Freitag, 23. August 2019

Cannabis-Boom Hanfkonzerne im Rausch - zu Besuch beim größten Dealer der Welt

Bruce Linton, CEO vom weltgrößten legalen Cannabisproduzenten Canopy Growth: Investoren sind im Rausch

Wer spüren will, wie das Comeback der einst verteufelten Droge Cannabis die derzeit wohl verrückteste Industrie der Welt in einen Vollrausch versetzt, muss Bruce Linton treffen. Der 51-Jährige ist Gründer, Chairman und CEO des weltgrößten Cannabisproduzenten Canopy Growth. Noch vor wenigen Jahren war Linton ein erfolgreicher Tech-Unternehmer, jetzt ist er, wenn man so will, Kanadas Pablo Escobar - nur dass Linton statt bewaffneter Schläger eine staatliche Lizenz zum Drogenanbau hat, nebst milliardenschwerer Börsennotierung.

Canopy Growth tickt wie ein Tech-Start-up und ist in Windeseile zum Einhorn aufgestiegen. Bei einem Umsatz von 26 Millionen Euro bringt es der Gras-Produzent auf eine Marktkapitalisierung von 4,2 Milliarden Euro. Zu den Investoren gehören die Fondsriesen Vanguard und Blackrock, Hauptaktionär ist Constellation Brands, der größte Weinkonzern der Welt.

Möglich macht den Boom die vermeintlich wundersame Heilkraft der Pflanze und die Kapitulation vieler Staaten im Kampf gegen den Schwarzmarkt. Cannabis soll bei rund 50 Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Epilepsie helfen. Obwohl dies kaum bewiesen ist, lassen immer mehr Länder - darunter auch Deutschland - Cannabis als Rezepturarznei zu.

Nach Uruguay und mehreren US-Bundesstaaten wird Kanada die Droge im Spätsommer sogar für den Freizeitkonsum legalisieren. Linton bereitet sich darauf schon seit Monaten vor.

Wettlauf mit Rivalen Aurora - Listing an der NYSE in Kürze geplant

Am Montag schluckte Lintons härtester Rivale Aurora (Umsatz: 12 Millionen Euro; Marktkapitalisierung 2,7 Milliarden Euro) MedReleaf (Umsatz: 26 Millionen Euro, Marktkapitalisierung 1,5 Milliarden Euro). Den neuen Rekorddeal in Höhe von 2,1 Milliarden Euro feierte Aurora-Chef Terry Booth mit der Ankündigung, nun das meiste Geld zu haben, um die größte Produktion der Welt aufzubauen.

Linton spazierte zur gleichen Zeit durch New York und klapperte Investoren ab, um die für Ende Mai angekündigte Listung an der New York Stock Exchange (NYSE) vorzubereiten. An der Toronto Stock Exchange ist Canopy Growth bereits seit 2016 gelistet.

Angst, dass ihm Booth die Show stiehlt, hat er nicht. "Ich schaue nicht in den Rückspiegel. Mich ärgern bloß die unseriösen Ankündigungen", sagt Linton. "Die produzieren kaum selbst etwas, verschicken aber andauernd Pressemitteilungen mit sensationellen Verheißungen. Das ist gegenüber Investoren irreführend."

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Kanadas rund 90 Hersteller können laut Lintons Schätzungen heute gerade mal 300.000 Kilo Cannabis anbauen. Damit könne der Exportweltmeister nicht einmal den heimischen Markt versorgen, wenn Premierminister Justin Trudeau in wenigen Monaten die Droge für jedermann zugänglich macht.

Doch leise Töne liegen auch Linton nicht: "Wir werden nicht nur die Pharmaindustrie umwälzen, sondern auch die Lebensmittelindustrie." Warum die Worte weit mehr als bloße Prahlerei sind, was Linton vor hat und warum der Hype weltweit Anleger vernebelt, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des manager magazins.

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