Mittwoch, 23. Oktober 2019

737-Max-Krise lässt Gewinn einbrechen Boeing streicht seine Jahresziele

Produktion der 737 Max im Boeing-Werk Renton, US-Staat Washington
Lindsey Wasson / Reuters
Produktion der 737 Max im Boeing-Werk Renton, US-Staat Washington

Der weltgrößte Flugzeugbauer Boeing verabschiedet sich wegen der Flugverbote für seinen Mittelstreckenjet 737 Max von seinen Jahreszielen. Da weiterhin unklar ist, wann und zu welchen Bedingungen der absatzstärkste Flugzeugtyp des US-Konzerns wieder abheben darf, will das Management eine neue Prognose erst zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgeben, wie der Airbus-Rivale am Mittwoch bei der Vorlage der Quartalszahlen in Chicago mitteilte. Zu den drohenden Kosten infolge zweier Abstürze und der folgenden Flugverbote machte Boeing zunächst keine Angaben. Bis Ende März seien bereits eine Milliarde Dollar aufgelaufen.

Im ersten Quartal musste der Flugzeugbauer daher einen Umsatz- und Gewinnrückgang hinnehmen. Weil Boeing Börsen-Chart zeigen infolge des zweiten Absturzes einer Maschine im März keine neuen Exemplare des Typs mehr ausliefern darf, fiel der Umsatz im Vorjahresvergleich um 2 Prozent auf 22,9 Milliarden US-Dollar (20,4 Milliarden Euro). Der Überschuss sackte um 13 Prozent auf 2,15 Milliarden Dollar ab.

Immerhin übertraf der Umsatz die Erwartungen von Analysten, die im Schnitt mit einer Milliarde Dollar weniger gerechnet hatten. Der Rückgang bei den ausgelieferten 737 Max im ersten Quartal werde teilweise aufgefangen durch ein besseres Geschäft im Militär- und Servicebereich, teilte Boeing mit. Außerdem würden Fortschritte auf dem Weg zu einer abschließenden Zertifizierung des Software-Updates für die 737 Max gemacht, erklärte das Unternehmen - und schürte so die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Flugverbote.

Boeing steht unter Druck, weil Maschinen des Typs 737 Max nach zwei Abstürzen weltweit Flugverbot haben. Dabei waren Zweifel an der sogenannten MCAS-Automatik aufgekommen, die einen Strömungsabriss verhindern soll. Diese Automatik soll nun ein Update erhalten. Noch ist jedoch unklar, ob die Probleme damit behoben sind und wie schnell sich die Behörden mit der Lösung zufrieden geben.

Boeing hatte ursprünglich angepeilt, in diesem Jahr 895 bis 905 Passagier- und Frachtflugzeuge auszuliefern. Der Umsatz sollte 109,5 bis 111,5 Milliarden Dollar erreichen. Für den Gewinn je Aktie hatte das Management 21,90 bis 22,10 Dollar im Auge. Wegen Schadenersatzforderungen von Fluggesellschaften und Angehörigen der bei den Abstürzen getöteten Passagiere drohen Boeing aber nun hohe Belastungen.

ak/dpa-afx/reuters

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