Sonntag, 21. April 2019

Ethiopian-Piloten haben alles richtig gemacht Offizieller Bericht erhöht Druck auf Boeing

Boeing 737 Max
Stephen Brashear / Getty Images / AFP
Boeing 737 Max

Knapp vier Wochen nach dem Absturz der Boeing 737 Max von Ethiopian Airlines liegt ein Untersuchungsbericht vor. Die Piloten sollen alle Boeing-Vorschriften eingehalten haben. Auch wenn der Bericht die konkrete Absturzursache offenlässt, gerät Boeing damit verstärkt unter Druck.

Jetzt ist es offiziell: Die Piloten der Ethiopian Airlines haben den Absturz der Boeing 737 Max mit großer Sicherheit nicht zu verantworten. Denn die Besatzung hat alle vom Hersteller vorgesehenen Notfallmaßnahmen befolgt, konnte das Flugzeug aber nicht unter Kontrolle bringen. Dies ergab der vorläufige Untersuchungsbericht zu dem Unglück vom 10. März, sagte die äthiopische Transportministerin Dagmawit Moges am Donnerstag in Addis Abeba.

Am Mittwoch hatte bereits das "Wall Street Journal" (WSJ) über das Ergebnis des vorläufigen Untersuchungsberichts berichtet. Bei dem Absturz der Maschine der Ethiopian Airlines waren alle 157 Menschen an Bord ums Leben gekommen.

Der Bericht verzichtet auf eine direkte Schuldzuweisung. Die Ermittler hätten aber Anzeichen dafür gefunden, dass die Nase der Maschine nach unten gedrückt wurde, sagte Dagmawit. Man empfehle dem Hersteller dringend, die Steuerungssoftware des Systems MCAS zu überprüfen, bevor auch nur eine Maschine dieses Typs wieder aufsteige. Auch sollten Luftfahrtbehörden dieses System untersuchen.

Das MCAS-System sorgt für ein automatisches Absenken der Flugzeugnase bei Strömungsabriss. Boeing hatte nach dem Absturz in Indonesien eine Anleitung herausgegeben, wie die Software abgestellt wird.

Das Wall Street Journal hatte zuvor berichtet, dass die Piloten die Stromzufuhr zu den Elektromotoren unterbrochen hätten, die von der Automatik angesteuert werden. Dies habe aber nicht geholfen, um die in noch geringer Höhe fliegende Maschine wieder in den Steigflug zu bringen. Daraufhin hätten sie die Elektrik wieder eingeschaltet - und damit auch die Steuerungssoftware MCAS. Dieses habe das Flugzeug weiter Richtung Erde gesteuert, bis es zum tödlichen Aufprall kam.

Bericht stellt Erkenntnisse von Boeing und US-Luftfahrbehörde in Frage

Der Bericht stellt damit Erkenntnisse des US-Flugzeugbauers Boeing und der US-Luftfahrtbehörde FAA in Frage, nach der die Piloten das MCAS hätten abstellen können, wenn die Software die Nase des Flugzeugs wegen eines irrtümlich befürchteten Strömungsabrisses permanent nach unten lenkt.

Der Absturz unweit von Addis Abeba hat den US-amerikanischen Flugzeughersteller Boeing und die US-Luftfahrtbehörde FAA stark unter Druck gebracht. Im Fokus steht vor allem die besagte und umstrittene Steuerungssoftware MCAS, die bereits beim Crash einer baugleichen Boeing in Indonesien als eine mögliche Ursache gilt, bei dem Ende Oktober 189 Menschen starben.

Nicht nur Boeing, auch die FAA steht nach den beiden Abstürzen massiv in der Kritik. Die Behörde wird verdächtigt, bei der Zertifizierung der 737 Max ein Auge zugedrückt zu haben, wichtige Teile der Sicherheitsprüfungen wurden dem Konzern selbst überlassen.

rei/dpa/reuters

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