Gegen Protektionismus Chinas Kapital als Chance für deutsche Unternehmen

Von Volker Heun
Der Trend zu mehr Protektionismus verschärft sich. Es scheint, dass das Zeitalter der Globalisierung zu Ende geht. Gleichzeitig öffnet sich China mehr und mehr und will die Zusammenarbeit mit deutschen Firmen intensivieren. Es gibt gute Gründe, dieses Angebot anzunehmen.
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Frisches Kapital aus China kann eine große Chance gerade für den deutschen Mittelstand sein. Das Reich der Mitte hat in den vergangenen Jahren eine unglaubliche wirtschaftliche Entwicklung durchlaufen und ist trotz zuletzt nachlassender Wachstumsraten nach wie vor der wichtigste Motor der Weltwirtschaft. 2015 steuerte China 25 Prozent zum Wachstum der Weltwirtschaft bei, 2016 lag das Plus stabil bei 6,7 Prozent - von solchen Zuwächsen können andere Staaten nur träumen. Die Summe der Exporte in den kommenden fünf Jahren wird mit rund 8 Billionen US-Dollar prognostiziert. Die Auslandsinvestitionen werden sich in einer Größenordnung von 750 Milliarden Dollar bewegen.

Sicherlich ist China in vielen Dingen noch sehr restriktiv und weit von unseren Vorstellungen einer Marktwirtschaft entfernt. So werden Netzwerke wie Facebook, Google oder auch Youtube nach wie vor geblockt, auch können ausländische Unternehmen nach wie vor nicht die Mehrheit an chinesischen Firmen erwerben. Hier werden hauptsächlich Joint Ventures angestrebt.

Es muss nicht immer eine Übernahme sein

Volker Heun
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Volker Heun arbeitete lange für die Deutsche Bank in USA und berät heute internationale Investoren. Zudem ist er auch Dozent an der Hochschule International School of Management in Frankfurt am Main.

Allerdings gibt es auch Fortschritte: So hat das Regime Firmengründungen in China für Ausländer erleichtert, in der Sonderwirtschaftszone Hong Kong sind sie besonders einfach zu realisieren. Deutsche Kanzleien begleiten und unterstützen solche Gründungen oder Beteiligungen an chinesischen Unternehmen, so ist zum Beispiel Taylor Wessing schon seit 15 Jahren in Shanghai und Peking aktiv und hat jüngst auch ein Büro in Hong Kong eröffnet. Gerade für Firmen, die im chinesischen Markt noch unerfahren sind, macht es Sinn, auf vertrauenswürdige Partner zu setzen, die beide Seiten kennen. Zum einen, um den besten juristischen Beistand bei der Vertragsgestaltung mit chinesischen Partnern zu erhalten, zum anderen, um sowohl am eigenen Standort in Deutschland als auch in China international erfahrene Ansprechpartner zu haben, an die man sich wenden kann.

Deutsche Unternehmen stehen auf der Liste chinesischer Investoren immer noch ganz oben. Das Know-how und die Qualität deutscher Produkte genießen in China höchstes Ansehen, insbesondere sogenannte "Hidden Champions" sind sehr im Fokus. Chinesische Private-Equity-Firmen streben zwar meist den Mehrheitskauf von Firmen an, sind aber immer häufiger auch für Minderheitsbeteiligungen offen.

Branchen wie Cleantech oder Automatisierung (Stichwort: Industrie 4.0) sind die bevorzugten Ziele chinesischer Investoren, inzwischen rücken aber auch immer mehr Unternehmen aus dem Bereich Tourismus und Freizeit in den Fokus. Schon heute positioniert sich das Land für die olympischen Winterspiele 2022 in Peking, was schon daran zu erkennen ist, dass das staatliche Fernsehen die Wintersport-Berichterstattung erheblich ausgeweitet hat. Darüber hinaus nehmen chinesische Unternehmer ausländische Firmen rund um den Wintersport als attraktive Investitionsziele in den Blick.

In den vergangenen 12 bis 18 Monaten wurden auch enorme Summen in Fußball und Immobilien investiert. Beide Branchen sind aktuell jedoch unter verstärkter Beobachtung der Regierung, da man hier der Meinung ist, dass hier in der Vergangenen zu viel Kapital sinnlos investiert wurde. Insofern schaut sich die Regierung jede größere Investition aktuell genau an.

Absaugen von Know-how ist nicht das Ziel

Ein Vorteil chinesischer Investoren ist, dass sie relativ schnell entscheiden. So ist der Due-Dilligence-Prozess deutlich kürzer als beispielsweise bei europäischen Kapitalgebern. Zudem herrscht ein gewisser Anlagenotstand, da aktuell sehr große Summen geparkt sind und investiert werden müssen.

Viele deutsche Firmen haben immer noch Vorbehalte, einen chinesischen Investor an Bord zu nehmen. Die Angst ist groß, dass die Kapitalgeber aus Fernost primär das Ziel haben, die übernommenen Firmen von Grund auf umzukrempeln oder das Know-how abzusaugen. Mit meinen Erfahrungen deckt sich das nicht. In persönlichen Gesprächen mit chinesischen Unternehmern, Private-Equity-Firmen und auch staatlichen Fonds habe ich den Eindruck gewonnen, dass es vielmehr darum geht, die eigenen Verkaufskanäle in China zu schützen.

Chinesische Investoren sind oft bereit, oberhalb des tatsächlichen Marktpreises einzukaufen. Dafür wollen Sie ihre Investition aber auch langfristig gegen Konkurrenten absichern. Ein gutes Beispiel dafür ist der Kuka-Deal: Hier wurde nach der Übernahme durch Midea das Management keineswegs ausgetauscht und auch sonst hat sich, glaubt man der chinesischen Private-Equity-Szene, bei dem Konzern aus Augsburg seit der Übernahme nicht viel geändert. Auch von deutscher Seite hört man nach Abschluss dieses oder ähnlicher Deals wenig Negatives.

Man sollte natürlich auch beachten, dass sich durch einen chinesischen Investor der gigantische chinesische Markt für diese deutsche Firma öffnet. Insofern können neben der Stärkung der eigenen Kapitalbasis chinesische Investitionen auf mehreren Ebenen sehr hilfreich sein.

Volker Heun ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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