Berentzen-Chef trotzt Krisen am Bosporus Warum ein Schnapsbrenner jetzt ausgerechnet auf die Türkei setzt

Berentzen-Chef Frank Schübel setzt trotz politischer Unsicherheiten auf die Türkei. Mit Touristen lasse sich wegen der Krisen zwar weniger Geld verdienen, sagt er im Interview. Doch ausgerechnet die einheimische Bevölkerung in dem muslimischen Land hat Lust auf Spirituosen.
Berentzen-Werk in Minden: Die Türken haben noch Durst

Berentzen-Werk in Minden: Die Türken haben noch Durst

Foto: Peter Steffen/ picture alliance / dpa
Frank Schübel
Foto: Berenzten

Frank Schübel ist seit Anfang 2013 Chef bei Berentzen. Die lange Zeit defizitäre Schnapsfirma schreibt sei einigen Jahren wieder Gewinne. Finanzinvestor Aurelius, der das Unternehmen 2008 von den Gründerfamilien übernahm, zieht sich nach und nach zurück. Schübel war zuvor als Geschäftsführer für die Molkerei Weihenstephan tätig und hatte Führungspositionen bei der Deutschen Bahn AG und der Nestlé AG inne. Bei Berentzen will er die Marge jedes Jahr um einen Prozentpunkt steigern.

mm: Herr Schübel, die Türkei ist einer der wichtigsten Auslandsmärkte für Berentzen. Wie kann eine Schnapsfirma ausgerechnet in ein überwiegend muslimisches Land Hoffnungen setzen?

Schübel: Als wir vor vier Jahren unser Geschäft in der Türkei aufgenommen haben, hatten wir dort zwei in etwa gleich große Absatzkanäle - Hotels, in denen Feriengäste ein All-inklusive-Paket gebucht hatten und den Lebensmitteleinzelhandel, also lizensierte Läden, die Alkohol verkaufen dürfen. In beiden Bereichen haben wir ein sehr gutes Geschäft gemacht und 2014 etwa 900.000 Flaschen verkauft.

mm: Ist das jetzt nicht mehr so?

Schübel: Im touristischen Bereich verkaufen wir inzwischen deutlich weniger. Aufgrund der politischen Spannungen mit Russland sind viele Feriengäste von dort weggeblieben. Das hat einen riesigen Einfluss. Auch den allgemeinen Buchungsrückgang angesichts der Terroranschläge spüren wir beim Absatz. Wir können das aber verschmerzen, weil die Margen im klassischen Lebensmittelgeschäft deutlich höher sind. Und das läuft sehr gut.

mm: In der Türkei bauen die religiös-konservative AKP und Präsident Recep Tayyip Erdogan ihre Macht beständig aus. Werden die Zeiten für einen westlichen Anbieter von Alkoholika härter?

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Schübel: Die Rahmenbedingungen ändern sich nicht so stark, wie wir es vor einigen Jahren befürchtet haben. Zwar erhöht der Staat jedes Jahr die Steuern auf alkoholische Getränke. Zudem darf Alkohol nicht mehr in der Nähe von Moscheen beworben werden. Die Regierung hat den aktuellen politischen Rahmen bereits vor zwei bis drei Jahren gesetzt. Man darf sich jetzt nicht von jeder Krise beuteln lassen. Auch wenn es in diesem und im nächsten Jahr vielleicht nicht besser läuft als in den Vorjahren - wir glauben an den türkischen Markt.

mm: Hatte der Putschversuch direkte Folgen für Ihr Geschäft?

Schübel: Zum Wochenanfang haben wir keine besonderen Reaktionen gemerkt, das Leben in der Türkei geht erstaunlich normal weiter. Unsere Kunden haben die Ware in dieser Woche ganz normal bezahlt und abgenommen.

mm: Was trinken die Türken denn besonders gern? Apfelkorn oder doch eher mal einen Bommerlunder?

Schübel: Sehr erfolgreich ist für uns das Wodka-Geschäft unter der Marke Puschkin. Tequila und Whiskey sind ebenfalls bedeutend.

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