Mittwoch, 19. Juni 2019

Problemflieger Boeing 737 Max Auch Kanada sperrt Luftraum für Boeing 737 Max

Boeing 737 Max 8

16 Uhr: Nach zahlreichen europäischen und asiatischen Ländern hat auch Kanada den Luftraum für den Boeing 737 Max gesperrt. Somit zählen nur noch die USA und Japan zu den größeren Flugzeug-Nationen, die den Problemflieger weiterhin fliegen lassen. Die Aktie von Boeing dreht daraufhin erneut ins Minus.

13.00 Uhr: Die Aktien des Boeing-Konkurrenten Airbus Börsen-Chart zeigen haben ihre Rekordrally am Mittwoch mit einem neuen Höchststand von 116,20 Euro fortgesetzt. Seit Anfang des Jahres klar wurde, dass der Flugzeugbauer dank des guten Schlussquartals das Auslieferungsziel für das Jahr 2018 doch noch erreicht hat, kennt die Aktie praktisch nur den Weg nach oben. Der Kursanstieg im noch jungen Jahr 2019 beträgt knapp 40 Prozent. Zuletzt sorgte das Unglück des Wettbewerbers Boeing für weiteren Auftrieb. Der erneute Absturz einer 737 MAX 8 sei für das Image des US-Konzerns ein Supergau, schrieb NordLB-Analyst Wolfgang Donie. Inzwischen wurde ein weitgehendes Flugverbot für das Mittelstreckenflugzeug verhängt. Die Belastungen für Boeing sind laut Donie momentan "nicht seriös abschätzbar". Zudem bestellte die Lufthansa Börsen-Chart zeigen laut Angaben vom Mittwoch nun 20 Maschinen des Typs Airbus A350-900. Aber auch 20 Maschinen des Typs Boeing 787-9 sind auf der Bestellliste des Konzerns.

12.00 Uhr: Die Boeing 737 hob erstmals 1967 ab und ist das meistverkaufte Passagierflugzeug der Welt. Die 737 MAX ist die vierte und damit jüngste Generation. Es verkaufe sich so schnell wie keine andere Boeing-Maschine, heißt es auf der Webseite des US-Konzerns. Bis Ende Februar 2019 zählte er mehr als 5012 Bestellungen von über 100 Kunden. Es gibt insgesamt vier Varianten dieses Modells - MAX 7, MAX 8, MAX 9, MAX 10 - die sich vor allem in der Rumpflänge und der Sitzkapazität unterscheiden. Maschinen des Typs MAX 8 (maximal 210 Sitze) und MAX 9 (maximal 220 Sitze) fliegen schon. Die kleinere MAX 7 (bis zu 172 Sitze) soll ab diesem Jahr in Betrieb gehen, die größere MAX 10 (bis zu 230 Sitzen) ab dem Jahr 2020. Die 737 MAX ist ein mittelgroßes Flugzeug mit einem schmalen Rumpf, das heißt, es gibt nur einen Gang in der Mitte der Sitzreihen. Die Flugzeuge sind mit neuen Triebwerken ausgerüstet, die weniger Sprit verbrauchen - in Zeiten steigender Kerosinpreise ein Verkaufsargument für Fluglinien. Das direkte Konkurrenzmodell beim Rivalen Airbus ist der A320neo mit 4154 Bestellungen bis Ende Februar. Während die Airbus-Maschinen vor allem in Europa und Afrika beliebt sind, setzten viele Fluglinien in Asien und den USA auf die 737 MAX.

11.30 Uhr: Der US-Flugzeugbauer Boeing Börsen-Chart zeigen sieht sich nach dem Absturz einer Maschine von Ethiopian Airlines mit einer ersten Schadenersatzforderung konfrontiert. Als erste Airline fordert Norwegian Air Shuttle von Boeing Schadenersatz wegen des Flugverbots für das Modell 737 MAX nach dem Absturz einer solchen Maschine in Äthiopien. "Wir erwarten von Boeing, diese Rechnung zu übernehmen", erklärte der Billigflieger am Mittwoch in Oslo. Die Behörden in Europa untersagten am Dienstag den Einsatz der 737 MAX wegen Zweifeln an der Sicherheit, nachdem ein solches Flugzeug am Sonntag zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres kurz nach dem Abflug abgestürzt war.

11.00 Uhr: Die Aktie von Boeing Börsen-Chart zeigen gibt am Mittwoch weiter nach. Am Vorabend hatte das Papier, das vor einer Woche noch bei 430 Dollar notierte, bis auf 375 Dollar nachgegeben. Die Verluste der vergangenen vier Handelstage betragen mehr als 12 Prozent. In Folge der Abstürze der beiden Maschinen hat der Boeing Konzern binnen weniger Tage mehr als 20 Milliarden Dollar an Börsenwert verloren.

