Samstag, 25. Januar 2020

Interne Mails zum 737-Max-Skandal veröffentlicht "Clowns, von Affen beaufsichtigt" - das fatale Selbstbild von Boeing

Cockpit einer Boeing 737 Max 8

Kritische E-Mails von Boeing-Mitarbeitern über den Umgang mit dem Unglücks-Modell 737 Max werfen ein schlechtes Licht auf die Unternehmenskultur bei dem US-Flugzeugbauer. Das Flugzeug sei "von Clowns entworfen, die wiederum von Affen beaufsichtigt werden", schrieb ein nicht genannter Mitarbeiter, der sich im April 2017 mit einem Kollegen über Probleme mit der Computer-Flugsteuerung austauschte.

Zwei Boeing 737 Max stürzten 2018 und 2019 nach technischen Problemen ab, 346 Menschen verloren dabei ihr Leben. Seither dürfen Flugzeuge dieses Typs auf Geheiß der internationalen Luftsicherheitsbehörden wie der FAA in den USA nicht mehr starten und landen.

Aus vielen der Mails und anderen Kurznachrichten, die Boeing in der Nacht zum Freitag veröffentlichte, spricht Verachtung für das Boeing-Management, aber auch für die FAA und andere Genehmigungsbehörden. "Würdest Du Deine Familie in ein Flugzeug setzen, dessen Piloten an einem Max-Simulator geschult wurden? Ich nicht", schreibt ein Boeing-Mitarbeiter Anfang 2018 an einen anderen. "Nein", antwortet dieser. An einer anderen Stelle hieß es, "dies ist ein Witz. Das Flugzeug ist lächerlich."

In einem Schreiben von 2015 sagte ein Angestellter, die Firma habe eine Präsentation gegenüber der FAA extrem kompliziert gestaltet. Für die Beamten und auch für ihn selbst "war es, wie wenn Hunde fernsehen". Ein anderer schrieb: "Ich wäre geschockt, wenn die FAA diesen Scheiß durchgehen lässt."

Boeing erklärte, man habe die internen Mitteilungen - insgesamt mehr als 100 Seiten - in einer Transparenz-Offensive gegenüber der FAA und dem Kongress offengelegt. Zuvor hatte die "New York Times" bereits aus den Dokumenten zitiert. Die Aussagen darin "spiegeln nicht das Unternehmen wider, das wir sind und das wir sein müssen, und sie sind völlig unakzeptabel", betonte der Flugzeugbauer.

Am Montag tritt der neue Boeing-Chef Peter Calhoun sein Amt an. Vorgänger Dennis Muilenburg war mit seiner Taktik, das Problem kleinzureden und optimistische Prognosen zum baldigen Ende des Flugverbots abzugeben, mit der Behörde aneinandergeraten und wurde im Dezember gefeuert.

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