Samstag, 19. Oktober 2019

Auslieferung von Ultra-Langstreckenversion 777X verschoben Neue Boeing-Probleme - 21-Stunden-Rekordflug fraglich

21 Stunden Non-Stop-Flug mit Boeing 777X: Die australische Fluggesellschaft Qantas will die Strecke London- Sydney mit einer neuen Ultra-Langstreckenversion des Typs kontinuierlich fliegen. Doch Boeing hat Probleme.

Neuer Rückschlag für Boeing: Der Airbus-Wettbewerber muss die Auslieferung einer neuen Version des Ultra-Langstreckenfliegers 777X verschieben. Doch so richtig kann Airbus von der anhaltenden Schwäche des US-Konzerns nicht profitieren. Das hat Gründe.

Die Serie der Probleme beim weltgrößten Flugzeugbauer Boeing Börsen-Chart zeigen reißt nicht ab. Der US-Konzern hat aufgrund von Schwierigkeiten mit den Triebwerken den geplanten Start der Auslieferungen einer Ultra-Langstreckenversion seines neuen Modells 777X verschoben. Das teilte der Airbus-Konkurrent in der Nacht Donnerstag mit.

Boeing habe das Entwicklungsprogramm für den Flieger überprüft und den Zeitplan angepasst, sagte ein Boeing-Sprecher. Damit dürfte es schwierig für Boeing werden, fristgerecht Maschinen des Typs an die australische Fluglinie Qantas zu liefern, damit diese wie geplant 2023 einen 21-stündigen Non-Stop-Flug von Sydney nach London anbieten kann. Qantas hatte darauf gehofft, erste Flugzeuge 2022 geliefert zu bekommen. Boeing steht bereits wegen seiner Unglücksmaschine 737 Max unter Druck.

Boeing konkurriert mit Airbus Börsen-Chart zeigen um den Qantas-Auftrag für die 17.000 Kilometer lange Strecke zwischen London und Sydney. Die Airline wolle sich bis Ende des Jahres entscheiden, sagte ein Sprecher. Ein Airbus-Sprecher erklärte, der europäische Konzern stehe mit seinem Modell A350 bereit, um die Bedürfnisse von Qantas zu erfüllen.

Boeing kämpft nach dem Startverbot für die 737 Max mit Milliarden-Verlusten. Weltweit darf das wichtigste neue Modell von Boeing seit März nicht mehr fliegen, nachdem in Äthiopien und in Indonesien neue Maschinen dieses Typs kurz nach dem Start abgestürzt waren. Dabei kamen 346 Menschen ums Leben. Boeing arbeitet an einem Update der als Unfallursache vermuteten Sicherheitssoftware. Noch ist unsicher, wann die Maschinen wieder abheben dürfen. Das Start-Verbot hat auch Boeing-Kunden in Schwierigkeiten gebracht.

Airbus wiederum profitiert von der Schwäche des Wettbewerbers und dem weltweiten Starverbot der 737 Max. Erste Boeing-Kunden haben Aufträge storniert und sind direkt zu Airbus und dem extrem erfolgreichen Mittelstreckenjet A320 gewechselt.

Airbus kann Ausfälle von Boeing nicht abdecken

Das Problem: So richtig umsetzen kann Airbus diesen Vorteil noch nicht. Denn angesichts prall gefüllter Auftragsbücher ist die Produktion der A320neo bis ins Jahr 2024 hinein ausgebucht. Die Zulieferer sind damit beschäftigt, den geplanten Ausbau der Produktionsrate auf 63 Jets pro Monate zu ermöglichen. Ein weiterer Ausbau ist im Gespräch. Die Ausfälle bei Boeing könnte Airbus aber nicht abdecken.

Insgesamt will Airbus Börsen-Chart zeigen in diesem Jahr 880 bis 890 Passagier- und Frachtmaschinen ausliefern - mindestens 80 mehr als im vergangenen Jahr. Die Amerikaner hatten sich ursprünglich rund 900 Auslieferungen vorgenommen. Doch seine Jahresziele hat Boeing-Chef Muilenburg längst kassiert.

Auch wenn Airbus allmählich zum Liebling der Analysten avanciert - von 16 befragten Branchenexperten empfehlen 11 die Aktie zum Kauf - und Airbus das 380-Desaster mit sprudelnden Gewinnen im zweiten Quartal endgültig abgehakt hat, bleiben gleichwohl Risiken.

Airbus zusehends Liebling der Analysten - doch Risiken lauern

So sind die seit 2016 laufenden Korruptionsermittlungen gegen den Konzern noch immer nicht abgeschlossen. Airbus könnten dabei in Europa und den Vereinigten Staaten Strafen in Milliardenhöhe drohen. Zudem drohen im Dauerstreit zwischen den USA und der EU über Subventionen für Boeing und Airbus den Europäern nach wie vor Strafzölle auf Flugzeuge und Hubschrauber.

Und trotz des Höhenflugs ist Airbus an der Börse immer noch viel weniger wert als der US-amerikanische Wettbewerber - obwohl der Aktienkurs von Boeing seit dem zweiten Absturz einer 737 Max und dem Flugverbot um mehr als ein Fünftel eingebrochen ist.

Insgesamt kommt der US-Konzern immer noch auf eine Marktkapitalisierung von umgerechnet etwas mehr als 160 Milliarden Euro. Airbus hat bisher lediglich vorübergehend die Marke von 100 Milliarden Euro geknackt - und bleibt mit zuletzt rund 95 Milliarden Euro Börsenwert eine deutlich kleinere Nummer.

rei/Reuters/dpa

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