Legales Kiffen Bob Marleys Erben wollen erste globale Cannabis-Marke schaffen

Die Legalisierung von Marihuana in mehreren US-Staaten erzeugt ein Milliardengeschäft - in dem aber noch kein professioneller Anbieter mit nennenswerten Marktanteilen auftritt. Die Erben von Kifferikone Bob Marley drängen zusammen mit einer Private-Equity-Firma in diese Lücke.
Genutzt wird die Marke schon: Marley-Porträt auf kalifornischem Hanfmarkt

Genutzt wird die Marke schon: Marley-Porträt auf kalifornischem Hanfmarkt

Foto: REUTERS

Hamburg - "Gras ist das Heilmittel der Nation." Dieses Zitat des 1981 verstorbenen Reggae-Musikers Bob Marley nutzt die New Yorker Firma Marley Natural für ihren Markenauftritt . Ab Ende 2015 will das Unternehmen "feine Cannabis-Produkte" wie Hanföle, Zubehör und natürlich das Kraut selbst vertreiben.

Zusammen mit Marleys Erben, die den Markenwert ihres Namens bereits mit allerlei Produkten wie Kaffee zu Geld machen, trat an diesem Dienstag im US-Fernsehen Brendan Kennedy von der Private-Equity-Firma Privateer auf. Laut einem Bericht von "Quartz"  verspricht der Finanzinvestor "die erste globale Cannabis-Marke" und vergleicht Marley Natural mit der Eismarke Ben & Jerry's.

Da das Bild des als passionierter Konsument der Droge bekannten Musikers ohnehin in der Kifferszene weltweit präsent ist, erscheint die Markenbildung logisch. Und auch das Timing stimmt.

Anfang November stimmten die Wähler in drei weiteren US-Staaten für die gesetzliche Freigabe von Marihuana. Etwa die Hälfte der Staaten erlaubt die Substanz zu medizinischen Zwecken. Und in Colorado, wo sie seit Jahresanfang bereits als Genussmittel erlaubt ist, boomt das Geschäft der Hanf-Startups rund um die "Green Mile" der Metropole Denver. Manche wie die Beratungsfirma Greenwave gehen davon aus, dass über kurz oder lang auch das bundesweite Verbot fällt - und dann bis 2020 ein 35-Milliarden-Dollar-Markt entsteht, allein in den USA (PDF) .

Warum es noch kein Marlboro des Marihuana gibt

Die "New York Times"  ebenso wie der "Economist"  diskutieren in dieser Woche, warum es noch kein "Marlboro des Marihuana" gibt. In Colorado entstehen zwar Ladenketten, doch keine Firma erreicht mehr als 7 Prozent Marktanteil.

Dafür sorgen vor allem regulatorische Hürden wie die Pflicht zum Eigenanbau eines gewissen Anteils des verkauften Stoffs mit gleichzeitigen Obergrenzen. In Uruguay, das als erster Staat der Welt die völlige Freigabe beschlossen hat, sieht das Gesetz die staatliche Kontrolle über den Anbau oder die Beschränkung auf private Raucherclubs vor.

In den USA müssen sich legale Hanf-Firmen bislang auf den engen Rechtsrahmen der Einzelstaaten beschränken und dürfen nicht grenzübergreifend handeln. Das größte Hindernis für "Big Marijuana" bisher liegt darin, dass Banken sich aus Angst vor der Verletzung von Bundesgesetzen weigern, Geschäfte mit Cannabis-Unternehmern zu machen, wie "Slate" berichtet . Die Finanzämter in Colorado nehmen jetzt bergeweise Bargeld entgegen.

All das aber sind rechtliche Hürden, die nach Ansicht der meisten Beobachter auf Dauer nicht vor der betriebswirtschaftlichen Logik standhalten. Dann schlägt die Stunde von Marley Natural - oder, wie der "Economist" tippt, die der echten Marlboros: der etablierten Tabakkonzerne, die längst ebenfalls ihre Chancen auf dem Marihuana-Markt durchgerechnet haben und Alternativen zum Nikotin brauchen.