Donnerstag, 2. April 2020

Steuerhinterziehung Hoeneß "überrascht" von Anklage

Bayern-Präsident Uli Hoeneß: Am 10. März soll der Prozess beginnen

Bayern-Präsident Uli Hoeneß muss vor Gericht: Das Landgericht München II hat die Anklage der Staatsanwaltschaft wegen Steuerhinterziehung zugelassen. Hoeneß zeigt sich "überrascht" - und erhält prominenten Beistand.

München - Uli Hoeneß hat mit Verwunderung auf die Zulassung der gegen ihn erhobenen Anklage wegen Steuerhinterziehung durch die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München II reagiert. "Ich bin sehr überrascht, dass unsere Selbstanzeige vom 17. Januar bis jetzt von den Behörden nicht für wirksam erklärt wird. Ich werde mit den Anwälten in den nächsten Monaten sehr hart daran arbeiten, dass unsere Argumente das Gericht überzeugen", sagte Hoeneß dem Magazin "Sport Bild".

Die Pressestelle des Oberlandesgerichts hatte zuvor am Montag mitgeteilt, dass die Anklage der Staatsanwaltschaft München II "unverändert" zugelassen werde. Nach Planung des Gerichts muss Hoeneß damit vom 10. März an auf der Anklagebank Platz nehmen. Insgesamt sind vier Verhandlungstermine angesetzt, zudem ist die Vernehmung von vier Zeugen geplant.

Hoeneß, der im Januar eine Selbstanzeige getätigt hatte, freute sich indes über das erneut ausgesprochene Vertrauen vom Aufsichtsrat des FC Bayern: "In allen Sitzungen war immer die hundertprozentige Unterstützung des Aufsichtsrats, des Verwaltungsbeirats und der Fans spürbar. Ich habe unglaublich viele Briefe von Fans bekommen, die sich hinter mich als Präsident stellen. Ich habe diese Fehler als Privatmann gemacht und stehe als Privatmann dazu, aber ich glaube nicht, dass meine Arbeit für den FC Bayern darunter gelitten hat."

Bayern-Ehrenpräsident Franz Beckenbauer warnte hat vor einer gesellschaftlichen Ächtung Hoeneß'. "Ich denke, wir sollten niemanden verurteilen, der mal einen Fehler gemacht hat. Selbst die katholische Kirche gewährt eine zweite Chance", sagte Beckenbauer. Auch mit der Zulassung der Anklage sei noch keine strafrechtliche Schuld von Hoeneß festgestellt. "Nur deswegen ist man ja jetzt noch nicht verurteilt." Der Prozess im kommenden März sei für Hoeneß auch die Chance, "alles offenzulegen und zu beweisen, es war wirklich ein Fehler", sagte Beckenbauer.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wollte die Entwicklung nicht kommentieren. Ende April hatte sie sich vom Bayern-Präsidenten "enttäuscht" gezeigt, wie sie seinerzeit durch ihren Sprecher Steffen Seibert übermitteln ließ. Unter Verweis auf die damalige Einschätzung sagte Seibert am Montag in Berlin: "Dem ist heute nichts hinzuzufügen. Das sind rechtsstaatliche Abläufe, die wir hier nicht mit Gefühlen zu kommentieren haben. Der Rechtsstaat nimmt seinen Lauf." Auch das Finanzministerium wollte sich nicht äußern.

Hoeneß hatte sich selbst angezeigt und eingeräumt, ein Konto in der Schweiz über Jahre vor dem Finanzamt verheimlicht zu haben. Medienberichten zufolge ging es um Beträge in Millionenhöhe. Die Selbstanzeige war allerdings fehlerhaft, weshalb die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Steuerhinterziehung erhob. Der FC Bayern und seine Sponsoren wie Adidas Börsen-Chart zeigen, Volkswagen Börsen-Chart zeigen und die Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen hatten sich geschlossen hinter Hoeneß gestellt.

Der Fall hatte im Bundestagswahlkampf eine Debatte über Steuerbetrug ausgelöst. Das Thema spielt auch in den laufenden Koalitionsverhandlungen von Union und SPD eine Rolle. So könnten die gesetzlichen Regeln bei einer Selbstanzeige, die unter bestimmten Voraussetzungen vor Strafe schützt, weiter verschärft werden.

ts/rtr

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