Montag, 22. April 2019

Rekordlauf an der Börse Das Comeback der Schwellenland-Aktien

Vorteil Brasilien: Nicht nur der brasilianische Bovespa, sondern auch die Börsen in Indien, Indonesien und Russland haben zu einem Rekordlauf angesetzt
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Vorteil Brasilien: Nicht nur der brasilianische Bovespa, sondern auch die Börsen in Indien, Indonesien und Russland haben zu einem Rekordlauf angesetzt

Nicht nur Sportfans blickten in den vergangenen Wochen nach Rio. Schwellenländer wie Brasilien, Indien oder Russland haben an der Börse zu einem Rekordlauf angesetzt. Das hat Gründe.

Der Dax Börsen-Chart zeigen schwankt seit seiner jüngsten Erholung wieder stark, US-Aktien notieren auf Rekordniveau und sind vergleichsweise teuer: Für Anleger ist es derzeit nicht leicht, Aktien mit einem attraktiven Chance-Risiko-Verhältnis zu finden. Doch pünktlich zu den Olympischen Sommerspielen in Rio setzen die Schwellenland-Börsen in Brasilien, Indien, Russland oder Indonesien ihren Rekordlauf fort und rücken wieder in den Blick der Investoren: Mit Zuwächsen zwischen 20 und 60 Prozent seit Februar haben etwa der brasilianische Leitindex Bovespa, der indische BSE Sensex oder der russische RTS ihre Pendants in den Industrieländern weit hinter sich gelassen.

Auch wenn der US-Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen nahe Rekordhoch notiert und der Dax Börsen-Chart zeigen sich von seinem Frühjahrs-Absturz wieder erholt hat: Die Kursentwicklung in den sogenannten "BRIC" (Brasilien, Russland, Indien, China) oder "MIST" Staaten (Mexiko, Indonesien, Südkorea, Türkei) war in den vergangenen 6 Monaten weit besser. Die Schwellenländer benötigen keine eingängigen Abkürzungen wie "BRIC" und "MIST" mehr, welche die Investmentbank Goldman Sachs einst für sie ersonnen hat, um ihre teuren Fondsprodukte besser zu vermarkten. Für die günstigeren Indexfonds (ETF) auf diese Länder sprechen derzeit eine ganze Reihe von Faktoren.

- Die Zinsen bleiben unten: Der Brexit hat dafür gesorgt, dass viele internationale Investoren um europäische Aktien weiterhin einen Bogen machen. Zugleich sieht auch die US-Notenbank Fed den Brexit als ein Risiko für die Weltkonjunktur und hat unter anderem deshalb darauf verzichtet, trotz einer soliden Konjunktur in den USA die Zinsen zu erhöhen. An der Börse wird frühestens für Dezember mit einer vorsichtigen Zinserhöhung in den USA gerechnet. Weiterhin niedrige Zinsen und eine Billiggeldpolitik der Notenbanken wirken sich positiv für die Schwellenländer aus - Geld sucht Anlageziele.

- Investoren hatten Schwellenland-Aktien lange Zeit gemieden, die meisten Schwellenland-Papiere erholen sich erst seit diesem Frühjahr von einem tiefen Sturz. Ein solcher Zeitpunkt ist meist günstig für einen vorsichtigen Einstieg.

- Die Ölpreise und Rohstoffpreise erholen sich seit dem Frühjahr schrittweise von ihrem Absturz. Eine Stabilisierung der Öl- und Rohstoffpreise ist ein wichtiger Treiber für die Erholung in Staaten wie Brasilien, Russland oder Venezuela, deren Wirtschaft stark von den Rohstoffpreisen abhängig ist.

- Der befürchtete Konjunktureinbruch in China ist ausgeblieben - auch deshalb, weil die Zentralbank in Peking immer mehr Geld in die Wirtschaft pumpt. Damit steigt zwar die Verschuldung, doch an den Märkten herrscht laut der DekaBank vor allem Erleichterung darüber, dass die Krise in den "Hauptsorgenländern" Brasilien, Russland und China derzeit an Schärfe verliere. Hinzu komme die Einschätzung, dass viele Emerging-Market-Anlagen trotz der deutlichen Kursanstiege seit Februar immer noch vergleichsweise günstig bewertet seien, so die DekaBank-Analysten.

- Das Wachstum in den Industrieländern ist niedrig - und wird trotz Billiggeldpolitik mittelfristig wohl auch niedrig bleiben. Dies macht Schwellenländer im direkten Vergleich attraktiv - selbst wenn es sich wie in China auf einem Niveau von 6 Prozent einpendeln sollte, ist das immer noch viel dynamischer als in den Ländern der Eurozone.

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