Montag, 21. Oktober 2019

Neue Probleme beim Airbus-Konkurrenten Risse in Boeing-Jets - Airlines stoppen 737-NG-Maschinen

Ältere Maschinen des Typs Boeing 737 NG müssen zurück in die Werkstatt - Fluggesellschaften stellten Risse fest
Mark Ralston/ AFP
Ältere Maschinen des Typs Boeing 737 NG müssen zurück in die Werkstatt - Fluggesellschaften stellten Risse fest

Die schlechten Nachrichten beim US-Flugzeughersteller Boeing reißen nicht ab: Die Zukunft des nach zwei Abstürzen mit Flugverboten belegten Jets 737 Max ist ungewiss - nun gibt es auch Probleme beim Vorgängermodell 737 NG. Zu allem Überdruss verliert Boeing milliardenschwere Bestellungen für den Flugzeugtyp Dreamliner 787.

Unter anderem die US-Fluggesellschaft Southwest Airlines hat wegen Rissen an wichtigen Bauteilen zwei Jets vom Typ Boeing 737 NG aus dem Verkehr gezogen. Die Probleme seien bei einer von der US-Luftfahrtaufsicht FAA angeordneten Inspektion entdeckt worden, teilte die Airline am Mittwochabend mit. Der weit überwiegende Teil der untersuchten Flotte sei jedoch in Ordnung.

Die brasilianische Fluggesellschaft Gol Linhas Aereas Inteligentes wiederum hat laut Reuters elf Jets des Typs 737 NG aus dem Verkehr gezogen. Die US-Luftfahrtaufsicht FAA hatte zuvor Flugzeugbetreiber aufgefordert, 737 NG-Flugzeuge innerhalb von sieben Tagen auf strukturelle Risse zu untersuchen. Den Angaben zufolge habe der Hersteller habe das Problem selbst entdeckt und die Behörde darüber informiert.

Das Risiko von Rissen besteht bei sogenannten Pickle Forks, das sind wichtige Bauteile zur Befestigung der Tragflächen am Flugzeugrumpf. Unter hoher Belastung können diese sich offenbar schneller als angenommen abnutzen.

Boeing bekräftigte in einer Stellungnahme, seine Kunden aktiv bei den Untersuchungen der 737 NG zu unterstützen. Allen betroffenen Betreibern seien detaillierte Anweisungen gegeben worden, auch bei erforderlichen Reparaturen beteilige Boeing sich.

Bei etwa 25 Maschinen des Typs sollen Risse festgestellt worden sein

Die 737 NG ist der Vorgänger des Unglücksfliegers 737 Max, der Mitte März nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten fast weltweit mit Startverboten belegt wurde. Auf Basis vorläufiger Erkenntnisse von Boeing seien laut Bloomberg bei 5 Prozent der insgesamt 493 älteren 737-NG-Maschinen, die untersucht wurden, Risse festgestellt worden.

Diese Jets dürften nun vorübergehend nicht mehr abheben. Bloomberg sich auf eine anonyme Quelle, die die Informationen aus einer Konferenzschalte zwischen Vertretern von Boeing und Airlines habe.

Der Flugzeugbauer richte eine Reparaturstation im kalifornischen Victorville ein, hieß es in dem Bericht weiter. Boeing gehe davon aus, etwa zwei bis drei Wochen pro Flugzeug zu benötigen, um die Probleme zu beheben. Der US-Konzern äußerte sich dazu zunächst nicht.

American Airlines wird 737 Max dieses Jahr nicht mehr in Betrieb nehmen

Fest steht: Boeing hat mit den Krisenfliegern der 737-Max-Serie momentan eigentlich schon genug Stress. Die große US-Fluggesellschaft American Airlines rechnet nach Angaben vom Mittwoch in diesem Jahr nicht mehr mit einer Wiederinbetriebnahme der Unglücks-Jets.

Das Unternehmen teilte mit, die Maschinen bis zum 16. Januar aus dem Flugplan zu nehmen. Boeings Bestseller fällt somit in der von starkem Reiseaufkommen geprägten Weihnachtszeit aus. Zuvor hatte American 737-Max-Flüge bis zum 3. Dezember gestrichen. Angesichts der andauernden Schwierigkeiten, die es bei der angestrebten Wiederzulassung der Maschinen gibt, kommt der Schritt wenig überraschend. Boeing steht unter Druck, Software-Probleme zu beheben, die als eine entscheidende Ursache der zwei Abstürze gelten.

Dremaliner 787: Aeroflot storniert 5,5 Milliarden Dollar schwere Bestellung

Und hätte Boeing mit der 737 Max und dem Vorgänger-Modell 737 NG nicht schon Probleme genug, jetzt kommen auch noch Stornierungen für das Großraumflugzeug Dreamliner 787 hinzu:

Der Airbus-Rivale verliert Aufträge für seinen Dreamliner 787: Der Zeitung "Seattle Times" zufolge stornierte die russische Fluggesellschaft Aeroflot offiziell eine Bestellung von 22 Dreamlinern im Wert von etwa 5,5 Milliarden Dollar.

rei/dpa/Reuters

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