Mittwoch, 8. April 2020

Flugaufsicht FAA moniert weiteren Mangel Boeing muss 737 Max neu verkabeln

Produktion der Boeing 737 Max 8 (Archivbild von März 2019)
Ted S. Warren / AP / dpa
Produktion der Boeing 737 Max 8 (Archivbild von März 2019)

Der angeschlagene US-Flugzeugbauer Boeing steht bei seinem nach zwei Abstürzen mit Startverboten belegten Krisenjet 737 Max vor einer neuen Baustelle. Es sei kürzlich ein Problem mit der Verkabelung festgestellt worden, teilte die US-Luftfahrtaufsicht FAA in der Nacht auf Montag mit. Der Hersteller müsse dafür sorgen, dass alle Zertifizierungsstandards erfüllt werden. Das Flugzeug werde erst wieder für den Betrieb zugelassen, wenn die FAA davon überzeugt sei, dass alle sicherheitsrelevanten Probleme behoben sind.

Boeing teilte in einer Stellungnahme mit, dass sich das Unternehmen wegen der Kabelproblematik in andauernden Gesprächen mit der FAA befinde. Unabhängig vom endgültigen Ausgang der Angelegenheit gehe der Hersteller unverändert davon aus, dass die 737 Max Mitte des Jahres wieder abheben darf. Das "Wall Street Journal" hatte am Sonntag unter Berufung auf Insider berichtet, dass die FAA eine Neuverkabelung aller fast 800 bereits produzierten 737-Max-Jets anordnen dürfte, um einer Gefahr von Kurzschlüssen vorzubeugen.

Die Kabel seien nicht gemäß der Rechtsnormen verlegt, wie die Nachrichtenagentur "Bloomberg" am Montag von einem Insider der Behörde erfahren hat. Es bestehe die Gefahr eines gefährlichen Kurzschlusses, der die Nase des Flugzeugs nach unten drücken könnte. Dies würde zu ähnlichen Flugbewegungen wie bei den Abstürzen zweier 737 Max am 29. Oktober 2018 in Indonesien und am 10. März 2019 in Äthiopien führen.

Der Konzern argumentiert "Bloomberg" zufolge, dass die nun bemängelte Verkabelung bereits beim Vorgängermodell, der 737 NG, ohne Probleme zum Einsatz gekommen sei. Ein offizielles Statement von Boeing steht allerdings noch aus. Dem "Wall Street Journal" zufolge sieht Boeing den selbstgesteckten Zeitplan für die Aufhebung des Flugverbots der 737 Max durch diesen neuen Sachverhalt nicht in Gefahr. Der Hersteller rechnet offiziell mit einer behördlichen Freigabe im Sommer.

Bußgeld für nicht genehmigte Sensoren

Bereits am Freitag wurde bekannt, dass die FAA von Boeing ein Bußgeld von 19,7 Millionen US-Dollar (17,5 Millionen Euro) wegen nicht zugelassener Bauteile in hunderten Flugzeugen der Typen 737 NG und 737 Max fordert. Die Behörde wirft dem Airbus-Rivalen vor, in insgesamt 791 Jets bestimmte Sensoren eingebaut zu haben, die noch nicht genehmigt worden waren. Boeing habe 30 Tage Zeit, die Strafe zu zahlen oder anzufechten.

Das Unternehmen erklärte, bei der Untersuchung der FAA kooperiert und bereits auf die Beanstandungen reagiert zu haben. Bei den nicht zugelassenen Sensoren, die nun von der FAA geahndet wurden, gehe es aber nicht um ein Sicherheitsproblem, sondern um Versäumnisse bei bestimmten Unterlagen zur Zertifizierung, teilte der Airbus-Rivale mit.

Fehlerhafte Daten von Sensoren, um den Anstellwinkel der Maschine zu messen, gelten als Auslöser für die Steuerungsautomatik MCAS, die in zwei Fällen zum Crash führte.

Zwischenbericht aus Äthiopien bestätigt Systemmängel

Ein Jahr nach dem Absturz einer äthiopischen Boeing 737 Max bestätigen die dortigen Unfalluntersucher in einem Zwischenbericht Systemmängel an Bord der Unglücksmaschine. Zudem sei die vom Hersteller angebotene Pilotenschulung für den Umstieg von einer Boeing 737 NG auf das komplexere Muster Boeing 737 Max nicht adäquat, heißt es in dem am Montag in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba vom Verkehrsministerium präsentierten Zwischenbericht.

Bereits zuvor hatten Untersuchungsberichte aufgezeigt, dass eine fehlerhafte Steuerungsautomatik die Flugzeuge gegen den Willen der Piloten Richtung Boden lenkt. Das wurde jetzt in dem Bericht der Flugunfalluntersucher bestätigt.

Es war innerhalb weniger Monate der zweite Absturz eines derartigen Jets - er hatte zu einem weltweiten Startverbote von Maschinen dieses Typs geführt. Insgesamt starben bei beiden Unglücken 346 Menschen.

ak/dpa

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