Unruhe an der Börse, Euro auf Jahreshoch Dax stürzt auf 9-Wochen-Tief

Die positiven Ergebnisse des Banken-Stresstests in den USA stützen Bankenwerte. Doch auch der Euro steigt auf den höchsten Stand seit 12 Monaten. Der Dax beschleunigt seine Talfahrt fort.

Die Börsen-Bären sind los: Der Dax  war am Donnerstag zunächst mit Gewinnen in den Handel gestartet, rutschte dann jedoch immer weiter ab und verlor im Handelsverlauf rund 230 Punkte. Zum Xetra-Handelsschluss (17.35 Uhr) notierte der Dax  1,8 Prozent schwächer und fiel deutlich unter die Marke von 12.500 Zählern. Das ist der tiefste Stand seit 9 Wochen.

Zu den wenigen Gewinnern gehörten die Aktien von Commerzbank (Kurswerte anzeigen) und Deutscher Bank (Kurswerte anzeigen). Als Bremse für den Dax wirkte dagegen der starke Euro , der am Donnerstag auf ein 12-Monats-Hoch zum Dollar kletterte. "Die Konsolidierung im Dax ist in vollem Gange", sagte ein Händler. "Der von Mario Draghi ausgelöste Höhenflug des Euro beschleunigt diese Entwicklung."

"Die Bären wittern Morgenluft"

"Die Bären wittern Morgenluft und proben den Aufstand", sagte Jochen Stanzl von CMC Markets. "Nach dem Hin und Her durch die Einlassungen der Notenbanken, allen voran der Europäischen Zentralbank, sind einige Anleger zu dem Schluss gekommen, dass die nächste längere Aufwärtsphase am deutschen Aktienmarkt wohl erst nach der Sommerpause zu erwarten ist."

Nun drohe die Fortsetzung der Korrektur, so Stanzl. An der negativen Stimmung konnte auch die Veröffentlichung eines etwas besser als erwarteten US-Wirtschaftswachstums nichts ändern. Erwartet wurden gerade einmal 1,2 Prozent, geworden sind es 1,4 Prozent - doch US-Präsident Trump möchte vier Prozent.

Auch an der Wall Street gaben die Kurse, abgesehen von den Sektoren Banken und Energie, überwiegend nach.

Grund für die Rally im Bankensektor: Erstmals haben alle großen US-Banken den jährlichen Stresstest der amerikanischen Notenbank bestanden. Sie erhielten von der Fed damit grünes Licht, in großem Stil Geld in Form von Dividenden oder Aktienrückkäufen an ihre Investoren auszuschütten. Citigroup und Bank of America  erhöhten unmittelbar darauf ihre Dividende deutlich. Die Aktien von Wells Fargo  legten am Donnerstag im frühen US-Handel deutlich zu. Energietitel profitierten zudem von Aussagen von Donald Trump, den US-Energiesektor zu stärken.

Technologiebörse Nasdaq erneut im Rückwärtsgang

Der Wall Street scheint nach der Vortagserholung am Donnerstag schon wieder der Schwung auszugehen. An der Technologiebörse Nasdaq  ging es bis zum Handelsschluss in Europa um 1,5 Prozent nach unten.

Der Dow Jones  notierte zuletzt 0,4 Prozent schwächer. Er hatte zur Wochenmitte von starken Finanztiteln profitiert, die den positiven Ausgang des Banken-Stresstests der US-Notenbank FDA schon vorweg genommen hatten.

Euro steigt zum Dollar auf 12-Monats-Hoch

Als Kursbremse im Dax wirkte jedoch der starke Euro: Der Euro  ist zwischenzeitlich erstmals seit einem Jahr über 1,14 US-Dollar gestiegen. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung bis zu 1,1419 Dollar. Das war der höchste Stand seit der Marktreaktion auf das Brexit-Votum vor gut zwölf Monaten.

Seit Dienstagmorgen hat der Euro zum Dollar inzwischen über zwei Cent zugelegt. Auslöser waren Äußerungen von EZB-Präsident Mario Draghi, die nach Einschätzung vieler Anleger auf eine weniger lockere Geldpolitik schließen lassen. Draghi gab sich zuversichtlich für das Wirtschaftswachstum im Euroraum und - wenn auch in geringerem Ausmaß - für die Inflationsentwicklung. Dies wurde an den Devisenmärkten als Signal für eine mögliche baldige Straffung der Geldpolitik interpretiert.

Walgreens bläst Übernahme von Rite Aid ab

Dass die Apothekenkette Walgreens Boots Alliance die Komplettübernahme der Konkurrentin Rite Aid abblies, ließ deren Aktien um knapp 21 Prozent abstürzen. Walgreen will nun lediglich über 2000 Filialen sowie weitere Vermögenswerte von Rite Aid für insgesamt 5,18 Milliarden US-Dollar kaufen und zahlt Rite Aid 325 Millionen Dollar Entschädigung für die Aufkündigung der ursprünglichen Vereinbarung. Die Anteilseigner von Walgreens begrüßten diesen Schritt: Die Papiere gewannen über 6 Prozent.

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