Boris Becker ist nicht allein Prominent, aber pleite - warum viele Promis Geld verbrennen

Von Markus Schön
Boris Becker: Pleite? Quatsch

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Tennis-Star: Wo Boris Beckers Geld geblieben ist

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Aktuell sorgt Wimbledonsieger Boris Becker für Schlagzeilen, nachdem ihn ein Gericht in London für bankrott erklärt hatte. Ob dies den wirklichen Tatsachen entspricht, ist unklar - Beckers Anwalt widerspricht dieser Sichtweise vehement. Dennoch hört man immer wieder von Fällen, in denen Prominente, die sehr erfolgreich waren, irgendwann ihr Vermögen vollständig aufgezehrt haben.

Dabei erscheint es aus Sicht der Mehrzahl der Menschen unvorstellbar, wie erfolgreiche Sportler oder Künstler es schaffen, Einnahmen in Millionenhöhe komplett ausgeben zu können. Der nordirische Fußballstar George Best formulierte es sehr plakativ: "Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgegeben; den Rest habe ich einfach verprasst."

Eine solche Sichtweise ist bei den heutigen, sehr erfolgreichen Prominenten vielleicht nicht mehr so verbreitet, aber Entwicklungen, in denen dann das in der aktiven Karriere erzielte Vermögen nicht für längere Zeit reicht, gibt es immer wieder. Wie kommt es dazu?

10 Jahre Topverdienst reicht nicht

Eine der Ursachen ist sicherlich der Lebensstil. Insbesondere viele Sportler verdienen in einem sehr jungen Alter bereits sehr viel Geld und gehen davon aus, dass dies immer so weitergeht. Allerdings ist eine Spitzensportlerkarriere meistens auf maximal 10 bis 15 Jahre beschränkt. Selbst in dieser Zeit gelingt es nur den Wenigsten, so viel Geld zu verdienen und anzulegen, um ihren exklusiven Lebensstandard dauerhaft aufrechtzuerhalten. Ähnliches gilt für Künstlerinnen und Künstler, bei denen zwar theoretisch das Lebenswerk viele Jahrzehnte erfolgreich sein kann, dies ist aber auch eher die Ausnahme als die Regel.

Luxussportwagen, Berater, Steuern - das kostet alles

Markus Schön
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Markus Schön ist Vermögensverwalter und Geschäftsführer der Schön & Co GmbH . Er hat mehrere Bücher geschrieben und 2007 die gemeinnützige Giving Tree Stiftung gegründet, die benachteiligte Kinder und Jugendliche unterstützt.

Diese Endlichkeit des Erfolgs zu akzeptieren, fällt schwer, sodass für ein dauerhaftes Vermögen nur der Lebensstil oder die erzielten Einkünfte als Variable verbleiben. Nun lassen sich Einkünfte nicht beliebig steigern und die für Wohnsitze auf mehreren Kontinenten, Luxussportwagen, Privatjets und Boote - letztere möglicherweise nur gechartert - notwendigen 10 Millionen Euro verdienen nur wirkliche Top-Leute. Von solchen Einnahmen müssen noch Berater und Steuern gezahlt werden. So müsste dann selbst ein Spitzensportler oder Top-Künstler mindestens 50 Prozent dieser Einnahmen sparen, um sich dann dauerhaft den Lebensstandard leisten zu können.

Allerdings steigen die Ansprüche - vielfach überproportional - zum Einkommen. Außerdem ist auch dort häufig die Wahrnehmung verbreitet, dass nach der aktiven Karriere vergleichbar lukrative Einnahmechancen bestehen. Deswegen wird die Notwendigkeit, durch aktive und kluge Vermögensbildung im nennenswerten Umfang vorzusorgen, oft unterschätzt.

Wirtschaftlich unerfahren und häufig schlecht beraten

Zudem ist die Komplexität sehr hoch, da viele Einflüsse auf meistens wirtschaftlich unerfahrene Persönlichkeiten einströmen. Dies reicht von unseriösen Angeboten umfassender Steuervermeidungsstrategien über Verschuldungsmodelle zur Schaffung eines zusätzlichen Kapitalhebels bis hin zu eher normalen Fragestellungen von Vermögenden, wie hoch die Aktienquote sein sollte.

Gerade bei Sportlern darf diese übrigens nicht zu hoch sein, da sie langfristig auf das Vermögen angewiesen sind und möglicherweise auch durch Verletzungsrisiken kurzfristigeren Kapitalbedarf haben, der nicht planbar ist. Mit solchen Themen wollen sich Fußball, Tennisspieler oder Sängerinnen möglicherweise nicht auseinandersetzen, sodass man hier auf externe Berater zurückgreift.

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Dort ist einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren, für den Mandanten die Komplexität zu reduzieren, damit ein Überblick über das Vermögen möglich wird, auch wenn dieser keine eigene Expertise hat. Vielfach scheitern auch gerade erfolgreiche Persönlichkeiten aus Sport oder Showbusiness daran, dass sie sich vor der Frage nach Komplexität scheuen.

Wenn der Berater ähnlich agiert, seine Kernkompetenzen nicht kennt und sich in der Auswahl der fachlichen Experten schwertut, steigt das Vermögensrisiko auch für Top-Verdiener signifikant an. Dies gilt nicht nur für prominente Anleger. Jeder sollte sich die Frage stellen, wem eine Anlageempfehlung nützt. Je transparenter dies wird, desto besser ist dies für den Vermögenden -ob bekannt oder nicht.

Kosten und Eigeninteresse müssen offengelegt werden, da nur so eine wirklich transparente Entscheidung getroffen werden kann. Wenn dies im Zusammenspiel mit Experten geschieht, sind viele Risiken deutlich reduziert. So lassen sich dann Vermögensrisiken erkennen und die Gefahr, irgendwann "prominent, aber pleite" zu sein, weitgehend ausschließen.

Markus Schön ist Geschäftsführer des DVAM Vermögensverwaltung GmbH und Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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