Samstag, 30. Mai 2020

Nach zwei Abstürzen US-Regierung überprüft Zulassung der Boeing 737 Max

Boeings Crash-Modell: Diese Airlines setzen die 737 Max ein
REUTERS

Die US-Regierung beschäftigt sich bereits seit dem ersten Absturz einer Boeing 737 Max im vergangenen Oktober mit der Zulassung des neuen Modells durch die US-Flugaufsicht FAA. Das Verkehrsministerium untersuche dabei die Frage, ob die FAA geeignete Standards und Analysen bei der Zulassung des neuen Kontrollsystems MCAS genutzt habe, berichtete das "Wall Street Journal" am Sonntag. Die FAA war zuvor in die Offensive gegangen und hatte betont, die Zulassung des Flugzeugtyps sei nach bewährtem "Standardverfahren" erfolgt.

Die Behörden prüfen, ob das System ursächlich war für den Absturz einer 737 Max im Oktober in Indonesien. Dabei waren 189 Menschen getötet worden. Vor einer Woche war eine zweite Maschine des Typs in Äthiopien abgestürzt. Hier starben 157 Menschen. Boeing hat inzwischen empfohlen, alle Maschinen des Typs vorsorglich am Boden zu halten.

Die Untersuchung des US-Verkehrsministeriums habe bereits nach dem Absturz der Lion-Air-Maschine begonnen, schrieb das "Wall Street Journal". Zwei Standorte der FAA seien bereits aufgefordert worden, entsprechende Dateien zu sichern. Das Ministerium wolle wissen, ob die Behörde die richtigen Verfahren zur Prüfung der MCAS-Software angewandt habe.

MCAS soll verhindern, dass der Schub der Triebwerke im Steigflug derart stark wird, dass sich die Maschine nicht mehr gerade ausrichten lässt. Beide Unglücksmaschinen waren nach dem Start mit äußerst unregelmäßiger Flugkurve und -geschwindigkeit aufgestiegen, sanken anschließend unkontrolliert ab und schlugen steil auf dem Boden auf.

Flugschreiber-Daten der Boeing-Unglücksmaschinen ähneln sich

Einer ersten Analyse zufolge gibt es zwischen den Flugschreiber-Daten der abgestürzten Ethiopian-Airlines-Maschine und denen des verunglückten indonesischen Lion-Air-Passagierflugzeugs deutliche Ähnlichkeiten. Die Blackbox-Informationen seien erfolgreich wiederhergestellt worden, hatte ein Sprecher des äthiopischen Verkehrsministeriums am Sonntag erklärt. Mehr Angaben dürften in den nächsten drei bis vier Tagen folgen. Bislang gebe es klare Ähnlichkeiten bei beiden Abstürzen. Ein vorläufiger Untersuchungsbericht soll in 30 Tagen veröffentlicht werden.

Französische Experten sollen die Ursache des Absturzes der Boeing 737 Max in Äthiopien herausfinden. Der Stimmenrekorder und der Flugdatenschreiber waren am Donnerstag der französischen Behörde zur Aufklärung von Flugunfällen BEA ausgehändigt worden.

Boeing hatte in der vergangenen Woche angekündigt, die Software binnen weniger Tage zu aktualisieren. Am Sonntag teilte der Flugzeugbauer mit, das Update sei in der Schlussphase. Die Überarbeitung der Software hatte den Angaben zufolge bereits vor dem jüngsten Unglück begonnen.

Seit dem Absturz in Äthiopien sind weltweit Flugverbote für die Boeing-Maschinen des Typs 737 MAX erlassen worden, darunter auch in den USA. Der US-Flugzeugbauer liefert die Maschinen vorerst mehr aus.

rei/dpa/Reuters/afp

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