Boeings Katastrophen-Jet: Die wichtigsten Fragen und Antworten

10.30 Uhr: In Branchenkreisen hieß es, auf Boeing kämen nach dem Absturz der Maschine von Ethiopian Airlines hohe Schadenersatzforderungen zu. Der Boeing-Konzern und die US-Luftfahrtbehörde FAA betonen bisher, das Flugzeug sei sicher. Die Aufsicht ist im Fall des ersten Absturzes einer 737 MAX in Indonesien im Oktober noch nicht zu einem abschließenden Ergebnis über die Unglücksursache gekommen. Nach Ansicht der FAA gibt es keine Verbindung zwischen den beiden Abstürzen. Untersuchungen zu der Katastrophe in Äthiopien hätten keine systematischen Leistungsmängel ergeben, auf deren Grundlage ein Startverbot erteilt werden müsste, erklärte FAA-Vertreter Dan Elwell. Boeing-Chef Dennis Muilenberg habe US-Präsident Donald Trump am Telefon gesagt, das Flugzeug sei sicher, erklärten zwei Insider mit Kenntnis des Gesprächs.

USA und Japan lassen Boeing 737 Max weiterhin fliegen

10.00 Uhr: Von den großen Luftfahrtländern ließen zuletzt nur die USA und Japan Boeing-Maschinen dieses Typs weiter abheben. Auf den Flugzeugbauer und die US-Flugsicherung wächst aber der Druck, zu handeln. Die drei großen US-Fluglinien Southwest Airlines, American Airlines und United Airlines bekräftigten, sie hätten Vertrauen in ihre Boeing-Flotten. Nach ihren Flugdaten sei das Flugzeug sicher. Ethiopian-Chef Gebremariam forderte in einem BBC-Gespräch Boeing auf, alle gut 370 ausgelieferten 737 MAX aus dem Verkehr zu ziehen. Die Gewerkschaft der Flugbegleiter bei American Airlines, APFA, forderten die Fluggesellschaft unterdessen auf, das Jet-Modell während der noch laufenden Untersuchung nicht einzusetzen. Das Personal könne nicht gezwungen werden, damit zu fliegen, wenn es sich nicht sicher fühlen könne. Mehrere US-Senatoren, darunter der Vorsitzende des Unterausschusses für Luft- und Raumfahrt im Kongress Ted Cruz, drängen ebenfalls zum Flugverbot.

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Bild: REUTERS

9.30 Uhr: Reisende an deutschen Flughäfen haben wegen des weitgehenden Flugverbots der Maschinen Boeing 737 Max 8 und Boeing 737 Max 9 bisher kaum mit Einschränkungen zu rechnen. In Frankfurt am Main sind am Mittwoch von dem Flugverbot lediglich zwei Flüge betroffen. Dabei handelt es sich um einen Flug nach Warschau, wie ein Flughafensprecher am Mittwoch sagte. Die betroffene Maschine werde durch einen anderen Flieger ersetzt. Außerdem sei ein Charterflug nach Mazedonien gestrichen worden. Die Passagiere würden auf andere Flüge umgebucht. An den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld gibt es nach Angaben der Flughafensprecher keine Beeinträchtigungen. Das Gleiche gilt für die Flughäfen Köln/Bonn in Nordrhein-Westfalen, Hannover in Niedersachsen, Leipzig/Halle und Dresden in Sachsen sowie für Hamburg. Auch auf den Betrieb an den Flughäfen München und Nürnberg gab es keine Auswirkungen. Nach dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 in Äthiopien wurden rund um den Globus Flugverbote für den relativ neuen Flugzeugtyp erteilt.

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Bild: DPA

9 Uhr: Die Flugschreiber der in Äthiopien abgestürzten Boeing-Passagiermaschine müssen offenbar im Ausland untersucht werden. Es gebe nicht die erforderliche technische Ausrüstung, um die Daten in Äthiopien auszulesen, sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines am Mittwoch. "Es könnte sein, dass sie ins Ausland geschickt werden." Zuvor hatte bereits Airline-Chef Tewolde GebreMariam dem US-Sender CNN gesagt, infrage kämen möglicherweise die USA oder ein "näher gelegenes Land in Europa" für eine möglichst schnelle Untersuchung. Eine Ethiopian-Airlines-Maschine war am Sonntagmorgen kurz nach dem Start von Addis Abeba Richtung Nairobi abgestürzt. Alle 149 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Der Pilot hatte nach Angaben der Fluggesellschaft Probleme gemeldet und um die Erlaubnis gebeten, kehrt zu machen. Kurze Zeit später zerschellte die Maschine. Die Blackboxes, also Flugdatenschreiber und Stimmenrekorder, wurden am Montag gefunden. Es war bereits das zweite Unglück innerhalb eines halben Jahres mit dem Flugzeugtyp. Im Oktober war eine Boeing 737 MAX 8 der indonesischen Fluggesellschaft Lion Air kurz nach dem Start verunglückt.

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