Montag, 21. Oktober 2019

Nach Thomas-Cook-Pleite DER Touristik hält Beteiligung an Condor für möglich

Dank des Überbrückungskredits vom Staat heben die Maschinen der insolventen Thomas-Cook-Tochter Condor noch ab

Die Pleite des britischen Reisekonzerns Thomas Cook wirbelt die Tourismusbranche durcheinander. Der Reisekonzern DER Touristik - einer der großen in Deutschland - hat klare Vorstellungen von einer Neuordnung.

So hat DER nur wenig Interesse an einer Übernahme der deutschen Tochter von Thomas Cook. "Wir haben ein sehr gut aufgestelltes Portfolio an Marken und Produkten", sagte Zentraleuropa-Chef Ingo Burmester der Deutschen Presse-Agentur. "Nur Volumen zu gewinnen, macht wenig Sinn." Umgekehrt hat DER Touristik ein großes Interesse, dass der ebenfalls zum insolventen britischen Reisekonzern Thomas Cook gehörende Ferienflieger Condor weiter in der Luft bleibt.

"Eine gesamthafte Übernahme von Condor kann ich mir nicht vorstellen. Eine anteilige Beteiligung würde ich aber nicht grundsätzlich ausschließen", sagte Burmester. Die Priorität aus Sicht von DER Touristik liege aber in einer "eigenständigen, dauerhaft erfolgreichen Airline".

Condor fliegt dank Überbrückungskredit planmäßig

Condor ist ein wichtiger Partner verschiedener Reiseveranstalter. Die Airline fliegt derzeit planmäßig - dank eines 380-Millionenkredits vom Staat. Sie hat im Gegensatz zu dem Reiseveranstalter keinen Insolvenzantrag gestellt, sondern ist in einem Schutzschirmverfahren. Damit soll verhindert werden, dass Geld an den insolventen britischen Mutterkonzern abfließt. Condor spricht bereits mit möglichen Kaufinteressenten. Der sogenannten Rettungshilfe muss aber auch die EU-Kommission noch zustimmen.

"Condor ist sehr verlässlich und gerade im Moment bei Kunden sehr beliebt. Wir stellen aktuell steigende Buchungen für Sommer und Winter auf Condor-Flügen fest", sagte Burmester.

Zwar geht Burmester davon aus, dass die Marken der deutschen Thomas Cook, darunter auch Neckermann Reisen, durch die Insolvenz Vertrauen verloren haben. Einen Imageschaden für die Pauschalreise als solche erwartet der Manager aber nicht unbedingt. "Eine Pauschalreise ist immer noch das allersicherste, was man machen kann, auch durch die Absicherung durch eine Reiseinsolvenzversicherung."

Zugleich betonte der Manager: "DER Touristik ist einer der insolvenzsichersten Reiseveranstalter, weil wir den langfristig planenden, genossenschaftlich organisierten Rewe-Konzern als Mutter haben und nicht an der Börse notiert sind."

Die deutsche Thomas Cook, zu der unter anderem Neckermann Reisen, Öger Tours und Bucher Reisen gehören, war in den Sog der Pleite der britischen Mutter geraten. Drei deutsche Thomas-Cook-Gesellschaften stellten vergangene Woche Insolvenzantrag. Alle weiteren Reisen bis einschließlich 31. Oktober sind abgesagt, auch wenn sie schon bezahlt sind. Grundsätzlich ist auch für diese Fälle die Versicherung Zurich zuständig. Neue Reisen werden vorerst nicht mehr verkauft.

Vermutlich auch Reiserücktrittsversicherer belastet

Ob jeder Reisende, der jetzt zum Beispiel für die Herbstferien mit Thomas Cook gebucht hatte, den vollen Betrag von Zurich erstattet bekommt, muss sich noch erweisen. Beobachter schließen nicht aus, dass die Pleite der deutschen Tochter mit einem Marktanteil von 10 Prozent in Deutschland, noch andernorts Folgen zeigen wird. Wer etwa der Zurich nicht traut, könnte sich gegebenenfalls zum ursprünglichen Reiseantritt via ärztliches Attest krank melden und so versuchen, einen Großteil des Reisepreises über seine Reiserücktrittsversicherung erstattet zu bekommen, hieß es am Morgen bei NDR Info.

rei mit dpa

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