Verhandlungen mit Cannabis-Hersteller Warum Marlboro auf der Hanf-Welle reitet

Brennende Zigarette: Marlboro sucht angesichts rückläufiger Raucherzahlen im Westen nach Alternativen

Brennende Zigarette: Marlboro sucht angesichts rückläufiger Raucherzahlen im Westen nach Alternativen

Foto: Mel Evans/ AP

Die fortschreitende Legalisierung lässt nach der Getränkeindustrie nun offenbar auch Tabakkonzerne nach einem weiteren "legal High" suchen. Wie der kanadische Marihuana-Hersteller Cronos bestätigte, prüft die Marlboro-Mutter Altria offenbar den Einstieg in das Cannabis-Geschäft und hat deshalb Gespräche mit Cronos aufgenommen.

Es ist nicht der erste Cannabis-Konzern, mit dem Altria offenbar den Kontakt sucht. Laut der kanadischen Zeitung "Globe and Mail" vom Oktober gab es auch schon Gespräche mit dem kanadischen Cannabis-Hersteller Aphria, dessen Aktie angesichts von Vorwürfen bezüglich angeblicher Insidergeschäfte und Marktmanipulationen zuletzt um bis zu 30 Prozent eingebrochen waren. 

Ob letztlich etwas draus wird, bleibt abzuwarten. Bei den Anlegern sorgten allerdings schon die Aussicht auf eine Cannabis-Story für Begeisterung: Sowohl für Cronos- als auch Altria-Aktien ging es am Dienstag deutlich nach oben.

Die Marlboro-Macher brauchen dringend eine gute Geschichte. Angesichts zunehmender Regulierung und sinkender Raucherzahlen in den Industrieländern ist die Aktie des Zigarettenherstellers binnen Jahresfrist um fast 30 Prozent eingebrochen.

Und auch das neue System Iqos, bei dem anders als bei Standard-E-Zigaretten keine nikotinhaltige Flüssigkeit verdampft, sondern echter Tabak erhitzt aber nicht verbrannt wird, hebt bislang offenbar nicht so richtig ab.  Selbst die Tatsache, dass die Iqos-Macher bei etwa gleichem Preis für die kleinen Tabakstäbchen zwei Drittel weniger Steuern pro Packung zahlen  als bei den traditionellen Glimmstängeln, reichte nicht aus, um die Phantasie der Aktionäre zu beflügeln.

Warum Cannabis Flügel verleiht

Stattdessen muss sich Marlboro neben chinesischen E-Zigaretten-Anbietern nun auch noch mit einem US-Konkurrenten herumschlagen, der ähnlich wie Apple mit dem iPhone den US-Markt regelrecht aufgerollt hat: 

Mehr als 70 Prozent Marktanteil  hat Juul, das schicke Nikotin-Verdampfer und Flüssigkeits-Kartuschen, die bis 5 Prozent flüssiges Nikotin enthalten, verkauft, in den USA laut den Marktforschern von Nielsen bereits erreicht, während Marlboro für Iqos dort Berichten zufolge noch immer auf die Zulassung wartet.

Ein so großer Marktanteil, dass Altria, das selbst Millionen in die Entwickung von Iqos investiert hatte, Berichten zufolge sogar schon über einen Einstieg bei dem mit 15 Milliarden Dollar bewerteten US-Start-up nachgedacht hat.

Nun also Cannabis - ein Stoff, auf den auch schon Konkurrent und Gauloises-Macher Imperial Brands setzt.  Die Briten stiegen im Sommer über ihren Venture-Arm bei der britischen Biotech-Firma Oxford Cannabinoid Technologies (OCT) ein.  Wie viel sie für einen wie großen Anteil zahlten, wurde dabei nicht kommuniziert. Ebensowenig, was konkret das Unternehmen damit vorhat. Aber für die Imperial-Aktie ging es erst einmal nach oben. Cannabis, so scheint es, verleiht Flügel.

Dabei ist noch völlig unklar, ob und wenn ja in welcher Form die Tabakriesen Cannabis für ihre Branche nutzen werden. Ob sie womöglich - so legalisiert - Produkte mit berauschendem Tetrahydrocannabinol (THC) entwickeln werden. Oder womöglich eher auf das aus den Hanfblüten gewonnene CBD setzen, dem entzündungshemmende, schmerzlindernde, muskellockernde und Blutzucker-senkende Eigenschaften zugesprochen werden.

Und was bislang wirklich dabei rumkommt

Konkrete Cannabis-Produkte sind - trotz Legalisierung in Kanada - bei vielen Großkonzernen noch immer Fehlanzeige.

Zwar knüpften mit Molson Coors, Corona-Brauer Constellation Brands und dem niederländischen Brauer Heineken bereits erste Brauer geschäftliche Bande zur Cannabis-Branche. Auch Coca-Cola schaut sich die Hype-Branche bereits näher an.

Bei Traditionskonzernen wie Pepsi und ABInbev ist man angesichts der Gefahren, die mit der Assoziation mit einer vielerorts noch immer illegalen Droge ausgehen, und der enormen Volatilität bei Cannabis-Aktien hingegen deutlich zurückhaltender.

Dass Tabak alleine nicht mehr ausreicht, dessen ist sich Altria-Konkurrent Imperial Brands offenbar aber sicher. Der Konzern wirbt nicht nur mit dem Slogan " Von Tabak zu etwas Besserem".

Auch in der Selbstbeschreibung bezeichnen sich die Briten nicht mehr als Tabakkonzern, sondern als "dynamischen Konsumgüterhersteller mit Tabak Hintergrund"

Bei Altria ist man so weit noch nicht.

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