Samstag, 14. Dezember 2019

Airbus-Chef sieht wenig Probleme bei Boeing Boeing-Absturz beschädigt vor allem US-Luftfahrtbehörde FAA

Boeing 737 Max: "Schwerer Schaden für die Luftfahrtbehörde FAA"

Der scheidende Airbus-Chef Tom Enders erwartet infolge der Abstürze von zwei Boeing-737-Max-Jets weniger Probleme für den Flugzeugbauer selbst, sondern vor allem einen schweren Imageschaden für die US-Luftfahrtbehörde FAA. "Ich gehe davon aus, dass Boeing das Problem in absehbarer Zeit in den Griff bekommt", sagte der langjährige Chef des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns. Boeing sei ein starkes Unternehmen. Die beschädigte Reputation der FAA sei aber "nicht so leicht zu reparieren". Früher habe die US-Behörde in der Branche eine Führungsrolle gehabt.

Enders hält es für möglich, dass sich andere Behörden wie die europäische Luftfahrtaufsicht EASA künftig nicht mehr so stark auf die Amerikaner verlassen werden. "Das kann zu Verzögerungen bei der Zulassung führen." Die FAA hatte die Boeing 737 Max als spritsparende Neuauflage des Boeing-Mittelstreckenjets 737 zugelassen. Nachdem zwei Maschinen des Typs auf ähnliche Weise abgestürzt waren und die neuartige Boeing-Software als mögliche Ursache in Verdacht geriet, sprachen die Amerikaner erst ein Flugverbot für den Typ aus, nachdem bereits viele andere ausländischen Behörden dies getan hatten. Inzwischen müssen hunderte Maschinen der Baureihe weltweit am Boden bleiben.

Schadenfreude gegenüber dem Erzrivalen aus den USA will bei Enders nicht aufkommen. "Das führt immer zu einer Verunsicherung in der ganzen Branche." Auch will er nicht mit dem Finger auf den Rivalen zeigen: "Ich bin niemand, der sagt: Das kann uns nicht passieren."

Die Schuldfrage: Was wir über den Fall Boeing 737 Max wissen

Boeing hatte die Neuauflage seiner ursprünglich aus den 1960er Jahren stammenden 737 erst entwickelt, als Airbus mit der Modernisierung seines Konkurrenzmodells unter dem Namen A320neo binnen kurzer Zeit eine Flut von Bestellungen eingesammelt hatte. Boeing drohte wichtige Airlines als Kunden zu verlieren.

Die für die Spritersparnis verantwortlichen riesigen Triebwerke passten bei der 737 allerdings nicht unter die niedrig hängenden Tragflächen, weswegen sie bei der 737 Max sehr weit vorn angebracht sind. Dies veränderte das Flugverhalten der Maschine, was Boeing mit einer Software-Steuerung ausgleichen wollte. Dieses Software-System könnte für die beiden Abstürze bei Lion Air und Ethiopian Airlines mitverantwortlich sein.

la/dpa-afx

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