Montag, 22. Juli 2019

Kapital für den Kampf gegen Krebs Mainzer Biotech-Firma sammelt 325 Millionen Dollar ein

Biontech-Logo am Unternehmenssitz in Mainz

Das Mainzer Biotechunternehmen BioNTech hat in einer Finanzierungsrunde bei Investoren über 325 Millionen Dollar frisches Kapital eingesammelt. Mit den Mitteln will BioNTech seine Pipeline im Bereich der Krebsmedizin weiter ausbauen, wie die Gesellschaft am Dienstag mitteilte.

Zwei Drittel des Kapitals wurden von neuen Investoren beigesteuert, darunter MiraeAsset Financial Group, Platinum Asset Management, Jebsen Capital, Steam Athena Capital, BVCF Asset Management sowie einige private Family Offices. Nach Angaben von BioNTech handelt es sich um eine der der größten Einzelfinanzierungen eines privaten europäischen Biotechunternehmens.

Was das für einen möglichen Börsengang der Gesellschaft bedeutet, wollte eine Sprecherin nicht sagen. Sie erklärte lediglich, BioNTech wäge weiterhin verschiedene Finanzierungsoptionen ab. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte im März von mehreren mit der Sache vertrauten Personen erfahren, dass BioNTech die Bank of America und JP Morgan für einen Börsengang an der US-Technologiebörse Nasdaq mandatiert hat. Der Börsengang könnte bis zu 800 Millionen Dollar schwer sein und im Verlauf des vierten Quartals oder Anfang 2020 stattfinden. BioNTech könnte dabei mit rund vier Milliarden Dollar bewertet werden.

Branchenrekord - doch der Geldsegen erreicht nur wenige

Spekulationen über einen Börsengang des Unternehmens gibt es bereits seit längerem. Anfang 2018 hatte BioNTech in einer Finanzierungsrunde 270 Millionen Dollar von Investoren eingesammelt und war dabei mit 2,3 Milliarden Dollar bewertet worden. Das war laut einer Studie der Beratungsgesellschaft EY 2018 aufseiten der privaten Biotech-Unternehmen die bei weitem größte Finanzierungsrunde in Deutschland.

Der EY-Studie zufolge verbuchte die deutsche Biotech-Branche im vergangenen Jahr einen Rekord bei eingeworbenem Kapital, der Gesamtbetrag verdoppelte sich demnach auf gut 1,2 Milliarden Euro. Allerdings entfiel das Gros der Gelder auf wenige Firmen wie eben BioNTech oder Qiagen aus Hilden sowie Morphosys aus München, wie EY weiter schrieb. In den USA waren die Investitionen in Biotech-Firmen im Vergleich dazu mit 46,2 Milliarden Dollar (plus 34 Prozent) auf ein Allzeithoch geklettert. Biotech-Firmen tüfteln etwa mithilfe von Zellkulturen an komplizierten Wirksubstanzen. Das gilt als teuer und aufwendig.

Die 2008 gegründete Firma BioNTech hat seit Gründung laut Chief Business Officer Sean Marett über 1,4 Milliarden Dollar an Investorengeldern eingesammelt - laut "Bloomberg" ist dieser Betrag selbst im Vergleich mit den Vereinigten Staaten hoch.

BioNTech hat sich auf die Entwicklung von personalisierten Immuntherapien zur Behandlung von Krebs und Infektionskrankheiten spezialisiert. Zu den Partnern gehören Pharmariesen wie Pfizer und Sanofi. Der französische Arzneimittelhersteller hatte Anfang dieses Jahres seine Zusammenarbeit mit BioNTech ausgeweitet und war mit 80 Millionen Euro bei der rheinland-pfälzischen Firma eingestiegen. Wichtigste Kapitalgeber von BioNTech sind die Gebrüder Strüngmann, die den Generikahersteller Hexal an Novartis verkauft hatten und weiterhin der Hauptanteilseigner von BioNTech sind.

luk / reuters / dpa

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung