Donnerstag, 22. August 2019

Computermesse CeBIT US-Lauscher beflügeln deutsche IT-Branche

Bundeskanzlerin Angela Merkel (bei der Eröffnung der Cebit im Vorjahr): Sprachdienst-Verschlüsselungsdienste arbeiten an einem "Kanzler-Handy für alle" - US-Lauscher sollen nicht mehr mithören

Zum Start der CeBIT rechnet die IT-Industrie in Deutschland mit Wachstum. Der Lauschangriff der NSA hat die Stimmung beim Thema Datenschutz verändert - und sorgt gleichzeitig für lukratives Neugeschäft.

Hannover - Die IT-Industrie setzt zum Start der weltgrößten Computermesse CeBIT auf neue Geschäfte mit Rückenwind des NSA-Skandals. Der Datenschutz sei ein zentrales Thema für die Branche, betonte der Präsident des Branchenverbandes Bitkom, Dieter Kempf, am Sonntag in Hannover.

Die Entwickler der Technik für die abhörsicheren Handys der Bundesregierung kündigten einen Dienst mit verschlüsselten Telefongesprächen für Unternehmen und Verbraucher an.

Die Düsseldorfer Firma Secusmart mit der Technologie für sichere Sprachtelefonie geht eine Kooperation mit dem Telekom-Riesen Vodafone Börsen-Chart zeigen ein. Der Dienst "Secure Call" soll über eine App als Software-Lösung auf verschiedenen Smartphone-Plattformen laufen. Die Idee sei "ein Kanzler-Handy für alle", sagte Secusmart-Chef Hans-Christoph Quelle. Die Partner sehen zunächst vor allem Unternehmen als Zielgruppe.

Der verantwortungsvolle Umgang mit Daten ist ein Leitthema der ab Montag laufenden CeBIT. Bundeskanzlerin Angela Merkel machte sich vor Beginn für einen gemeinsamen europäischen IT-Binnenmarkt bei striktem Datenschutz stark.

Erst zehn Prozent der Unternehmen setzen auf Big Data

Umfragen hatten gezeigt, dass die NSA-Enthüllungen das Misstrauen gegenüber der Datenauswertung geschürt haben. Bitkom-Chef Kempf wandte sich zugleich mit Nachdruck gegen Aufrufe zum Rückzug aus dem digitalen Leben. "Das hieße, dass wir die Menschen blind in Staus fahren lassen und einen Rückgang bei der Qualität der medizinischen Versorgung in Kauf nehmen." In einer Bitkom-Umfrage erklärten 59 Prozent, der NSA-Skandal habe ihre Haltung zur Datenverarbeitung negativ beeinflusst. Der Anteil der Verbraucher, denen immer größer werdende Datenmengen Sorgen bereiten, stieg binnen eines Jahres von 50 auf 62 Prozent.

Zugleich setzen immer mehr Unternehmen in Deutschland auf die als "Big Data" bekannte Auswertung großer Datenmengen. Laut einer Bitkom-Umfrage planen 31 Prozent der Firmen konkret, solche Lösungen einzusetzen. Bisher nutzt sie erst knapp jedes zehnte Unternehmen.

Die CeBIT richtet sich in diesem Jahr erstmals ausschließlich an professionelle Anwender. An den fünf Messetagen bis Freitag werden rund 230.000 Fachbesucher erwartet - so viele wie 2013. Damals kamen allerdings noch 43.000 Privatbesucher dazu, weil die CeBIT sich auch als Publikumsmesse sah.

"Die CeBIT ist die einzige Veranstaltung, die die gesamte Wertschöpfungskette der gesamten Branche abbildet", betonte Messe-Chef Oliver Frese. Partnerland ist in diesem Jahr Großbritannien - das birgt auch Konfliktstoff, weil der britische Geheimdienst GCHQ ein zentraler Partner des US-Abhördienstes NSA ist.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung