Samstag, 25. Januar 2020

Hängepartie führt zu Gersten-Dumping Wie der Brexit deutsches Bier verbilligen könnte

Anti-Brexit-Protest auf einem Feld in der Grafschaft Wiltshire
Will Rose, Led by Donkeys via AP
Anti-Brexit-Protest auf einem Feld in der Grafschaft Wiltshire

2. Teil: Alternativen zum EU-Markt? Praktisch keine

Wirklich dramatisch wäre es, sollte Großbritannien auf einen Schlag die Europäische Zollunion verlassen und als Drittstaat gelten - was noch vor knapp einer Woche als realistisches Szenario für den 1. November galt. Dann würde auf britische Gerste der gleiche EU-Zoll wie auf australische erhoben: 93 Euro pro Tonne. "Das werden die Käufer nicht bezahlen", wusste Culley. "Das werden wohl auch nicht die Händler bezahlen. Also kommt es alles von den Bauern."

Deutlich geringere Zölle würden fällig, solange die EU ihr Zollkontingent von 307.000 Tonnen Gerste aus Drittstaaten pro Kalenderjahr noch nicht ausgeschöpft hat. Falls es Anfang 2020 doch noch zu einem harten Brexit kommt, dürfte die britische Gerstenflut dieses Limit schnell sprengen. Um danach noch auf dem europäischen Markt zu bleiben, müssten die britischen Farmen hohe Verluste tragen.

Viele Alternativen blieben ihnen nicht: In Europa ist britische Gerste bislang wettbewerbsfähig, für weiter entfernte Märkte wegen der hohen Transportkosten aber nicht. Für kleinere Mengen kommen noch arabische Länder wie Libyen oder Algerien infrage, teils auch Saudi-Arabien - doch dort gelten andere Produktstandards, und die britische Gerste ist meist ein kleines bisschen zu feucht.

Während Weizen sich noch irgendwie auf dem Weltmarkt handeln lässt, sind die Gerstenbauern praktisch komplett auf den Absatz in der EU angewiesen. Der eigene Heimatmarkt ist begrenzt, umso mehr, seit die USA im Oktober als Vergeltung für europäische Airbus-Subventionen 25 Prozent Zoll auf schottischen Whisky erhoben. Die Brennereien zählen zu den großen Abnehmern von Malzgerste auf der Insel.

Serie: Der Brexit-Showdown

Großbritannien erzeugt regelmäßig einen Gerstenüberschuss, die deutschen Brauereien sind auf Importe angewiesen - solange das Königreich zur Zollunion gehört, können die britischen Bauern im Geschäft bleiben. Die Aussicht auf Neuwahlen lässt sie auf ein Happy End hoffen. Nur haben sie in der Zwischenzeit wegen der Brexit-Zitterpartie dieses Jahres die beste Ernte seit Jahren zu Schleuderpreisen verramscht, und als Nebeneffekt die Einkaufspreise für die Bierindustrie auf dem Kontinent gedrückt.

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