Mittwoch, 26. Juni 2019

Mehr als 2000 Filialen geschlossen Banken- und Bankfilialsterben beschleunigt sich

Bankenfiliale: Schnell rein, bevor sie schließt

Wer das Sterben der Bankenfilialen in einem Radius von wenigen hundert Metern nachvollziehen will, dem sei ein Spaziergang durch Hamburgs Schanzenviertel empfohlen. Das Viertel ist beliebt bei Touristen und abendlichen Partygängern - doch Bargeld sollte man in jedem Fall dabei haben, wenn man nicht in die Kostenfalle der Hamburger Sparkasse (Haspa) geraten will.

Die Filiale der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen auf dem Schulterblatt, schräg gegenüber der Neuen Flora - geschlossen. Links abgebogen in die Susannenstraße Richtung Post und Postbank Börsen-Chart zeigen - geschlossen. Dann eben ein kleiner Umweg zum Neuen Pferdemarkt Richtung Sankt Pauli Stadion - doch die Türen der ehemaligen Commerzbank-Filiale sind ebenfalls verrammelt. Bleibt also nur noch die Haspa auf dem Schulterblatt - und wer hier als Fremdkunde 30 Euro für ein Bier und abendliche Verpflegung zieht, zahlt dafür noch einmal rund 4 Euro Gebühren obendrauf.

Doch Hamburg ist nicht allein. Fusionsdruck und Filialsterben auf dem deutschen Bankenmarkt haben sich auch nach Angaben der Bundesbank beschleunigt. Im vergangenen Jahr sank sowohl die Zahl der Kreditinstitute als auch die Zahl der Filialen in Deutschland deutlich, wie die Notenbank am Dienstag in Frankfurt mitteilte. Zum Jahresende wurden 1888 Institute gezählt und damit 72 weniger als vor Jahresfrist.

2019 Bankfilialen machten binnen eines Jahres dicht

Zusammenschlüsse gab es vor allem im Lager der Volks- und Raiffeisenbanken (52 Fusionen) sowie bei den Sparkassen (10). Die Zahl der genossenschaftlichen Institute sank erstmals unter die Marke von 1000 auf nun noch 976.

Bei den Zweigstellen gab es über den gesamten Markt gesehen einen Rückgang um 2019 Filialen (minus 5,9 Prozent) auf 32.026.

"Der Konsolidierungsprozess hat an Fahrt gewonnen", kommentierte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret. "Dies ist ein klares Zeichen dafür, dass der Druck durch Wettbewerb und Niedrigzinsumfeld weiter hoch ist und die Banken sich veranlasst sehen, Kostenstrukturen und Vertriebswege auf den Prüfstand zu stellen." Der deutsche Markt ist besonders hart umkämpft, die Bankendichte besonders hoch.

la/dpa

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