Kursrutsch an der Börse Nicht nur Nordkorea macht Anleger nervös

Donald Trumps Kriegsrhetorik rüttelt die Börsen durch. Doch selbst wenn die Nordkorea-Krise entschärft werden sollte, droht Anlegern ein stürmischer Herbst. Trump wird immer mehr zum Börsenrisiko.
Donald Trump: Nordkorea sollte "sehr, sehr nervös" sein. Anleger und Investoren auch.

Donald Trump: Nordkorea sollte "sehr, sehr nervös" sein. Anleger und Investoren auch.

Foto: AFP

Er droht Nordkorea mit "Feuer und Wut" und verspricht, die US-Waffen seien "geladen und entsichert": Mit seiner wilden Kriegsrhetorik hat US-Präsident Donald Trump den Rekordlauf der US-Börsen gestoppt und dazu beigetragen, dass binnen drei Tagen rund eine Billion Dollar an den weltweiten Börsen vernichtet wurde. Der Goldpreis steigt, Rüstungsaktien erreichen Rekordhochs, und sogar die US-Anleger sind in dieser Woche aus ihrer Lethargie und Selbstzufriedenheit aufgewacht.

Kommentatoren sprechen von einer "Rückkehr der Angst": Bei einem drohenden Atomkonflikt ist das nur zu verständlich. Bemerkenswert ist jedoch mit Blick auf die US-Börsen: Von einer "Rückkehr der Angst" kann an der Wall Street noch überhaupt nicht die Rede sein. Dort herrscht, trotz Trumps lautem Getöse, eine unglaubliche Gelassenheit.

US-Anleger sind noch extrem gelassen - und US-Aktien sind hoch bewertet

Wie an der Schnur gezogen sind die US-Indizes Dow Jones, Nasdaq Composite und S&P 500 in diesem Jahr bislang von einem Rekordhoch zum nächsten geeilt. Seit Jahresbeginn hat der Nasdaq Composite  rund 15 Prozent zugelegt, Dow Jones  und S&P 500 jeweils rund 10 Prozent. Und genau diese hohe Fallhöhe, gepaart mit einer extrem niedrigen Volatilität und trügerischen Ruhe, könnte für die US-Börsen und den Rest der Welt nun zum Problem werden.

Beispiel: Der S&P 500 Index, der in den USA den breiten Aktienmarkt abdeckt, gab am Donnerstag um 1,4 Prozent nach. Es war der stärkste Rücksetzer binnen eines Monats, der zweitstärkste "Kursrutsch" im S&P 500 betrug geradezu lächerlich geringe 0,2 Prozent. Von einer Korrektur kann in den USA noch keine Rede sein - noch hat dort niemand, anders als beim deutschen Index Dax , sein Geld in Sicherheit gebracht.

Anders gesagt: Eine Abkühlung an den US-Börsen ist nach monatelanger Aktienrally überfällig. Auch dann, wenn sich der Konflikt zwischen den USA und Nordkorea hoffentlich rasch wieder abkühlen sollte. Der Dow Jones  ist seit Trumps Wahl um rund 4000 Punkte gestiegen - nicht wegen Trump, sondern trotz Trump.

Viel heiße Luft: Trump könnte die Börsenblase bald zum Platzen bringen

Ausgerechnet Trump könnte nun Investoren dazu bewegen, ihre Risiken am Aktienmarkt zu begrenzen und stattdessen ihre Anleihequote zu erhöhen. Seit seiner Wahl hat Trump viel heiße Luft von sich gegeben und die Erwartungsblase prall gefüllt: Rascher Abbau der Regulierung im Bankenwesen, eine "phänomenale" Steuerreform, Neuordnung des Gesundheitswesens: Keine von seinen großen Versprechungen hat er umgesetzt.

Anleger haben sich daran gewöhnt, dass von Trump vor allem heiße Luft kommt. Das ist zwar keine Hilfe, aber es stört auch nicht weiter. Die US-Indizes sind vor allem deshalb gestiegen, weil die Gewinne der US-Unternehmen stärker gestiegen sind als erhofft und die US-Konjunktur kräftig Fahrt aufgenommen hat. "Im Sommer 2016 endete die zweijährige Gewinn-Rezession in den USA - das hat die Börsen seitdem angetrieben", sagt Jochen Stanzl von CMC Markets. "Mit Trump hat das nichts zu tun."

Der einzige Beitrag, den Trump zum Gewinnwachstum der US-Unternehmen möglicherweise geleistet hat, war die Schwächung des US-Dollars durch immer neue Chaos-Meldungen aus dem Weißen Haus. Ein schwacher Dollar stützt die Exporte und lässt die Gewinne der global agierenden US-Konzerne meist noch weiter steigen. Unter dem schwachen Dollar litt vor allem der Dax , der in den vergangenen sechs Wochen um fast 1000 Punkte nachgegeben hat.

Doch nun wird auch Investoren in den USA bewusst, dass Trumps Getöse durchaus Schaden anrichten kann - siehe Nordkorea und die steigende Verunsicherung in China und der gesamten asiatischen Region.

Trump stößt im September an die Schulden-Obergrenze

Hinzu kommt: Spätestens im September werden die USA die Defizit-Obergrenze von 20 Billionen Dollar wieder übersteigen. Gelingt es Trump nicht, die Schulden-Obergrenze zu erhöhen, dürfte es wie im Jahr 2015 zu einer schweren Haushaltskrise kommen.

Und selbst wenn im Tauziehen mit dem US-Kongress die Grenze abermals erhöht oder ein Aufschub ausgehandelt werden sollte, dürfte Trump keinerlei finanziellen Spielraum haben, um seine angekündigte Steuerreform oder das milliardenschwere Infrastrukturprogramm in die Tat umzusetzten. "Enttäuschungen sind programmiert. Eine Fortsetzung des Aufschwungs ist illusionär", warnte der ehemalige Haushaltschef von Ronald Reagan, John Stockman, bereits im Frühsommer.

Im September entscheidet außerdem die US-Notenbank über einen weiteren Zinsschritt, bevor sich die Fed-Mitglieder mit anderen Notenbankern in Jackson Hole treffen. Die Fed hat mit ihren ersten Zinserhöhungen bereits den Ausstieg aus der Ära des extrem billigen Geldes begonnen - und dies war der wichtigste Antriebssatz für die weltweite Rally am Aktienmarkt.

Die Hoffnung, dass Diplomaten den Nordkorea-Konflikt entschärfen, ist groß. Doch selbst dann droht Anlegern ein unruhiger Herbst - zu hoch ist die Fallhöhe und die Selbstzufriedenheit auf dem US-Aktienmarkt. Trump tut im Moment sehr viel dafür, um Luft aus der Blase abzulassen. "Es gab de facto keine Trump-Rally", so Stanzl. "Aber es könnte eine Trump-Korrektur geben."

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