Montag, 26. August 2019

Buchtipp: "It doesn't have to be crazy at work" Warum die richtige Work-Life-Balance so wichtig ist

 Lunch for Loser: Leben am Laptop in Griffweite - es ist möglich
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Lunch for Loser: Leben am Laptop in Griffweite - es ist möglich

Sie haben heute noch nichts "disrupted", waren nicht einmal auf einer "Mission"? Sie sind sowieso eher der Typ, der engagiert seinen Job erledigt, aber genauso gern die Bürotür hinter sich schließt, um zu Hause noch die Kinder zu sehen?

Dann machen Sie alles richtig, meinen Jason Fried und David Heinemeier Hansson. Die Autoren aus Chicago predigen in ihrem von US-Medien hochgelobten Buch eine gesunde Distanz zu den Mechanismen der unbegrenzten, digitalen Arbeitswelt, mit deren Hilfe Gründerunternehmen (und immer mehr Großunternehmen) ihre Mitarbeiter auspressen.

Fried und Heinemeier Hansson, selbst Inhaber einer Softwarebude in Chicago namens Basecamp, mögen es ruhig bei der Arbeit, nahezu spießig: Es gibt keine durchgearbeiteten Nächte, keine Partys, keine Pingpongplatten und erst recht keine E-Mail-Kaskaden am Wochenende. Großraumbüros gelten bei Basecamp als Angriff auf die Konzentrationsfähigkeit, ebenso wie der neue Zwang zur ständigen virtuellen Erreichbarkeit.

Die lässige Vorgabe, jeder Mitarbeiter könne selbst über seinen Urlaub entscheiden, entzaubern die Chefs als miesen Trick: Die vermeintliche Freiheit führe nur dazu, dass sich keiner mehr traue, überhaupt Urlaub zu nehmen. Sie selbst zwingen ihre Leute gar dazu, sich zu erholen - alle drei Jahre gibt es einen Monat Zwangssabbatical und jeden Monat eine kostenlose Massage.


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Der Appell für eine gesündere Work-Life-Balance zielt in erster Linie auf US-Leser, von denen etliche bislang nicht mal einen Anspruch auf bezahlten Urlaub besitzen. Doch solange die Rockstars aus dem Silicon Valley ihre gesamte Belegschaft am Maßstab ihrer eigenen Besessenheit messen und dafür heillose Bewunderung einfahren, gilt auch in Europa der unbegrenzte Einsatz für die Firma als cool.

Bullshit, meinen die Autoren. Wer mit 40 Stunden pro Woche nicht auskommt, sollte an sich arbeiten: Er muss lernen, Prioritäten zu setzen.

Eva Buchhorn

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