Montag, 18. November 2019

Anschlag auf "Charlie Hebdo" Nach den Terroristen kommen die Geschäftemacher

"Je suis Charlie": Auch Geschäftsleute finden bereits Gefallen an der Parole

Der Terror von Paris hat die Welt schockiert - und er hat Geschäftemacher auf den Plan gerufen. Mehr als 50 Anträge auf das Markenrecht für "Je suis Charlie" wurden bereits eingereicht. Exemplare von "Charlie Hebdo" werden zu horrenden Preisen gehandelt.

Hamburg - Die Terroranschläge von Paris haben offenbar nicht nur die Verfechter von Meinungs- und Pressefreiheit aufgeschreckt, sondern auch eine Reihe von Geschäftemachern. Seit dem Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" sind in Frankreich bereits mehr als 50 Anträge auf das Markenrecht für die Solidaritätsbekundung "Je suis Charlie" ("Ich bin Charlie") bei der zuständigen Behörde eingereicht worden. Dies erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Montagabend aus informierten Kreisen.

Seit Tagen gibt es zahlreiche Versuche, das Logo "Je suis Charlie" - drei in weiß und grau auf schwarzem Grund gedruckte Wörter - kommerziell zu nutzen. Ein Antrag wurde laut dem Kurznachrichtendienst Twitter beispielsweise von einem Industriellen eingereicht, der unter anderem Waagen, Feuerlöscher und Brillenetuis herstellt.

Das Logo "Je suis Charlie" prangt bereits auf zahlreichen T-Shirts, Aufklebern und Anhängern, die seit dem Anschlag am Mittwoch vergangener Woche auf den Markt kamen. Viele dieser Produkte wurden während der Massendemonstrationen vom Sonntag von fliegenden Händlern angeboten. Außerdem wurden bereits am Tag des Anschlags Websites wie jesuischarlie.fr, jesuischarlie.com und jesuischarlie.org geschaffen.

Marken können beim französischen Institut zum Schutz geistigen Eigentums (INPI) online angemeldet werden - für bis zu drei Arten von Produkten oder Dienstleistungen kostet dies 200 Euro. Ein Sprecher des Instituts sagte, er könne die Angaben derzeit nicht bestätigen. Die Anträge würden vier Wochen nach ihrer Registrierung auf der Website der Behörde veröffentlicht.

100.000 Euro für ein Exemplar "Charlie Hebdo"

Die Anträge auf Markenschutz sind nicht der einzige Hinweis darauf, dass die Terrorakte von Paris auch Geschäftemacher auf den Plan gerufen haben. Bereits kurz nach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag auf "Charlie Hebdo" war im Internet ein reger Handel mit der aktuellen Ausgabe der französischen Satire-Zeitung entstanden - mit teils astronomischen Preisen.

Exemplare der Wochenzeitung - nach dem Anschlag am Mittwoch vergangener Woche rasend schnell an den Kiosken ausverkauft - wurden auf der Auktionsplattform Ebay in der Rubrik "Sofort-Kaufen" für teilweise 100.000 Euro angeboten.

Bei Versteigerungen lagen die Gebote für das "Charlie Hebdo"-Heft Nummer 1177 am Donnerstagnachmittag in einem Fall bei 75.000 Euro. Das bedeutet aber nicht, dass die Zeitung letztlich tatsächlich zu dem Preis verkauft wurde, weil der Höchstbietende noch einen Rückzieher machen konnte.

Auflage verhundertfacht

Der Verkauf der Zeitungen im Netz sorgte teilweise für Unmut bei Internetnutzern, die den Handel als verwerflich brandmarkten. Ein Twitter-Nutzer schrieb etwa: "Business ist business, das ist traurig."

Allerdings, traurig aber wahr, wird wohl auch der Verlag des Satire-Magazins kommerziell von den Terrorakten profitieren. Am Mittwoch dieser Woche wird die neue Ausgabe an die Kioske kommen. Das Titelblatt wurde bereits am heutigen Dienstag bekannt. Es zeigt erneut einen karikierten Propheten Mohammed, der ein Schild mit der Aufschrift "Je suis Charlie" hält. Darüber die Zeile: "Alles ist vergeben."

Die aktuelle Ausgabe soll drei Millionen Mal gedruckt werden - in 16 Sprachen. Man habe Anfragen aus aller Welt bekommen, so der Vertrieb der Zeitschrift. Üblicherweise werden pro Ausgabe nur rund 4000 Exemplare ins Ausland verkauft, diesmal sollen rund 300.000 Hefte in 25 Länder geliefert werden.

Zum Vergleich: In der vergangenen Woche - vor dem Anschlag - war "Charlie Hebdo" mit einer Auflage von 60.000 Exemplaren in den Handel gekommen. In der Regel wurden von jeder Ausgabe etwa 30.000 Exemplare verkauft.

Zwei schwerbewaffnete Attentäter hatten bei dem Angriff auf die "Charlie Hebdo"-Redaktion im Herzen von Paris und bei ihrer Flucht insgesamt zwölf Menschen kaltblütig erschossen. Unter den Opfern sind acht Mitarbeiter der Satire-Zeitung, die immer wieder islamkritische Karikaturen veröffentlicht hatte.

cr/afp

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