Donnerstag, 22. August 2019

Fußball-Manager sehen 50+1-Regel als Auslaufmodell "Die Bundesliga ist ein Start-up"

Borussia Dortmund gegen Bayern München: Investoren sehen eine Zeitenwende in der Bundesliga voraus

Investoren erwarten eine Zeitenwende in der Bundesliga. Die 50+1-Regel, die den Vereinen noch die Kontrolle sichert, sei ein Auslaufmodell und werde bald fallen: Dann werde sich die Bundesliga erfolgreicher entwickeln als die milliardenschwere Premier League.

Die Zeit, dass Vereine und ihre Mitglieder die Zukunft der Fußball-Bundesligaclubs maßgeblich bestimmen, geht ihrem Ende entgegen. Das sehen nicht nur Investoren aus aller Welt so, sondern auch eine wachsende Zahl von Managern und Entscheidern in der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga.

"Fußballclubs sind Wirtschaftsunternehmen, daher brauchen sie unternehmerische Strukturen", lautet das Credo von Martin Kind, der als Präsident von Hannover 96 seit Jahren für die Abschaffung der so genannten "50+1"-Regel eintritt. Kind sieht die 36 Vereine der 1. und 2. Bundesliga unter wachsendem Zeitdruck: "Die Vereine müssen jetzt handeln und ihre Strukturen verändern, wenn sie noch selbst etwas gestalten wollen", sagte Kind bei Europas größtem Sportbusiness-Kongress "Spobis" am Montag in Düsseldorf. "Wenn erst ein Richter die 50+1-Regel aus Wettbewerbsgründen kippt, haben die Vereine dafür keine Zeit mehr."

Der Sponsors Business Summit ist Europas größter Kongress zum Thema Sportbusiness. Am 30. und 31. Januar treffen sich rund 120 Referenten und mehr als 2000 Teilnehmer in Düsseldorf, um über die Zukunft des Sportbusiness zu diskutieren. manager magazin ist Medienpartner.

Hintergrund: Die 50+1-Regel ist gegenwärtig ein Bestandteil der Statuten der Deutschen Fußball-Liga. Danach können Investoren momentan nicht die Stimmenmehrheit an Kapitalgesellschaften übernehmen, in die Fußballvereine ihre Profiabteilungen ausgegliedert haben.

Ein Verein, der unter Berufung auf EU-Recht, Wettbewerbsrecht und Kartellrecht auf Abschaffung der 50+1-Regel klagt, werde auf dem Klageweg mit größter Wahrscheinlichkeit Recht bekommen, sagte Kind. Der Fußballmarkt sei durch die 50+1-Regel ein regulierter Markt, der aber bereits jetzt durch zahlreiche "kreative Umgehungstatbestände" ausgehebelt werde, sagte Kind mit Blick auf Modelle wie in Leipzig, Hoffenheim, Wolfsburg oder Leverkusen.

"50 plus 1 kippen, bevor ein Richter es tut"

Wenn die Ausnahme zur Regel werde, könne die Regel rechtlich keinen Bestand haben. Wenn ein Verein eines Tages den Antrag stelle, die umstrittene Regelung zu kippen, müssen die übrigen 35 Vereine darüber abstimmen. "Ich empfehle, einem solchen Antrag zuzustimmen und damit selbst handlungsfähig zu bleiben", sagte Kind. "Denn auf dem Gerichtsweg würde die Regelung in jedem Fall gekippt."

Die erwartete Zeitenwende in der Bundesliga verstärkt das Interesse langfristig orientierter strategischer Investoren. "Für viele Investoren erscheint es schon jetzt reizvoll, sich frühzeitig für die Zeit nach der 50+1 Regel zu positionieren", meint Klaus Filbry, Geschäftsführer des SV Werder Bremen. Er vergleicht den Einstieg in einen Fußballclub mit dem Kauf eines noch unerschlossenen Grundstücks, das in naher Zukunft zum erschlossenen Baugrundstück werden könnte: "Auch ein Minderheitsanteil von 24,9 Prozent kann im Wert sprunghaft steigen, wenn die 50+1 Regel erst einmal fällt", so Filbry.

Beim SV Werder Bremen werde der Verein auch dann die Mehrheit behalten und ein Fußballclub bleiben, wenn die Regelung fallen sollte, betont Filbry. "Doch diese Grundsatz-Entscheidung muss nicht für jeden Verein der Bundesliga gelten."

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