Donnerstag, 18. Juli 2019

Investoren in der Bundesliga "Die Millionen sind willkommen, die Einflussnahme nicht"

Hartes Geschäft: Fußballvereine brauchen viel Geld - der FC Bayern hat gerade welches von der Allianz bekommen

2. Teil: "Wer bezweifelt, dass Geldgeber für Unruhe sorgen können, muss nach Hamburg schauen"

Rohlmann: Es ist möglich, dass auch Hoffenheim davon profitieren wird, wo SAP-Gründer Dietmar Hopp mehr als 50 Prozent der Anteile erwerben könnte.

mm: Wie sieht es bei anderen Spitzenclubs aus, gibt es keinen weiteren Aspiranten für ein Investment?

Rohlmann: Es gibt in der Bundesliga nur fünf bis sechs Clubs, wo ein Einstieg für einen Investor wirklich Sinn machen würde. Und das Geld wäre bei den Vereinen sicher willkommen. Nehmen Sie zum Beispiel Borussia Mönchengladbach. Nachdem dem Verein reihenweise Spieler weggekauft wurden, könnte man dort sicher Mittel für Einkäufe brauchen. Der Verein wird aber solide geführt und könnte die Einflussnahme eines externen Investors wohl kaum mit der eigenen Politik und dem Selbstverständnis vereinbaren.

mm: Wäre das denn so schlimm?

Rohlmann: Wer bezweifelt, dass Geldgeber für Unruhe im Verein sorgen können, muss nur nach Hamburg schauen. Dort kommt es aktuell wieder zu Konflikten mit Klaus-Michael Kühne, der dem Verein finanziell schon häufig unter die Arme gegriffen hat.

mm: ... Kühne drängt in der schwierigen Phase jetzt auf ein Engagement des alten Hamburgers Felix Magath ...

Rohlmann: Kühnes Millionen sind stets willkommen, aber seine Einflussnahme wird nicht immer willkommen geheißen. Wie groß die Finanznot in manchen Vereinen ist, sehen Sie übrigens schon an den Fan-Anleihen, die in den vergangenen Jahren aufgelegt wurden.

mm: Hertha BSC scheint aus dem Raster zu fallen. Der Verein zählt derzeit kaum zur Spitze, konnte aber kürzlich den Einstieg des Finanzinvestors KKR vermelden.

Rohlmann: Über die Nachricht habe ich mich schon sehr gewundert. Ich glaube, da hat auch der Metropolenfaktor von Berlin eine Rolle gespielt. Zudem spekuliert KKR vermutlich auf die Zukunft.

mm: Wie meinen Sie das?

Rohlmann: Derzeit sind anderswo am Kapitalmarkt kaum Zinsen zu bekommen, warum also nicht in den expandierenden Fußball investieren. Zweifellos zahlt auch Hertha für das Geld einen Zins an den Investor. Die Fernsehgelder der Bundesliga werden demnächst steigen. Hinzu kommt die zunehmende Vermarktung ins Ausland. KKR rechnet vermutlich damit, dass die Beteiligung in einigen Jahren im Wert steigen könnte. Dann könnte sie - der Unternehmensphilosophie entsprechend - schnell wieder verkauft werden.

mm: Vorausgesetzt, der Verein bleibt in der ersten Liga.

Rohlmann: Das stimmt allerdings.

mm: In Großbritannien sitzen reihenweise Oligarchen auf der Tribüne, die sich in die Clubs eingekauft haben. In Spanien hat man den Eindruck, die Schulden der Vereine spielen überhaupt keine Rolle. Wie sehen sie den deutschen Fußball wirtschaftlich im internationalen Vergleich?

Rohlmann: Die deutschen Vereine sind deutlich besser aufgestellt als viele ausländische. Das Problem ist nur, dass es teilweise an professioneller Führung mangelt. Vielfach herrschen hierzulande eben noch die alten Vereinsstrukturen vor, in denen vernünftige Entscheidungen mitunter schwer zu treffen sind. Der HSV ist da wieder ein gutes Beispiel.

mm: Der Verein versucht sich gerade, eine bessere Stuktur zu verpassen.

Rohlmann: Richtig. Das Konzept wurde auf der Hauptversammlung kürzlich beschlossen. Bevor es umgesetzt wird muss es aber konkretisiert und erneut zur Abstimmung gestellt werden. Nicht auszuschließen also, das der Plan doch noch scheitert.

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