Montag, 23. September 2019

Brexit-Folgen Microsoft erhöht Preise um mehr als 20 Prozent

Microsoft-Gründer: Bill Gates hat nichts gegen die Briten. Da das Pfund jedoch rasant an Wert gegenüber dem Dollar verliert, müssen britische Microsoft-Firmenkunden bald 22 Prozent mehr zahlen

Der Brexit kommt Großbritannien teuer zu stehen. Nicht nur, dass die auf der Insel identitätsstiftende Hefepaste Marmite aus vielen Supermarkt-Regalen verschwunden ist. Nun erhöhen auch noch zahlreiche Unternehmen wegen des Kursverfalls des britischen Pfundes ihre Preise für den britischen Markt deutlich.

Der Software-Riese Microsoft Börsen-Chart zeigen zum Beispiel teilte am Montag mit, dass die Preise für seine Produkte wie Microsoft Office ab Januar 2017 um stolze 22 Prozent angehoben werden. Damit übertrifft Microsoft Konkurrenten wie Apple Börsen-Chart zeigen oder Dell, die ihre Preise zuletzt jeweils um rund 10 Prozent angehoben hatten. Die Preiserhöhung gilt zunächst nur für Firmenkunden.

Hintergrund für die starken Preissteigerungen ist der Verfall des britischen Pfundes, das seit der Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen, gegenüber dem Dollar um knapp 20 Prozent an Wert verloren hat. Damit ergibt sich ein Problem für US-Unternehmen, die Waren in Großbritannien verkaufen, ihre Bilanz jedoch in Dollar erstellen. Laut einer Analyse von CNN Money sind von dem Absturz des Pfundes gegenüber dem Dollar vor allem US-Technologieunternehmen und Hardware-Hersteller betroffen. Sie müssen nicht nur beim Verkauf ihrer Produkte Währungsverluste hinnehmen, sondern müssen auch die in Smartphones und Computern verwendeten Komponenten in der Regel in Dollar bezahlen.

Der Präsident der Bank of England, Mark Carney, hatte nach dem Brexit-Votum die Geldpolitik auf der Insel schrittweise gelockert, um einen Crash an der Londoner Börse zu vermeiden. Das Pfund ging daraufhin gegenüber dem US-Dollar auf Tauchstation. Während die Londoner Börse trotz des angekündigten Brexit von einem Hoch zum nächsten eilt, geraten viele Briten angesichts der zahlreichen Preiserhöhungen in Rage.

Der Lebensmittel-Riese Unilever hat seine Lieferungen an die britische Supermarktkette Tesco zeitweise eingestellt, da Tesco sich weigerte, Preiserhöhungen zu akzeptieren. Nach und nach gingen den betroffenen Supermärkten die Vorräte aus, zeitweise war sogar das urbritische Marmite aus den Regalen verschwunden, ebenso wie Knorr-Suppen und Ben&Jerry's-Eis. Auch andere britische Handelsketten streiten derzeit mit ihren Lieferanten.

Angesichts der anstehenden Brexit-Verhandlungen verlieren zahlreiche Bewohner des Königreiches ihre urbritische Gelassenheit. Laut "Sunday Times" droht die britische Regierung sogar mit Steuerdumping, sollte die EU den britischen Banken infolge des EU-Austritts ihre liebgewonnenen Privilegien streichen.

Brexit-Folge: Den Briten geht das Marmite aus

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