Sonntag, 16. Juni 2019

Mögliche Fusion Roland-Berger-Chef empfiehlt Soloweg

Roland Berger: Die Beratungsfirma hatte monatelang mit Kaufinteressenten verhandelt - und prüft nun Strategien, um eigenständig zu bleiben

Burkhard Schwenker, CEO der Unternehmensberatung Roland Berger, will der Partnerschaft beim Treffen am morgigen Mittwoch vorschlagen, eigenständig zu bleiben. Darauf hatten sich zuvor die oberste Führungsspitze, das Executive Commitee, und der Aufsichtsrat verständigt.

Hamburg/München - Monatelang hatte Berger mit Kaufinteressenten verhandelt. Zuletzt schienen die Gespräche mit dem Wirtschaftsprüfer Ernst & Young zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen; bis heute liegt aber offenbar kein unterschriftsreifes Angebot vor.

Die Verhandlungen hatten die Firma gelähmt. Schwenker will nun Ruhe hinein bringen und in einem Business Plan 2016 den Partnern aufzeigen, wie Einkommen und Dividenden mit einer Stand-alone-Strategie gesichert werden können.

Dazu ist eine großflächige Sanierung nötig, über deren Details manager magazin in seiner neuen Ausgabe berichtet. So will Schwenker das Beratungsgeschäft im Ausland bündeln, etwa das Business in Russland in die deutsche Struktur integrieren. Kleinere Büros sollen geschlossen werden.

Die Fachressorts, bei Berger Competence Center genannt, werden weiter umgebaut. Die Bereiche Corporate Finance und Restrukturierung wurden schon zusammengefasst. Nun soll als nächstes eine große Sparte entstehen, die das Thema digitale Transformation (Big Data) vorantreiben soll. Die Bereiche Marketing und Vertrieb sowie Teile der Telekommunikation werden darin aufgehen.

Sparprogramm - und niedrigere Zinsen für Gründer Roland Berger

Um die Profitabilität zu steigern, sollen massiv Kosten gespart werden. So sollen interne Dienstleistungen, der so genannte Support, deutlich billiger werden. Auch von Partnern wolle man sich trennen.

Nach wie vor drücken finanzielle Altlasten. Dazu gehören zum Beispiel die so genannten B-Shares. Das sind Anteile, die an die Partner ausgegeben wurden für eine Kreditbürgschaft im Zuge der Loslösung von der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen im Jahr 1998. Mit den Besitzenr der Anteile, die die Firma verlassen haben, hatte sich Schwenker auf einen Rückzahlungskompromiss geeinigt. Nun sollen auch die Partner, die noch im Unternehmen sind, von dieser Regelung profitieren.

Mit Unternehmensgründer Roland Berger verhandelt Schwenker über einen finanziellen Beitrag für die Zukunft des Unternehmens. Der Firmensenior hatte dem Unternehmen vor drei Jahren 50 Millionen Euro hoch verzinstes Mezzanine-Kapital zur Verfügung gestellt. Berger, so eine der diskutierten Varianten, könnte sich fortan mit einem niedrigeren Zinssatz begnügen.

Auch eine neue Gewinnverteilung will Schwenker vorstellen. Bisher können die Spartenleiter Gehalt und Boni weitgehend freihändig verteilen. Was danach noch übrig bleibt, fließt in Form von Dividenden an die Eigentümer, also an alle 250 Berger-Partner.

Schwenker will Dividenden via Satzungsänderung wieder ein stärkeres Gewicht verleihen, um so den inneren Zusammenhalt der Partnerschaft zu stärken.

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung