Bundeskartellamt kritisiert Ticket-Preissystem "Lufthansa kann sich nicht hinter Algorithmen verstecken"

Flugzeuge von Lufthansa und Ex-Air-Berlin-Tochter Niki

Flugzeuge von Lufthansa und Ex-Air-Berlin-Tochter Niki

Foto: Marcel Kusch/ dpa

Im Streit um möglicherweise überhöhte Ticketpreise tadelt das Bundeskartellamt die Lufthansa. Die Argumentation der Fluggesellschaft, sie habe das Tarifsystem nicht verändert, sondern das computerbasierte Preissystem habe diese automatisch angeglichen, sei nicht stichhaltig. "Solche Algorithmen werden ja nicht im Himmel vom lieben Gott geschrieben", sagte der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, der "Süddeutschen Zeitung" vom Donnerstag. Unternehmen könnten "sich nicht hinter Algorithmen verstecken".

Die Wettbewerbsbehörde hatte Ende November angekündigt, dass sie die stark gestiegenen Ticketpreise für Inlandsflüge untersuchen wird. Es habe viele Beschwerden von verschiedenen Seiten gegeben, sagte Mundt der Zeitung.

Die Lufthansa bekräftigte, sie habe seit über einem Jahr keinerlei Preiserhöhungen im innerdeutschen und europäischen Verkehr vorgenommen. "Die Lufthansa Group führt derzeit Gespräche mit dem Bundeskartellamt", erklärte die Fluglinie. Seit der Insolvenz von Air Berlin habe sich das Angebot dramatisch verknappt, jeden Tag fehlten 60.000 Sitzplätze.

Die Lufthansa  ist seitdem auf vielen Strecken als einziger Anbieter unterwegs und verzeichnet eine deutlich höhere Auslastung ihrer Flugzeuge. Teilweise bietet die Fluggesellschaft mehr Verbindungen an und setzt größere Maschinen ein.

Das Kartellamt prüfe nun "sehr genau, ob die Preise wirklich so stark gestiegen sind wie viele sagen", erläuterte Mundt. Danach entscheide sich, ob es auch ein Verfahren gebe.

Die Lufthansa hatte auch angeführt, dass die eigene Billigtochter Eurowings zusätzlich Strecken bedienen werde, was zu sinkenden Preisen führe. "Wie ernst wollen Sie das nehmen? Das wäre doch das erste Mal, dass sich ein Konzern selbst echte Konkurrenz macht", sagte Mundt dazu. "Ich habe jedenfalls noch nie einen Markt gesehen, auf dem es keinen Wettbewerb gibt, aber die Preise niedrig sind und die Innovationen groß." Er kenne aber "mannigfaltig Fälle, bei denen die Preise explodiert sind, nachdem es keine Konkurrenz mehr gab".

ak/afp/reuters
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