man Angst, dass etwa der Pensionssicherungsverein (PSV) Einspruch einlegen und das Verfahren verzögern könnte. Die Organisation, die bei Schieflagen von Firmen die Betriebsrenten absichert, hatte Nachforderungen gestellt.

Die Coronavirus-Epidemie sorgt wegen Reisewarnungen und schwindender Nachfrage dazu, dass weltweit die meisten Airlines den Flugbetrieb drastisch reduziert haben. Wegen Rückholaktionen aus Urlaubsregionen sind derzeit noch fast alle Condor-Maschinen in der Luft, wie eine Sprecherin sagte. Condor hat aber bereits staatliche Hilfen beantragt. Über Höhe und Art - ob Direkthilfen oder Kredite - äußert sich der Ferienflieger nicht.

la/reuters/Spiegel Online

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