Montag, 24. Februar 2020

Fristen im Massenverfahren verschoben Vergleich zwischen Bayer und Glyphosat-Klägern rückt näher

Glyphosat im Einsatz: Bayer versucht nach der Übernahme von Monsanto, die US-Klageindustrie zu stoppen
JEAN-FRANCOIS MONIER / AFP
Glyphosat im Einsatz: Bayer versucht nach der Übernahme von Monsanto, die US-Klageindustrie zu stoppen

Im Streit um mögliche Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter zwischen Bayer und Tausenden US-Klägern mehren sich die Anzeichen für einen möglichen Vergleich. Richter Vince Chhabria habe auf Anfrage des Mediators Ken Feinberg alle Fristen im Massenverfahren in San Francisco um 28 Tagen verschoben, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Samstag unter Berufung auf den Rechtsexperten Tom Claps vom Investmenthaus Susquehanna Financial schrieb.

Ein Sprecher für Bayer bestätigte eine Vertagung im Fall Stevick. Die Vertagung soll beiden Seiten Zeit verschaffen, die Mediation unter Ken Feinberg fortzusetzen, sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa-AFX. Bayer bringe sich konstruktiv in die Mediation ein, ein Deal sei aber nicht erreicht. Auch gebe es diesbezüglich weder einen Zeitplan noch Gewissheit.

Bundesrichter Chhabria, bei dem zahlreiche Klagen gebündelt sind, hatte die Streitparteien im Frühjahr 2019 zu einer einvernehmlichen Lösung aufgefordert und anschließend mit dem US-Staranwalt einen hochkarätigen Experten in Entschädigungsfragen bestellt.

Showdown im Monsanto-Drama: Wie sich Bayer den US-Anwälten ausliefert

Zuletzt waren bereits Prozesse bei anderen Gerichten vertagt worden. Analysten hatten das als positives Signal für einen umfassenden Vergleich gewertet. So hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Personen berichtet, dass die Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten möglicherweise für zehn Milliarden Euro beigelegt werden könnten.

Bayer hatte sich 2018 mit dem über 60 Milliarden Dollar teuren Kauf des US-Saatgutriesen Monsanto die Rechtsrisiken ins Haus geholt, die zu Zehntausenden Klagen führten. Der Leverkusener Konzern könnte die Causa Glyphosat zwar auch mit Berufungsverfahren durch die Instanzen bringen, am Ende vielleicht Recht bekommen und straffrei ausgehen. Allerdings wäre das riskant und langwierig. Mit einem groß angelegten Vergleich wäre das Thema hingegen endlich vom Tisch.

Vor diesem Hintergrund richten sie die Blicke auf die Veröffentlichung der Geschäftszahlen für 2019 am 27. Februar sowie auf die Hauptversammlung am 28. April. Am Markt wird spekuliert, dass Konzernchef Werner Baumann das Thema Glyphosat spätestens bis zur Aktionärsversammlung Ende April geklärt haben will. So hatten die Investoren 2019 wegen der Monsanto-Übernahme scharfe Kritik geäußert und Baumann die Entlastung verweigert. Ob der Vorstandschef im Falle einer erneuten Nicht-Entlastung zu halten wäre, ist offen.

Bislang hat sich der Streit um die möglichen Nebenwirkungen von Glyphosat für die US-Klageindustrie als glänzendes Geschäft erwiesen. Solange der Glyphosat-Hersteller Monsanto allein für Glyphosat verantwortlich war, blieb es relativ ruhig. Dies änderte sich, nachdem der deutsche Bayer-Konzern Monsanto übernommen hatte. Seitdem werben US-Anwälte aktiv in TV-Spots um Menschen, die Klage gegen Bayer wegen angeblicher Glyphosat-Schäden erheben. Die Kläger selbst kostet das in der Regel nichts, da sich die Klägeranwälte prozentual aus den erwarteten Schadenersatzzahlungen bedienen. Sie haben daher ein Interesse daran, möglichst viele Kläger für ihre Klagen zu gewinnen.

la/dpa-afx

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