Freitag, 19. April 2019

Marmite, Microsoft, Madame Tussauds Pfund-Sturz setzt Briten immer stärker zu

Londoner in der U-Bahn: Viele Briten ärgern sich angesichts steigender Preise bereits über ihren Brexit-Entscheid

Trotz Brexit-Votum steigen die Kurse an der Londoner Börse, der Absturz des Pfundes erfreut Börsianer. Bei britischen Bürgern wächst jedoch die Wut über höhere Preise - und dürfte laut Goldman Sachs weiter wachsen.

Seit dem Entscheid der Briten, die EU zu verlassen, geht es mit dem britischen Pfund deutlich bergab. Vor dem Brexit-Votum im Juni notierte ein Pfund noch bei 1,30 Euro. Inzwischen ist es angesichts der Sorge um die britische Wirtschaft sowie der sehr lockeren Geldpolitik, mit der die Bank of England dieselbe zu stützen versucht, bis auf rund 1,12 Euro abgerutscht.

Ein Wertverlust von etwa 16 Prozent binnen weniger Monate also, der von verschiedenen Parteien höchst unterschiedlich wahrgenommen wird. Investoren an der Börse in London beispielsweise zeigen sich erfreut: Sie kaufen plötzlich günstig erscheinende Aktien und treiben auf diese Weise den Leitindex FTSE 100 Börsen-Chart zeigen in die Höhe. Dabei konzentrieren sich die Anleger bewusst auf international agierende Konzerne, bei denen die Hoffnung besteht, dass der kommende EU-Austritt deren Geschäfte nicht allzu sehr beeinträchtigen wird. An den Papieren von Firmen dagegen, die vornehmlich auf der britischen Insel aktiv sind, geht der aktuelle Börsenhype weitgehend vorbei.

Weniger zufrieden dürfte mittlerweile ein Großteil der britischen Bevölkerung mit der Entscheidung sein, die sie Ende Juni getroffen hat. Die Pfund-Schwäche macht sich bereits an der Supermarktkasse bemerkbar, und zwar in Form von steigenden Preisen für Produkte ausländischer Anbieter. Der Konsumgüterriese Unilever etwa hat eine Reihe seiner Offerten - darunter auch die urbritische Hefepaste Marmite - verteuert, wodurch er mit der Supermarktkette Tesco in einen heftigen Streit geriet. Zudem erhöhen auch internationale Technologiefirmen wie Microsoft Börsen-Chart zeigen oder Apple bereits empfindlich ihre Preise in Großbritannien.

Die Frage, die sich viele Briten nun stellen dürften, lautet: War's das, oder kommt noch schlimmeres auf uns zu?

Goldman Sachs erwartet weiteren Pfund-Rutsch

Die Antwort fällt nicht unbedingt zufriedenstellend aus: Auf den ersten Blick erscheint das britische Pfund nach dem Sturz inzwischen zwar günstig, und einige Analysten kommen auch zu diesem Urteil. Nicht so jedoch die Experten von der US-Bank Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen. Sie glauben, dass sich durch den kommenden Brexit der Wert der Währung grundsätzlich verschoben hat, und zwar noch deutlich stärker, als dies durch die bisherige Anpassung widergespiegelt wird.

Um 20 bis 40 Prozent entwertet der Brexit mit all seinen Folgen die britische Währung, so die Goldman-Analysten in einer aktuellen Einschätzung. Sie begründen dies mit der zu erwartenden Verschiebung in der britischen Leistungsbilanz, also der Gegenüberstellung von Geldströmen, die das Land verlassen, und solchen, die hineinfließen.

Wer das Pfund derzeit für günstig halte, so die Goldmänner in ihrer Analyse, der ignoriere das Ausmaß dieser Verschiebungen. Goldman dagegen nutze "einen anderen Ansatz, um die erforderliche Abwertung für ein Post-Brexit-Leistungsbilanz-Gleichgewicht zu kalkulieren." Die Folgen können dramatisch sein:

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