Dienstag, 23. April 2019

Preis gesenkt - IPO im dritten Anlauf Börsengang unter Schmerzen - Hapag-Aktie für 20 Euro

Nur die Größe zählt: Die Schifffahrt durchlebt seit Jahren eine schwere Krise, auf den Weltmeeren herrscht wegen des Überangebots an Schiffen ein harter Preiskampf. Die Reedereien setzen nun auf neue Riesenschiffe - um die Kosten zu senken

Die Krise der weltweiten Schifffahrt setzt Reedereien und Fondsanlegern seit Jahren zu. Entsprechend große Mühe hat die Reederei Hapag Lloyd, Interessenten für seine Aktien zu finden. Doch der Konzern braucht das Geld dringend - für neue Schiffe auf dem bereits übersättigten Markt.

Der Schifffahrtskonzern Hapag-Lloyd nimmt einen neuen Anlauf an die Börse. Die Aktien würden zu 20 Euro je Stück am unteren Ende der gesenkten Preisspanne zugeteilt, sagte eine mit der Transaktion vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Die Bücher seien geschlossen. Das Börsendebüt in Frankfurt ist für Freitag geplant.

Hapag-Lloyd hatte nach einer Gewinnwarnung des Konkurrenten Maersk seine Ansprüche zurückschrauben müssen. Die Preisspanne wurde auf 20 bis 22 Euro (vorher 23 bis 29 Euro) gesenkt und das Emissionsvolumen auf 304 Millionen Euro verkleinert.

Vorstandschef Rolf Habben Jansen will Hapag-Lloyd unbedingt jetzt an die Börse führen, nachdem 2004 und 2011 zwei Anläufe gescheitert waren.

Reederei niedriger bewertet als der Lieferdienst HelloFresh

Bei einem Ausgabepreis von 20 Euro wird Hapag-Lloyd mit knapp 2,4 Milliarden Euro bewertet - niedriger als etwa der Lebensmittel-Lieferdienst HelloFresh. Das defizitäre Startup-Unternehmen aus dem Internet-Konzern Rocket Internet Börsen-Chart zeigen strebt ebenfalls an die Börse. Die Eigentümer von Hapag-Lloyd, darunter der Reisekonzern TUI, hatten auf eine doppelt so hohe Bewertung gehofft.

Zu viele Schiffe auf dem Markt - Hapag plant Kauf von neuen Riesen-Schiffen

Hapag-Lloyd braucht das Geld jedoch dringend und will von dem IPO-Erlös Schiffe und Container kaufen. Vermutlich - ein entsprechender Beschluss des Vorstands liegt noch nicht vor - würde Hapag-Lloyd mit dem Erlös aus dem Börsengang erstmals in das Segment der Schiffe mit rund 19.000 oder 20.000 Containern (TEU) Tragfähigkeit einsteigen, den größten Schiffen der Welt.

Sie werden vor allem auf der Route zwischen Asien und Europa eingesetzt, wo auch die Frachtraten am niedrigsten sind. Die Reedereien sind deshalb auf besonders effiziente und konkurrenzfähige Schiffe angewiesen, um im Wettbewerb bestehen zu können.

la/reuters/dpa

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung