Dienstag, 23. April 2019

Dramatische Szenen im Cockpit Einen Tag vor Katastrophe - Pilot rettet Boeing 737 Max 8 vor Absturz

Cockpit einer Boeing 737 MAX 8

Dramatische Szenen im Cockpit einer Boeing 737 Max 8: Piloten kämpfen dagegen an, dass sich die Nase des Fliegers senkt und die Maschine abstürzt. Ein zufällig als Gast mitreisender Pilot verhindert offenbar die Katastrophe. Einen Tag später stürzt dieselbe Maschine mit anderer Besatzung über Indonesien ab. Der Vorfall rückt das automatische Trimmsystem des Flugzeugtyps verstärkt in den Fokus. Er wirft aber auch Fragen zu den Piloten auf.

Dieselbe Boeing 787 Max 8, die am 29. Oktober vergangenen Jahres mit 189 Passagieren an Bord in die Java-See stürzte, war offenbar einen Tag zuvor knapp einer Katastrophe entkommen. Nur dem Eingreifen eines als Gast zufällig mitfliegenden Piloten sei es zu verdanken, dass die Maschine nicht abstürzte, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf zwei mit der Untersuchung vertraute Personen.

Der Pilot habe dem Bericht zufolge der Crew von Lion Air bei einem Software-Problem geholfen, das für den Absturz der Maschine verantwortlich sein soll. Er sei ins Cockpit der Lion Air-Maschine geeilt und habe den hilflosen Piloten dann erklärt, wie das Flugsteuerungssystem deaktiviert und die Maschine wieder in eine sichere Flugposition gebracht werden könne.

Am folgenden Tag dann stürzte dieselbe Boeing 737 Max 8 mit einer anderen Besatzung nur wenige Minuten nach dem Start ab.

Auf dem damaligen Flug von Bali nach Jakarta soll der Gastpilot die Crew aufgefordert haben, die Stromzufuhr zum Motor des Trimmsystems zu unterbrechen, um das Problem zu entschärfen. Dies sei ein Teil einer Anweisung, die alle Piloten auswendig lernen müssten. Der Vorfall, wenn er sich so ereignet hat, wirft allerdings Fragen auf: Nämlich, warum es einzelnen Piloten offenbar gelingt, das Trimmsystem einer Boeing 737 Max außer Kraft zu setzen, während andere offensichtlich die Kontrolle über ihre Flugzeug verloren.

Unglücksmaschine von Indonesien hätte schon mehrfach Probleme gehabt

Über den Vorfall und die Anwesenheit eines dritten Piloten hatte nichts im Bericht des Ausschusses für Nationale Verkehrssicherheit (NTSC) in Indonesien gestanden. Bloomberg zitiert einen Lion-Air-Sprecher mit den Worten: "Alle Daten und Informationen, die wir über den Flug und das Flugzeug haben, wurden dem indonesischen NTSC übermittelt." Wegen der laufenden Untersuchung des Unglücks in Äthiopien wolle die Gesellschaft sich nicht weiter dazu äußern.


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Laut Bloomberg soll dem NTSC-Bericht zufolge das in Indonesien abgestürzte Flugzeug zuvor schon mehrfach Probleme gehabt haben. Der Flugzeugbauer Boeing als auch der Ausschuss wollten Fragen von Bloomberg zu dem Fall nicht beantworten.

Zwar liegt noch keine endgültige Gewissheit über die Absturzursache des in Indonesien abgestürzten Flugs Lion Air 610 vor. Doch gab es zuletzt Hinweise darauf, dass die Piloten vergeblich gegen das automatische Trimmsystem MCAS ankämpften, das die Nase des Flugzeugs nach unten drückte. Möglicherweise die gleichen Probleme könnten auch den Absturz einer Maschine des gleichen Typs am 10. März in Äthiopien verursacht haben.

Defektes Trimmsystem MCAS als zentrale Ursache für zwei Abstürze?

Die These, dass Fehler des MCAS-Systems für die Unfälle mit verantwortlich sein könnten, stützt auch ein am Mittwoch veröffentlichter Bericht des englischsprachigen Dienstes der Nachrichtenagentur Reuters. Bei dem Todesflug von Indonesien sollen die Piloten verzweifelt im Handbuch der Maschine geblättert haben, um Hinweise zu finden, wie die sich senkende Nase des Flugzeugs wieder nach oben ziehe ließe. Vergeblich, denn ganz offensichtlich wurden sie nicht fündig oder die Zeit dafür reichte nicht aus. Reuters bezieht sich in seinem Bericht auf Informanten, die die Auswertung des Cockpit-Recorders kennen sollen. Die Nachrichtenagentur selbst hatte keinen Zugriff auf die Aufzeichnung oder das Transkript.

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