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Nach Co-working kommt Co-living: Luxus-WGs für Berufstätige

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Co-Living für digitale Nomaden Wohnungslos und erfolgreich

Im Grunde wäre Eugen Miropolski selbst sein bester Kunde. Seit Jahren jettet der Europa-Chef des Büro-Anbieters Wework in der Welt herum. Ein paar Wochen in London, New York, dann wieder Berlin. Immer dahin, wo er gerade gebraucht wird.

Miropolski ist mobil - und das schon seit Jahren. Er ist in der digitalen Welt aufgewachsen und wahrscheinlich mittlerweile zehnmal öfter umgezogen als der durchschnittliche Deutsche. Wenn Miropolski sich mal wieder auf den Weg macht, bestellt er keinen Umzugswagen. Er packt einfach seine Koffer und zieht in die nächste Unterkunft. In der Regel "ein Apartment über AirBnB", wie er sagt. Ein Unternehmen, dessen Expansion ins Ausland er eine Zeitlang verantwortet hat.

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Nach Co-working kommt Co-living: Luxus-WGs für Berufstätige

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Künftig könnte Miropolski auch im eigenen Unternehmen unterkommen. Sein Arbeitgeber Wework, der international bereits eine Vielzahl sogenannter Co-Working-Spaces betreibt, hat sein Angebot mittlerweile auch aufs Wohnen ausgebaut. Und hat dort große Pläne.

Schon jetzt vermietet das mit 16 Milliarden Dollar bewertete Start-up auch Zimmer an seine Kunden - in einem neuen 200-Zimmer-Komplex an der New Yorker Wall Street. Und auch außerhalb von Washington hat das Unternehmen neun Stockwerke eines Bürogebäudes in Apartments umgebaut, die sich tage-, wochen- und monatsweise mieten lassen.

Warum die Mischung aus WG und Hotel so attraktiv ist

Das Innneleben: Eine Mischung aus WG und Hotel: Meist nicht unbedingt große Zimmer mit eigenem oder geteiltem Bad, verbunden mit Zugang zu einer Vielzahl von Gemeinschaftsräumen, Wohnzimmer, Küche, Partyräumen oder Pool auf dem Dach.

Um irdische Dinge wie frisches Bettzeug, Klopapiernachschub, Spülmaschinenreiniger oder neue Glühbirnen müssen sich die WeLive-Bewohner nicht kümmern. Und auch Wasser, Bier und Kaffee sind in einer Service-Fee inbegriffen.

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Ganz billig ist das Ganze nicht: Die günstigste Zimmer-Variante in New York schlägt mit umgerechnet 1700 Dollar (rund 1500 Euro) im Monat zu Buche, in Washington sind es nur 1200 Dollar - deutlich weniger als für ein eigenes Appartment in ähnlicher Lage fällig würde, allerdings auch deutlich kleiner.

Und mit mehr sozialem Anschluss. Um Bewohnern, die nur mal eben schauen wollen, wer sich gerade so in den Gemeinschaftsräumen aufhält, etwaige Peinlichkeiten zu ersparen, verfügen im WeLive Washington sämtliche Räume über zwei Türen: zum scheinbar beiläufigen Herein- und - sofern niemand von Interesse da ist - auch wieder Herausgehen.

Und es sind, je nach Konzept, auch nicht nur junge Leute, die die neuen flexiblen Angebote nutzen. Auch etablierte Unternehmen wie der Guardian, Deloitte oder Visa haben die Coworking-Spaces von WeWork bereits genutzt. Und damit die Chance, sich mit anderen Kreativen auf kurzem Dienstweg auszutauschen. Manche Unternehmen haben sogar ihre gesamten Kreativabteilungen in Wework-Büros ausgelagert, erzählt Miropolski.

Apartments mit Sozial-Anschluss

Geht es nach dem Start-up, soll das neue Wohn-Konzept der Renner werden. Schon 2018 will WeWork rund ein Fünftel seines Umsatzes mit den so-genannten Co-Living-spaces erwirtschaften. Danach, so WeWork-Chef Adam Neumann, könnte der Umsatz-Anteil auch auf mehr als 50 Prozent steigen.

Neumann ist mit seinen Plänen nicht allein. Der britische "Members-Only"-Club Soho-House, der weltweit diverse Häuser für seine meist aus der Kreativbranche stammenden Mitgliederschaft betreibt, bietet seinen Mitgliedern schon seit längerem Appartments in seinem Haus an der Berliner Torstraße an. Die sind etwas größer als das Start-Angebot bei WeLive. Ähnlich wie dort können die Nutzer aber auch Gemeinschaftsräume nutzen.

Ein Konzept, das offenbar aufgeht: Soho-House-Gründer Nick Jones jedenfalls denkt nach eigenen Worten bereits über eine Ausweitung des Living-Konzeptes nach. In Weworks ureigenes Terrain ist Soho-House bereist vorgedrungen. Ein erster Coworking-Space eröffnete kürzlich in London. Weitere in Los Angeles und Istanbul sollen folgen.

Einer der europäischen Hotspots für Co-Living ist aktuell London. Hier hat bereits 2015 mit the Collective Old Oak der nach eigenen Angaben größte Co-Living-Space Europas aufgemacht. Rund 500 Zimmer für einen Preis ab 250 Euro pro Woche können Kunden dort mieten - die Nutzung von Gemeinschaftsräumen, Spa, Fitnessstudio und Putzdienst eingeschlossen.

Für Miropolski wäre das Old Oak allerdings wahrscheinlich schon zu unflexibel. Ab September beträgt die Mindestmietdauer dort neun Monate. Zu lang für einen echten digitalen Nomaden wie ihn.