Mittwoch, 18. September 2019

Marmite, Microsoft, Madame Tussauds Pfund-Sturz setzt Briten immer stärker zu

Londoner in der U-Bahn: Viele Briten ärgern sich angesichts steigender Preise bereits über ihren Brexit-Entscheid

2. Teil: Das passiert, wenn das Pfund um weitere 10 Prozent abstürzt

Wenn die US-Banker recht behalten, dann hieße das im Klartext: Zum bereits verbuchten Wechselkursverlust von 16 Prozent käme wohl künftig noch einmal ein Minus von mindestens 10 Prozent hinzu. Damit stünde das Pfund dann ungefähr im Bereich der Parität zum Euro, die Preise auf der Insel ließen sich also eins zu eins in die europäische Währung umrechnen.

Nachdem der bisherige Pfund-Sturz bereits ein zwiespältiges Echo hervorgerufen hat, dürfte ein solcher zusätzlicher Wertverlust ebenfalls zu unterschiedlichen Reaktionen führen: Die Gewinner und Verlierer würden sich wohl noch deutlicher als bisher schon herauskristallisieren, als da wären:

Die Anleger an den britischen Aktienmärkten. Sie könnten sich freuen, denn die Papiere global agierender britischer Konzerne würden nach ihrer Sicht noch günstiger erscheinen. Der Höhenflug des FTSE dürfte also weitergehen.

Die Anleger anderer Aktienmärkte, beispielsweise in Deutschland. Sie hätten womöglich tendenziell weniger Grund zur Freude am Preisabschlag auf die benachbarte Währung. Denn jeder Euro, der über den Ärmelkanal transferiert und in britische Aktien gesteckt wird, ist theoretisch ein Euro weniger, der am deutschen Aktienmarkt landet.

Die britische Bevölkerung. Sie bekäme die Folgen ihrer Anti-EU-Entscheidung noch drastischer zu spüren, nämlich in Form weiter steigender Preise. Gut möglich, dass bei immer mehr Briten dann der Verdacht aufkäme, das historische Votum im Juni könnte vielleicht doch etwas unüberlegt erfolgt sein ("Bregret").

Die Besucher Londons und andere Großbritannien-Touristen aus dem Ausland. Des einen Freud ist bekanntlich des anderen Leid: Während die Briten für alltägliche Dinge immer tiefer in die Tasche greifen müssen, kommt Ausländern, die in Großbritannien einkaufen oder Dienstleistungen bezahlen, der Pfund-Sturz sehr zupass. Ihr Geld ist dort plötzlich mehr wert, was das Reiseerlebnis durchaus verschönern kann.

Beim Besuch in Madame Tussauds berühmtem Wachsfigurenkabinett etwa sparen zwei Erwachsene inzwischen ungefähr zehn Euro gegenüber der Zeit vor dem Brexit-Votum, wie unsere Übersicht für London-Besucher zeigt.

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