Mittwoch, 18. September 2019

Der China-Manager Einstieg bei Kuka - Chinas PR-Desaster

Industrieroboter von Kuka: Warum spricht niemand aus dem Midea-Management? Wer auf westlichen Märkten aktiv sein will, sei es durch M&A-Aktivitäten, Produktion oder Vertrieb, sollte auch nach westlichen Regeln spielen
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Industrieroboter von Kuka: Warum spricht niemand aus dem Midea-Management? Wer auf westlichen Märkten aktiv sein will, sei es durch M&A-Aktivitäten, Produktion oder Vertrieb, sollte auch nach westlichen Regeln spielen

Wolfgang Hirn

Bislang ist die Chinesische Handelskammer in Deutschland (CHKD) nicht durch öffentliche Aktionen aufgefallen. Aber am Wochenende meldete sich plötzlich die Kammer, in dem die chinesischen Firmen in Deutschland vertreten sind, mit einer Erklärung zu Wort. Grund: Die Reaktionen hierzulande über den Einstieg des chinesischen Konzerns Midea beim Roboterhersteller Kuka. Zwei Punkte kritisierte die Kammer: Die politische Einflussnahme und - natürlich - die "einseitige Berichterstattung".

Permanent wird - sowohl von Seiten der Wirtschaft als auch der Politik - beklagt, dass China ausgerechnet in Deutschland, dem europäischen Lieblingspartnerland, ein schlechtes Image habe. Schuld daran seien die Medien, die ein falsches - das heißt: negatives - Bild des Landes vermitteln würden.

Wie oft musste ich mir diesen Vorwurf in den vergangenen Jahren von chinesischen Diplomaten und Wirtschaftsleuten, aber häufig auch von deutschen Unternehmensvertretern in China anhören.

Ja, China hat ein PR-Problem, aber nicht vorrangig deshalb, weil die deutschen/westlichen Journalisten so böse sind und so einseitig schreiben, sondern weil die chinesischen Unternehmen, aber auch der chinesische Staat von PR - und das ist etwas anderes als Propaganda - nichts verstehen (wollen).

Fall Kuka: Warum spricht niemand aus dem Midea-Management?

Warum zeigt sich, warum spricht - um den aktuellen Fall aufzugreifen - keiner aus dem Midea-Management? Wer auf westlichen Märkten aktiv sein will, sei es durch M&A-Aktivitäten, Produktion oder Vertrieb, sollte auch nach westlichen Regeln spielen. Und da gehört nun mal PR - oder auf gut Deutsch: Öffentlichkeitsarbeit - dazu.

Aber bis auf die mehr oder weniger rühmlichen Ausnahmen von Huawei, Haier und Lenovo Börsen-Chart zeigen hat dies bislang kein im Westen aktives chinesisches Unternehmen verstanden.

Stattdessen betreiben sie Nichtöffentlichkeitsarbeit und wundern sich, wenn die Abschottung dazu führt, dass kritisch bis negativ berichtet wird. Dabei gilt: Wer sich nicht äußert, muss mit Gerüchten und auch mit Unterstellungen rechnen und leben.

Chinas PR-Dilettanten

Und bekommt man doch mal nach monatelangem Antichambrieren einen Termin bei einem chinesischen Unternehmen, ist die Botschaft nicht in der Lage, innerhalb von drei Wochen ein Visum auszustellen. Oder sie rückt es - alles schon vorgekommen - zwei Stunden vor dem Abflug heraus.

In dieses Bild passt, dass das jährliche Journalisten-Austauschprogramm der Robert-Bosch-Stiftung demnächst ausfallen muss, weil es Visaprobleme gibt. Ein Programm, das in den vergangenen Jahren sehr viel dazu beigetragen hat, dass überwiegend junge Journalisten sich vom jeweils anderen Land ein Bild machen können.

Alibaba als Vorbild - Unternehmen müssen den Anfang machen

Der chinesische Staat hat in den vergangenen Jahren Milliarden Euro verpulvert, in dem es das Netz seines Sender CCTV und seines publizistischen Sprachrohrs China Daily global massiv ausgebaut hat. Ob es das Image des Landes verbessert hat, darf bezweifelt werden.

Es gäbe eine viel billigere Lösung: Behandelt Journalisten - ob Korrespondenten vor Ort oder Beobachter hierzulande - nicht als Spione oder sonstige Bösewichte, sondern als Menschen, die sich möglichst unvoreingenommen ein Bild machen wollen.

Wenn der autoritäre Staat zu dieser Öffnung nicht willens ist, sollten das zumindest die chinesischen Unternehmen tun, und zuvorderst die, die hier im Westen aktiv sind.

Immerhin: Der Internetkonzern Alibaba hat seit kurzem ein Büro in München. Derzeit ist er offenbar in einem Pitch mit mehreren PR-Agenturen. Das ist doch mal ein Anfang - und ein Vorbild.

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