Dienstag, 20. August 2019

US-Waffenschmiede auf Käufersuche Colt ist pleite - Heckler und Koch bringt sich in Stellung

Mit dem Rücken zur Wand: Colt ist hoch verschuldet und sieht sich nach Käufern um. Im James-Bond-Film "Der Mann mit dem goldenen Colt" nahm die Waffe noch eine zentrale Rolle ein

Die traditionsreiche US-Waffenschmiede Colt ist pleite. Das mehr als 160 Jahre alte Unternehmen aus West Hartford im US-Bundesstaat Connecticut kann seine Gläubiger nicht mehr bezahlen und meldet wie erwartet Insolvenz an. Mit mehr als 350 Millionen Dollar Schulden steht die Firma mit dem Rücken zur Wand.

Colt teilte am Montag mit, es habe Gläubigerschutz beantragt. Dieser Schritt ermögliche "einen beschleunigten Verkauf der Aktivitäten von Colt in den USA und in Kanada". Der Hedgefonds Sciens Capital Management stelle ein erstes Übernahmeangebot zurück, während Colt die eigenen Finanzen unter die Lupe nehme und weitere mögliche Käufer kontaktiere. In dieser Zeit, die 60 bis 90 Tage dauern solle, würden die Geschäfte zunächst normal fortgeführt.

Mit der Insolvenzanmeldung könne das Unternehmen seine Finanzen neu ordnen und zugleich seine Verpflichtungen "gegenüber seinen Kunden, seinen Händlern, seinen Zulieferern und seinen Beschäftigten" erfüllen, erklärte der für die Umstrukturierung zuständige Manager Keith Maib. Der Firma war es zuvor nicht gelungen, sich mit der Mehrheit der Gläubiger auf eine Schuldenreduzierung und frische Geldspritzen zu verständigen.

Großauftrag der US-Armee ging verloren

Colt steckt in Schwierigkeiten, seit das Unternehmen im Jahr 2013 einen Großauftrag der US-Armee verlor. Bis dahin hatte Colt das Sturmgewehr M4 an die Armee geliefert. Wegen des verlorenen Auftrags musste Colt die Geschäftszahlen für 2014 und 2015 revidieren.

Das Unternehmen war im Jahr 1855 von Samuel Colt gegründet worden und wurde für den gleichnamigen Revolver berühmt. Bei der Ausbreitung der USA Richtung Westen war der Colt die Waffe der Wahl.

Ikone der US-Filmindustrie

In der Filmindustrie entwickelte sich die Marke dank Serien wie "Rauchende Colts" zu einer US-Ikone, einer Art Coca-Cola der Waffenbranche - dabei waren Cowboys und Western-Kultur nur der Anfang. John Wayne und Clint Eastwood, aber auch Chuck Norris, Bruce Willis oder Tom Hanks haben das Label auf der Kino-Leinwand berühmt gemacht. "Der Mann mit dem goldenen Colt" avancierte mit Roger Moore und dem jüngst verstorbenen Christopher Lee in den Hauptrollen zu einem Klassiker der James-Bond-Reihe.

Smith & Wesson sowie Heckler & Koch haben Interesse

Das Unternehmen erklärte sich für zahlungsunfähig, nachdem eine Reihe von Investoren ein Umschuldungsangebot ablehnten, das mit Verlusten einhergegangen wäre. Diese Gläubiger spekulieren womöglich darauf, bei einer Versteigerung der Firmenwerte besser abzuschneiden.

Sollte es zur Auktion kommen, könnten Rivalen wie Smith & Wesson oder Sturm Ruger zugreifen. Auch die deutsche Waffenschmiede Heckler & Koch verfolge die Vorgänge mit Interesse, sagte Mehrheitseigentümer Andreas Heeschen der "Welt". Der Unternehmer wolle aber wohl erst einmal abwarten, nicht zuletzt weil Colts Fabriken in der Branche als veraltet gälten. Noch heißt es auf der Colt-Website, Tradition mache den Unterschied. Darüber prangt der Slogan "The Legend Continues" (die Legende dauert an). Das könnte sich rasch ändern.

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la/dpa/afp

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