Dienstag, 7. April 2020

Pressekonferenz in Beirut "Bin an Mission Impossible gewöhnt" - Carlos Ghosn kämpft um seinen Ruf

Carlos Ghosn

Carlos Ghosn (65) hat sich zum ersten Mal seit seiner spektakulären Flucht aus Japan öffentlich geäußert. Der wegen Korruptionsvorwürfen geschasste Ex-Chef der Autoallianz Renault-Nissan-Mitsubishi hielt am Mittwoch eine denkwürdige Pressekonferenz in vier Sprachen in Beirut ab - in denen er sowohl die japanische Justiz als auch seine Ex-Kollegen bei Nissan Börsen-Chart zeigen scharf attackierte. Zuvor hatten seine Anwälte bereits einige Statements verbreitet. Die wichtigsten Aussagen haben wir im Live-Ticker für Sie zusammengefasst.

16.25 Uhr: Jetzt ist die Carlos-Ghosn-Show beendet. Mehr als zwei Stunden lang hat der Mann, einst einer der mächtigsten Manager der Autoindustrie, um seinen Ruf gekämpft - viersprachig und wild gestikulierend.

Offen bleibt nicht nur, was viele Journalisten auf der Pressekonferenz am meisten interessierte: was an all den wilden Gerüchten über seine Flucht dran ist; sondern auch, wie es mit den verschiedenen Strafverfahren weitergeht. Der große Auftritt des Ex-Patriarchen belastet auch die Versuche von Renault, Nissan und Mitsubishi, sich in der geschäftlichen Krise und einer zerrütteten Allianz neu zu sortieren. "Die Allianz kann auch ohne mich Erfolg haben", konzediert Ghosn auf Nachfrage. Dafür müsse sie sich aber an einige Regeln halten - und dafür sieht er offenbar keine Hoffnung.

16.20 Uhr: "Um von einem Comeback zu sprechen, ist es viel zu früh", stellt Carlos Ghosn klar. Die Frage war, ob mit ihm bald wieder in der Autoindustrie zu rechnen sei.

16.15 Uhr: Nach wiederholten Fragen bricht Carlos Ghosn seine Ansage, nicht über die Umstände seiner Flucht zu sprechen. Wie es ihm dabei gegangen sei? "Ich war nervös, ich war angespannt, ich war hoffnungsvoll." Zeitweise sei er aber auch "wie betäubt" gewesen. Die Erfahrung der Flucht sei eine deutlich geringere emotionale Belastung als die 13 Monate in Japan zuvor. Seit seiner ersten Verhaftung am 19. November 2018 habe er einen "Albtraum" erlebt.

15.50 Uhr: "Ich habe nicht vor, auf meine Rechte zu verzichten." Carlos Ghosn kündigt Klagen gegen Renault und Nissan an. Er glaube daran, seine Ansprüche vor der französischen Justiz durchzusetzen - und auch vor der japanischen, was den privatrechtlichen Teil angeht.

15.45 Uhr: Carlos Ghosn äußert sich zu der vor einigen Tagen gestellten Strafanzeige, die nun libanesische Staatsanwälte wegen dort verbotener Israel-Kontakte in seiner Amtszeit als Renault-Chef auf den Plan ruft. Leider fehlt uns die Übersetzung seiner Aussagen auf Arabisch. Aus der Mimik lässt sich aber lesen, dass Ghosn die Aussicht, nun im Libanon statt in Japan hinter Gitter zu gehen, nicht allzu sehr fürchtet.

15.35 Uhr: "Ich stelle mich jedem Gericht, überall, wo ich ein faires Verfahren erwarte." Natürlich sei es ein Problem, dass er mit seiner Flucht das japanische Recht gebrochen habe. Auf der anderen Seite hätten aber die Ermittler in mehreren Fällen das Recht gebrochen. Als Beispiel nennt er Indiskretionen gegenüber der Presse. "Ich möchte die Gefühle der Japaner nicht verletzen", betont er. Nur weil seine persönliche Situation so ausweglos erschienen sei, "habe ich beschlossen, das Risiko einzugehen".

15.30 Uhr: Carlos Ghosn stellt seine gescheiterte Vision für die Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi vor. Er habe weiterhin getrennte Unternehmenszentralen und Vorstände gewollt, zusammengehalten von einem einzigen Aufsichtsrat und einer einzigen Holding-Aktie - das wäre die Balance zwischen der von den Franzosen angestrebten vollen Fusion und der von den Japanern gewünschten stärkeren Autonomie gewesen. Passé.

15.25 Uhr: "Ich bin an Mission Impossible gewöhnt", antwortet Ghosn auf die Frage, ob er jetzt in Beirut gefangen sei. Schon sein Antritt in Japan als Nissan-Sanierer 1999 sei als unlösbare Aufgabe begriffen worden - und er habe es doch geschafft. Die filmreife Flucht von dort 20 Jahre später, die man auch als "Mission Impossible" verstehen könnte, erwähnt er nicht. "Ich kann eine Menge tun", beharrt Ghosn. Er begreife sich nicht als Gefangenen im Libanon. In naher Zukunft seien einige Initiativen von ihm zu erwarten. Vorrang dabei habe, "meinen Namen zu reinigen".

"Von der brasilianischen Regierung hätte ich etwas mehr Hilfe erwartet", sagt Ghosn. Präsident Jair Bolsonaro habe erklärt, er wolle die Beziehung zu Japan nicht stören, indem er sich für seinen Staatsbürger Ghosn einsetze. Dieser Fluchtort ist also wohl keine Option, falls es im Libanon nicht mehr geht. Er hätte auch nach Brasilien oder Frankreich gehen können, sagt Ghosn. "Den Libanon habe ich in erster Linie aus logistischen Gründen gewählt."

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