Samstag, 30. Mai 2020

Der China-Manager Chinas aggressivster Manager greift in Europa an

Guo Guangchang, Chairman von Fosun, möchte eines Tages sein persönliches Vorbild Warren Buffet einholen - und nutzt dazu ähnliche Strategien wie der Starinvestor

Sie wollen - kein Gerücht - bei der Modefirma Bogner einsteigen, sie wollen sich - vorerst nur ein Gerücht - an der Postbank beteiligen, und sie wollen den spanischen Fußballklub Espanyol Barcelona übernehmen. An diesen Deals arbeitet derzeit das Management der Fosun-Gruppe aus Shanghai.

Fosun? Das ist Chinas größtes Privatunternehmen, das seit fünf Jahren auf globaler Einkaufstour ist. In dieser Zeit sind sie - nur um ein paar Beispiele zu nennen - beim ClubMed und Thomas Cook, dem griechischen Modehändler Folli Follie, den Bekleidungsfirmen St. John Knits (USA), Raffaele Caruso (Italien) und Tom Tailor (Deutschland) eingestiegen. Und sie kauften die deutsche BHF-Bank, die Versicherungsfirmen Caixa Seguros aus Portgal sowie Ironshore und Meadowbroke in den USA.

Wolfgang Hirn
Das sieht sehr nach Gemischtwarenladen aus. Ist es aber nicht. Die Fosun-Führung hat eine Strategie, die - das geben sie offen zu - abgekupfert ist, und zwar beim amerikanischen Investment-Guru Warren Buffett. Er ist das große Vorbild von Guo Guangchang, dem Chairman von Fosun.

Wie Buffett investiert Guo in Versicherungsunternehmen, um dann mit dem dort verdienten Geld in andere Industrien einzusteigen. Für Guo sind das vor allem Branchen, die von den wachsenden Bedürfnissen der entstehenden chinesischen Mittelschicht profitieren werden, also die Bereiche Konsum, Gesundheit und Freizeit.

Fosun sucht deshalb vor allem westliche Firmen mit Wachstumspotential in China. Beispiel Club Med: Als Fosun 2010 beim französischen Touristikkonzern einstieg, hatte dieser gerade eine Ferienanlage in China. Inzwischen sind es drei, allein fünf sollen dieses Jahr noch dazu kommen, mittelfristig kann sich Guo 30 ClubMeds in China vorstellen.

Guo Guangchang ist der strategische Kopf des Konglomerats, das er 1992 mit drei Kommilitonen der berühmten Fudan Universität in Shanghai gegründet hat und durch diverse Geschäfte in den Bereichen Stahl und Pharma groß geworden ist. Er ist ein großer Anhänger des Kampfsports Tai Chi, das er mit dem Top-Management im Konferenzraum oder auch schon mal in Verhandlungspausen oder während seiner Telefongespräche praktiziert. Inzwischen ist Guo - übrigens mit einer bekannten TV-Moderatorin verheiratet - der reichste Mann Shanghais.

Exzellente Kontakte zur Politik, gut vernetzt zu berühmten Privatunternehmen

Trotzdem oder deswegen hat der Kapitalist exzellente Kontakte in die Politik. Er arbeitete kurz nach seinem Philosophie-Studium drei Jahre lang in der Kommunistischen Jugendliga. Seit 2003 ist er sogar Mitglied des Nationalen Volkskongresses, dem chinesischen "Parlament".

Und Guo ist gut vernetzt mit anderen, berühmten Privatunternehmen des Landes. Er ist Mitglied im feinen, elitären China Entrepreneurs Club. Er ist befreundet mit Jack Ma, dem Gründer von Alibaba. Mit ihm hat er gerade so nebenbei in China eine private Online-Bank - die MYBank - gegründet. Und Jack Ma hat kürzlich durch ein Private Placement der Fosun-Gruppe finanziell geholfen. Denn durch die vielen Aufkäufe sitzt Fosun auf einem hohen Schuldenberg.

Trotzdem will Fosun weiter zukaufen. Nach der globalen Finanzkrise 2008 entwickelten sie eine Zielkatalog von 200 bis 300 möglichen Übernahmekandidaten. Über 100 Unternehmen haben sie sich bislang erst angeguckt. Weitere Akquisitionen sind also zu erwarten - auch in Europa. Kürzlich haben sie in der Schweiz die Fosun Management (Swiss) GmbH gegründet und mit einer Handvoll Mitarbeiter ein Büro am Limmatquai in Zürich bezogen, um noch näher an den europäischen Objekten ihrer Begierde zu sein.

Fosuns Portfolio wird sich - keine Frage - in den nächsten Jahren weiter vergößern, aber noch ist es von den Dimensionen eines Berkshire Hathaway entfernt. "Es ist noch ein langer Weg, um Buffett zu erreichen", gesteht Guo, "aber mein größter Vorteil ist, ich bin jünger und ich kenne China besser."

Guo ist 48, Buffett ist 84.

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