Flugzeugabsturz in Äthiopien Fünf Deutsche unter den Opfern - Boeing-Aktie bricht ein

Ein Mann trägt ein Wrackteil der abgestürzten Maschine

Ein Mann trägt ein Wrackteil der abgestürzten Maschine

Foto: MICHAEL TEWELDE/ AFP

Nach dem Absturz einer Passagiermaschine in Äthiopien mit 157 Todesopfern muss Boeings modernisierter Mittelstreckenjet 737 Max 8 in den ersten Ländern auf dem Boden bleiben. China und Äthiopiens nationale Fluggesellschaft erklärten am Montag ein Startverbot für alle baugleichen Maschinen.

An Bord des äthiopischen Flugzeugs waren am Sonntag auch fünf Deutsche gestorben. "Das Auswärtige Amt muss leider bestätigen, dass nach gegenwärtigem Kenntnisstand fünf deutsche Staatsangehörige unter den Opfern des Flugzeugabsturzes in Äthiopien sind", teilte eine Sprecherin am Montag in Berlin mit.

An der Börse lösten die Nachrichten einen Kursrutsch aus. Im Frankfurter Xetra-Handel verlor die Boeing-Aktie am Morgen fast 9 Prozent an Wert, nachdem sie zuvor seit Jahresbeginn um fast ein Drittel zugelegt hatte. Die auf weniger Spritverbrauch getrimmte Boeing 737-Max-Reihe gilt als Verkaufsschlager von Boeing. Die Maschine ist die Neuauflage der seit den 1960er Jahren gebauten Boeing 737 und wird in der neuen Form mit größeren und sparsameren Triebwerken seit 2017 ausgeliefert. Konkurrenzmodell ist der AirbusA320neo, der sich noch besser verkauft.

Im Video: Boeing in Äthiopien abgestürzt - die Suche nach der Ursache

Reuters

Ähnlichkeiten mit Lion-Air-Absturz in Indonesien

Chinesische Fluglinien seien angewiesen worden, Flüge mit der Boeing einzustellen, bis Sicherheitsrisiken ausgeschlossen werden können, teilte die Luftfahrtbehörde CAAC des Landes mit. Grund seien "gewisse Ähnlichkeiten" zwischen dem jüngsten Absturz einer Passagiermaschine dieses Typs in Äthiopien und dem Absturz einer Lion-Air-Maschine 737 Max 8 im Oktober in Indonesien, bei dem 189 Menschen ums Leben gekommen waren. Beide Maschinen waren bei guten Wetterverhältnissen kurz nach dem Start in Schwierigkeiten gekommen. Ein möglicherweise ähnlicher Fehler in der Elektronik konnte zunächst nicht ausgeschlossen werden. Der Flugzeugtyp wird von Hersteller Boeing seit 2017 ausgeliefert.

Ethiopian Airlines begründete das Startverbot wie folgt: "Auch wenn wir die Unglücksursache nicht genau kennen, haben wir uns entschlossen, diese Maschinen als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme am Boden zu belassen".

Bei dem Absturz der Boeing 737 der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines waren am Sonntag alle 149 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen. Die Maschine, die von der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba in die kenianische Hauptstadt Nairobi fliegen sollte, war am Sonntagmorgen kurz nach dem Start abgestürzt. Nach Angaben der Airline waren unter den Todesopfern aus 35 Ländern unter anderem 32 Kenianer, 18 Kanadier, 9 Äthiopier sowie jeweils 8 US-Amerikaner, Italiener und Chinesen. Unter den Opfern waren nach UN-Angaben auch mindestens 19 Mitarbeiter der Vereinten Nationen.

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Ethiopian Airlines gilt als zuverlässige Fluggesellschaft und ist wie Lufthansa Mitglied des Bündnisses Star Alliance. Ethiopian bietet weltweite Verbindungen an, etwa nach Frankfurt am Main, München, London, New York, Bangkok und Dubai. In Afrika expandierte Ethiopian in den vergangen Jahren aggressiv und gilt mit der südafrikanischen South African Airways inzwischen als wichtigste Airline der Region.

Die Maschine auf Flug ET 302 stürzte nahe der Stadt Bishoftu ab, etwa 50 Kilometer südöstlich der äthiopischen Hauptstadt. Kurz nach Abflug habe der erfahrene Pilot einen Notruf abgesetzt und daraufhin die Freigabe zur Rückkehr erhalten, erklärte Ethiopian Airlines.

Wrackteile der abgestürzten Boeing 737 Max 8

Wrackteile der abgestürzten Boeing 737 Max 8

Foto: STR/EPA-EFE/REX

Die neue Maschine war zuletzt am 4. Februar gewartet worden. Ein Routine-Check unmittelbar vor dem Start am Sonntag habe keine Probleme aufgezeigt, sagte Airline-Chef Tewolde GebreMariam. Seit dem Kauf des Flugzeugs Ende 2018 sei es rund 1200 Stunden im Einsatz gewesen. Der Pilot hatte seit 2010 für die Airline gearbeitet. Ethiopian hat noch vier weitere Maschinen des Typs Boeing 737 Max 8.

Boeing will Experten nach Äthiopien schicken

Hersteller Boeing äußerte sich zunächst nicht näher zu dem Unglück. In einer Mitteilung auf der Website sprach Boeing den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und kündigte die Entsendung von Experten nach Äthiopien an. Diese sollten bei der Untersuchung der Unglücksursache helfen. In Äthiopien war bereits am Sonntag eine Sonderkommission von Experten der Flugsicherung, Verkehrsministerium und Fluggesellschaft gebildet worden, wie Ethiopian Airlines mitteilte.

Für Ethiopian ist es nicht das erste Unglück eines Flugzeugs. Am 25. Januar 2010 stürzte eine Boeing 737-800 der Fluggesellschaft vor der libanesischen Küste ins Mittelmeer, die 90 Insassen starben. Im November 1996 wurde eine Maschine der Airline entführt. Sie war ebenfalls auf dem Weg von Addis Abeba nach Nairobi. Die Entführer forderten trotz zu geringer Treibstoffmenge, nach Australien geflogen zu werden. Der Kapitän entschloss sich zu einer spektakulären Notwasserung vor den Komoren, um möglichst viele Passagiere zu retten. 125 Insassen starben, rund 50 überlebten.

wal/mg//dpa-afx
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