Donnerstag, 5. Dezember 2019

Bernhard Günther mit Säure übergossen Verdächtiger kommt nach Säure-Anschlag  auf Manager frei

Bernhard Günther: Nach dem Säure-Anschlag nahm der Finanzvorstand bald seine Arbeit wieder auf
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Bernhard Günther: Nach dem Säure-Anschlag nahm der Finanzvorstand bald seine Arbeit wieder auf

Nach dem Säureanschlag auf den Innogy -Vorstand Bernhard Günther vor gut anderthalb Jahren kommt ein Tatverdächtiger wieder auf freien Fuß. Das bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wuppertal. Günther sei am Freitagmittag über den Beschluss des Landgerichts Wuppertal informiert worden, sagte der Sprecher des Managers der dpa. Beim Landgericht war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Zunächst hatte die "Süddeutsche Zeitung" berichtet.

Laut dem Blatt wurde der Haftbefehl gegen den 32-jährigen Mann aufgehoben, weil ihm kein dringender Tatverdacht nachgewiesen werden könne. Zu einer mögliche Beschwerde gegen die Entscheidung wollte die Sprecherin der Anklagebehörde sich zunächst nicht äußern.

Der Innogy-Finanzchef war am 4. März 2018 nach dem Joggen in der Nähe seines Wohnhauses in Haan bei Düsseldorf von Vermummten überfallen und mit hochkonzentrierter Säure übergossen worden. Im Oktober dieses Jahres war in Köln der 32-Jährige festgenommen worden.

Strafverfolger werten Anschlag nicht als Mordversuch

Der Innogy-Manager Bernhard Günther sollte mit der Säureattacke vor anderthalb Jahren nicht - wie lange angenommen - umgebracht, sondern für immer gezeichnet werden. "Ziel des Anschlags war es, ihn zu entstellen", sagte eine Sprecherin der Wuppertaler Staatsanwaltschaft am Freitag. Die Strafverfolger werten den Anschlag nicht als Mordversuch - eine Einschätzung, die das Opfer des Anschlags nicht teilt. "Ich hätte sterben können", hatte Günther kürzlich in einem Interview gesagt. Günther erlitt schwerste Verletzungen und schwebte zeitweise in Lebensgefahr. Mit einem Hubschrauber war er in eine Spezialklinik gebracht worden.

Gab ein Konkurrent die Säure-Attacke in Auftrag?

Medienberichten zufolge soll ein Konkurrent Günthers die Säureattacke in Auftrag gegeben haben, um den 52 Jahre alten Finanzvorstand des Energieunternehmens aus dem Weg zu räumen und seinen Posten einzunehmen. Dazu äußerten sich die Ermittler weiterhin nicht. Sollte dies das Tatmotiv gewesen sein, schlug die Attacke fehl: Günther ist der einzige Vorstand, der nach der Übernahme der ehemaligen RWE-Tochter durch Eon im Amt blieb. Innogy hatte bis zu 80.000 Euro Belohnung für Hinweise auf die Täter ausgesetzt.

Günther nahm Arbeit bald nach dem Angriff wieder auf

Der Manager war im März 2019 - rund ein Jahr nach dem Angriff - bei einer Bilanzpressekonferenz erstmals wieder öffentlich aufgetreten. Die Folgen des brutalen Angriffs waren ihm dabei noch anzusehen. Er trug eine getönte Sonnenbrille und ein schwarzes Band um die Stirn. "Ich freue mich hier zu sein", hatte er gesagt. Das sei "vor einem Jahr alles andere als klar gewesen".

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Wenige Tage nach dem Überfall auf Günther war bekannt geworden, dass die RWE-Tochter Innogy zerschlagen und Teile vom Konkurrenten Eon übernommen werden sollten. Die Übernahmeofferte von Eon habe seine Rückkehr ins Arbeitsleben beschleunigt, hatte Günther gesagt.

la/dpa-afx

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