Ärger mit der Flugaufsicht 737-Max-Enthüllungen lassen Boeing-Aktie einbrechen

Problemmaschinen von Boeing: Die 737 Max ist in Folge zweier Abstürze weltweit vom Flugverkehr ausgeschlossen.

Problemmaschinen von Boeing: Die 737 Max ist in Folge zweier Abstürze weltweit vom Flugverkehr ausgeschlossen.

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Neue Informationen, die im Zusammenhang mit dem Unglücksflieger 737 Max aufgetaucht sind, machen dem US-Flugzeugbauer Boeing  auch am Montag weiter zu schaffen. Die Aktien des Unternehmens verloren an der US-Börse im frühen Handel 4 Prozent. Schon am Freitag, als die Informationen erstmals aufkamen, war der Aktienkurs um 6 Prozent gesunken.

Wie am Freitag bekannt wurde, waren die Probleme bei der Boeing 737 Max dem Flugzeugbauer offenbar schon vor der Zulassung der Maschine intern bekannt: In am Freitag veröffentlichten Kurzbotschaften an einen Kollegen soll sich der technische Chefpilot der 737, Mark Forkner, 2016 über die "ungeheuerliche" Fehlleistung des speziell für die Boeing 737 Max entwickelten Stabilisierungssystem MCAS bei Simulator-Tests beschwert haben.

Forkner fügte hinzu, dass er unwissentlich gegenüber der Flugaufsichtsbehörde (FAA) gelogen habe. Sein Kollege schlug vor, die Anweisungen im Handbuch der Piloten entsprechend zu ändern.

Das Stabilisierungssystem MCAS soll hauptverantwortlich für zwei Abstürze von 737-Max-Maschinen sein, bei denen im Oktober 2018 in Indonesien und im März dieses Jahres in Äthiopien insgesamt 346 Menschen ums Leben gekommen waren. Die Abstürze sowie die Zulassung des Flugzeugtyps durch die FAA sind seitdem Gegenstand mehrerer Untersuchungen in den USA, darunter durch das Justizministeriums und den Kongress. Maschinen des Typs Boeing 737 Max wurden in diesem Zusammenhang weltweit aus dem Flugverkehr genommen, sie fliegen nicht, bis die Unglücke aufgeklärt und die Probleme mit der Steuerung vollständig beseitigt sind.

Heftige Kritik von der Flugaufsicht

Die Flugaufsicht warf Boeing am Freitag vor, die internen Chat-Botschaften zwischen den Piloten schon vor Monaten entdeckt, sie aber erst am Donnerstag dem Verkehrsministerium übergeben zu haben. Sie sei über das Verhalten "enttäuscht", so die Behörde in Richtung des Konzerns. Den Inhalt der Botschaften bezeichnete FAA-Chef Steve Dickson in einem Schreiben an Boeing-Chef Dennis Muilenburg als "beunruhigend". Gleichzeitig forderte er von Muilenburg eine "sofortige Erklärung" für die späte Offenlegung der Informationen.

Ein Sprecher des Flugzeugbauers erklärte, die Dokumente seien am Freitag den mit den Untersuchungen befassten Kongressausschüssen übermittelt worden. Boeing kooperiere mit allen Ermittlungen und folge den Anweisungen der FAA und anderen Flugaufsichtsbehörden, damit das weltweite Flugverbot für die 373 Max wieder aufgehoben werden könne.

Am Aktienmarkt schwindet jedoch offenbar zusehends das Vertrauen in den US-Flugzeugbauer. Die Kursverluste sind nicht das einzige Anzeichen dafür. Vielmehr senken inzwischen auch Analysten den Daumen über dem Unternehmen. Die Analysten der Schweizer Banken UBS und Credit Suisse etwa stuften die Papiere angesichts der jüngsten Entwicklung herab. Auf das Unternehmen kommen wegen der Probleme mit den 737-Max-Maschinen nach Einschätzung von Experten möglicherweise weitere Milliardenbelastungen zu.

cr/afp/dpa-afx
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