Sonntag, 31. Mai 2020

Boeing-Chef geht nach Abstürzen und einem Verdacht in die Offensive "Wir wissen, dass Leben von unserer Arbeit abhängt"

Boeing-Chef Dennis Muilenburg

Es geht um Schadensbegrenzung, soweit das nach zwei Abstürzen von Maschinen des Typs Boeing 737 Max mit Hunderten Toten überhaupt möglich ist. Und es geht um den Ruf des Flugzeugbauers, denn ein Verdacht steht im Raum. Also geht Boeing-Chef Dennis Muilenburg in die Offensive.

Nach dem jüngsten Absturz eines Flugzeugs vom Typ Boeing 737 Max 8 hat sich Boeing-Chef Dennis Muilenburg um Schadensbegrenzung bemüht. In einer Video-Botschaft versicherte er Kunden und Passagieren am Montag, sein Unternehmen sei der Sicherheit verpflichtet.

Nach dem Absturz zweier Boeing-Maschinen vom Typ 737 Max hat sich Konzernchef Dennis Mullenberg an Fluggäste und Airlines gewandt. Das Unternehmen verstehe, dass Leben von der Arbeit abhingen, die bei Boeing verrichtet werde, schrieb Mullenberg in einem vom US-Konzern am Montag veröffentlichten Brief.

Aufgrund der Daten, die nach den beiden Abstürzen verfügbar seien, ergreife Boeing Maßnahmen, um die Sicherheit der 737 MAX absolut zu gewährleisten. Boeing kooperiere mit der US-Flugaufsicht, dem Verkehrsministerium und der Behörde für Verkehrssicherheit in allen Aspekten der Abstürze beider Maschinen. "Wir verstehen und bedauern auch die Schwierigkeiten, die unsere Kunden und Fluggäste dadurch haben, dass die Maschinen am Boden bleiben", schrieb der Boeing-Chef zudem.

Bei den Abstürzen in Indonesien im Oktober und in Äthiopien vor rund einer Woche starben insgesamt 346 Menschen. Experten schließen nicht aus, dass eine Kontrollsoftware in den Maschinen ursächlich für die Abstürze waren. Dabei geht es vor allem um des Stabilisierungssystems MCAS. Es soll bei zu steilem Flugwinkel einen Strömungsabriss verhindern, indem es automatisch die Nase der Maschine absenkt.

Einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge untersucht das US-Verkehrsministerium, ob die FAA bei der Zulassung von MCAS Fehler gemacht hat. Damit steht nicht nur der gute Ruf der US-Flugaufsichtsbehörde auf dem Spiel, sondern auch der von Boeing.


Lesen Sie auch: Zu viel Automatik an Bord - oder doch eher zu wenig?


Denn es steht zugleich der Verdacht im Raum, dass der Flugzeughersteller, die Erlaubnis FFA, seit 2005 eigene Mitarbeiter bestimmen zu können, um beim Zulassungsprozess mitzuwirken, weidlich ausgenutzt haben könnte. Weil Boeing angesichts des A320 neo von Airbus unter Zeitdruck stand, sei darauf gedrängt worden, mehr sicherheitsrelevante Aufgaben im Rahmen der Zertifizierung vom FAA-Personal auf Boeing-Mitarbeiter zu delegieren, hieß es unter anderem im "WSJ". Dennis Muilenburg äußerte sich zu diesen Berichten bislang nicht.

Experten stellen zudem in Frage, ob Piloten ausreichend für das System geschult wurden. Boeing hat seinen Kunden empfohlen, die rund 350 betriebenen Maschinen vorerst am Boden zu lassen. Zuvor hatten nationale Behörden weltweit Startverbote für das Modell verhängt, das erst seit 2017 als Konkurrent für den Airbus A320 neo am Markt ist.

rei mit Reuters

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung