Freitag, 6. Dezember 2019

Brexit-Showdown Berlin buhlt vergeblich um Brexit-genervte Start-ups

Lichtprojekt am Brandenburger Tor
AP Herbert Knosowski
Lichtprojekt am Brandenburger Tor

Wo es Verlierer gibt, gibt es auch Gewinner. So gab es in einigen großen deutschen Städten in Bezug auf den Brexit Hoffnungen. Und zwar: Dass Metropolen wie Berlin als alternativer Standort für britische Start-ups profitieren könnten. In Berlin riefen die Stadtverantwortlichen einen runden Tisch ins Leben, um zu beraten, wie man sich am besten positionieren solle, entwickelten eigens eine Werbekampagne. Auch Frankfurt sah sich schon als die neue Fintech-Metropole.

Das Kalkül: Britische Start-ups könnten versuchen, sich durch eine europäische Niederlassung den Marktzugang zur EU zu sichern. Und warum dann nicht hier?

Serie: Der Brexit-Showdown

In der Hauptstadt ist daraus noch nichts geworden. "Der Exodus ist ausgeblieben", fasst es Lukas Breitenbach von Berlin Partner zusammen, der mit seiner Organisation umsiedlungswillige Unternehmen unterstützt. Ein deutlicher Anstieg von Umzugsanfragen britischer Firmen sei bislang nicht zu beobachten gewesen.

Frankfurt gewinnt - aber ...

Auch in Frankfurt sind so manche Hoffnungen enttäuscht worden. Zwar machten laut einer Anfang Oktober veröffentlichtenStudie der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) im Zuge des anstehenden Brexits 31 ausländische Banken in Frankfurt einen Standort auf. Angesichts des gleichzeitigen Stellenabbaus vieler Geldhäuser dürfte die Zahl der Banker-Stellen bis Ende 2021 allerdings nur um gerade einmal 1 Prozent gegenüber Ende 2018 steigen.

Vielmehr ist von einer Brexit-bedingten Schwäche des Standorts Großbritannien in der Start-up-Welt bislang nichts zu spüren - zumindest wenn es um die Ausstattung mit Wagniskapital und die Zahl der Finanzierungsrunden geht. Mit umgerechnet 5,7 Milliarden Euro und 323 Finanzierungsrunden im ersten Halbjahr 2019 hat London weiter die Nase vorn, wie eine gerade veröffentlichte Studie der Beratungsgesellschaft EY ergab.

Auf Rang zwei folgt Paris mit rund 2,2 Milliarden Euro, vor Berlin mit rund zwei Milliarden Euro. Die deutsche Start-up-Hochburg Berlin hat damit sogar an Boden verloren. "Das Brexit-Chaos scheint der Londoner Start-up-Szene kaum etwas anhaben zu können", kommentierte EY-Partner Peter Lennartz die Entwicklung.

Eine Meinung, die offenbar auch Yaron Valler vom Wagniskapitalfinanzierer Target Global teilt, der erst im April ein Büro in London aufgemacht hat. "Brexit oder kein Brexit, London wird immer einer der innovativsten, wachstumsstarken Tech-Hubs der Welt sein", sagte er der Branchenseite Techcrunch.

Zwar berichten einige Unternehmen wie der Tech-Personalvermittler Caissa Global davon, dass viele Jobsuchende wegen der Unsicherheit nicht mehr nach London wollten.

Völlig den Rücken kehrte London bislang kaum einer. Lieber schaffte man sich ein zusätzliches Standbein in der EU. So auch das ursprünglich in Deutschland gegründete Karten-Zahlungs-Start-up Sumup. Das Unternehmen, das seinen Hauptsitz vor einigen Jahren von Berlin nach London verlegte, trägt sich nicht mit Plänen, aus der britischen Hauptstadt wegzuziehen.

Zu wichtig ist der dortige Markt. Zwar sicherte sich das Unternehmen zusätzlich zur bisherigen britischen eine litauische Banklizenz, um ohne Friktionen auch weiterhin seine europäischen Kunden bedienen zu können. Der Hauptsitz soll aber erst einmal in London bleiben und sogar noch ausgebaut werden, da Großbritannien für das Start-up einer der wichtigsten Märkte ist.

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