Mittwoch, 13. November 2019

Konzernchef trägt Konsequenzen Boeing-CEO Muilenburg verzichtet auf Millionen-Boni

Vorläufig keine Boni: Boeing-Chef Dennis Muilenburg

Überraschender Sinneswandel bei Boeing-Chef Dennis Muilenburg: Noch vor wenigen Tagen bei einer Anhörung vor dem US-Kongress waren persönliche finanzielle Konsequenzen aus dem 737-Max-Desaster seines Unternehmens für den Manager kein Thema. Jetzt will Muilenburg offenbar doch auf Bezüge verzichten - und zwar in erheblichem Ausmaß.

Der Boeing-CEO habe ihn am Wochenende angerufen und vorgeschlagen, auf Boni sowie Aktienanteile für das laufende Jahr zu verzichten, sagte Dave Calhoun, Aufsichtsratschef des Flugzeugbauers, in einem Interview mit dem US-Sender CNBC. Damit entfallen für Muilenburg die größten Teile seiner Bezüge: Nach Angaben des US-Senders CNN erhielt er für 2018 eine Gesamtvergütung von 23,4 Millionen Dollar (21,1 Millionen Euro). 20,4 Millionen Dollar davon entfielen auf Aktien und Boni, so CNN.

Damit nicht genug: Wie Boeing-Chefaufseher Calhoun weiter sagte, wird sich Muilenburgs Verzicht auf die gesamte Zeit erstrecken, die der Unglücksflieger 737 Max weiterhin nicht am Flugbetrieb teilnehmen kann. Unter anderem müssten zunächst 400 neue 737-Max-Maschinen ausgeliefert werden, die Boeing während des derzeit laufenden "Groundings" der Flieger gebaut habe, so CNN. Mit der Auslieferung dieser Maschinen ist dem Bericht zufolge nach derzeitigem Stand kaum vor dem Jahr 2021 zu rechnen.

Hintergrund von Muilenburgs Gehaltsverzicht ist die erhebliche Kritik, der sich Boeing seit den Abstürzen zweier Maschinen des Typs 737 Max im Herbst 2018 sowie im Frühling dieses Jahres ausgesetzt sieht. Die Abstürze, bei denen insgesamt 346 Menschen ums Leben kamen, waren offenbar auf eine fehlerhafte Steuerungs-Software in den Boeing-Fliegern zurückzuführen. Seit März 2019 sind die 737-Max-Flugzeuge daher weltweit vom Flugbetrieb ausgenommen ("Grounding"). Sie dürfen erst wieder fliegen, wenn Boeing das Software-Problem behoben hat.


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Für den Flugzeugbauer sowie zahlreiche Airlines weltweit bedeutet das Kosten in Milliardenhöhe. Boeing steht CNN zufolge vor Entschädigungszahlungen an seine Kunden in Höhe von fünf Milliarden Dollar. Zudem werde gegenwärtig an einer Einigung mit den Angehörigen der Unglücksopfer gearbeitet.

Zum Showdown kam es vergangene Woche, als Boeing-Chef Muilenburg vor dem US-Kongress zu den Vorgängen befragt wurde. Bei der Anhörung wurden von Muilenburg auch persönliche finanzielle Konsequenzen gefordert. "Sie sagen, Sie seien verantwortlich", zitiert CNN einen Abgeordneten aus dem US-Bundesstaat Tennessee. "Verzichten Sie auf Vergütung? Arbeiten Sie ohne Bezahlung, bis Sie dieses Problem gelöst haben?"

Christoph Rottwilm auf Twitter

Es gehe ihm bei der Angelegenheit nicht um Geld, antwortete Muilenburg. Das sieht der Boeing-CEO inzwischen offenbar anders.

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